16.11.2020 Branche | Produkte

DAV fordert neues Konzept für die Gewerbe­versicherung

Die Coronakrise hat die Veranstaltungs­ausfall- und die Betriebsschließungs­versicherung gehörig unter Druck gesetzt. Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) sieht für Pandemien in „Public-Private-Partnerships“ eine Lösung, um Versicherungsschutz zu erhalten.

Die vertraglich geregelte Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Unternehmen (PPP) könnte, zumindest aus Sicht der Versicherer, ein Modell für die Zukunft der Industrieversicherung sein. (Foto: © stanciuc – stock.adobe.com)
Die vertraglich geregelte Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Unternehmen (PPP) könnte, zumindest aus Sicht der Versicherer, ein Modell für die Zukunft der Industrieversicherung sein.
(Foto: © stanciuc – stock.adobe.com)

Die Gewerbe- und Industrieversicherung steht laut der Deutschen Aktuarvereinigung vor sehr großen Herausforderungen. Darauf hat der Vorstandsvorsitzende der DAV, Dr. Guido Bader, aus Anlass der ersten „e-Herbsttagung“ der Vereinigung hingewiesen. „Durch den staatlich verordneten Lockdown kam es in der Veranstaltungsausfall- und der Betriebsschließungsversicherung teilweise zu einem Totalschaden bei 100 Prozent der Unternehmen“, so Bader.

Forderungen nach einem Modell „Public-Private-Partnership“

 

In welchem Umfang die jeweiligen Versicherer hier leisten, hänge von vielen individuellen Faktoren ab. Generell gelte jedoch, dass eine solche Ausnahmesituation für niemanden vorhersehbar und schlussendlich in dieser Form auch nicht rein privatwirtschaftlich versicherbar sei. „Denn für eine derartige Absicherung müssten sich die Prämien nach unseren Berechnungen in der Betriebsschließungsversicherung grob gerechnet verzehnfachen. Einen solchen Vertrag würde wohl kein Unternehmen abschließen“, sagt Bader. Entsprechend seien andere Absicherungskonzepte gefragt. „Deshalb unterstützen wir ausdrücklich den Gedanken eines Public-Private-Partnerships für den Versicherungsschutz im Pandemiefall. Aber hier sind noch sehr viele Fragen zu klären“, so der DAV-Chef weiter. Die Versicherungsbranche arbeitet bereits seit Monaten an neuen Regularien für die Betriebsschließungsversicherung.

Lebensversicherer weniger stark betroffen

 

Die Auswirkungen der Krise auf die versicherungstechnischen Risiken der Lebensversicherungsunternehmen seien im Gegensatz dazu bisher überschaubar. Die zunächst befürchtete Übersterblichkeit sei bislang ausgeblieben, sodass sich das Jahr 2020 bei den Todesfallzahlen noch immer im normalen statistischen Schwankungsbereich bewege. „Positiv für die Risikotragfähigkeit der Lebensversicherer ist darüber hinaus, dass der befürchtete Mittelabfluss ausgeblieben ist“, so Bader. Denn nur zu Beginn der Pandemie hätten sich die Stornoquoten kurzzeitig erhöht. In der Mehrzahl hätten Kunden aber ihre Zahlungen gestundet oder ihre Verträge für einige Monate beitragsfrei gestellt. Da aber inzwischen die Mehrheit ihre Zahlungen wieder aufgenommen habe, hätten auch zu keiner Zeit Liquiditätsrisiken bestanden.

Sorge um Entwicklung an den Kapitalmärkten

 

Besorgt zeigt sich der DAV-Vorstandsvorsitzende über die Verwerfungen an den Kapitalmärkten: „Die Corona-bedingten massiven Anstiege der Staatsverschuldungen weltweit sowie die Ankaufprogramme der Zentralbanken haben die Zinsen, insbesondere in Europa und ganz speziell in Deutschland, auf Jahrzehnte auf extrem niedrigem Niveau einzementiert.“ Allein seit Beginn der Pandemie seien die sicheren Zinsen noch einmal um 20 bis 50 Basispunkte gesunken, was sich zunehmend auch in den Solvenzquoten der Lebensversicherer widerspiegle. Auf diese Situation würden die Versicherer mit veränderten Garantiekonzepten in der Lebensversicherung und der betrieblichen Altersversorgung reagieren. Dr. Guido Bader: „Ohne die Bereitschaft zu einem etwas höheren Risiko in der Altersvorsorge wird es künftig kaum noch eine Chance auf einen realen Wertzuwachs geben.“


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