22.02.2021 Branche

DAK-Studie: Corona treibt psychische Erkrankungen

Rekord bei Ausfalltagen im Corona-Jahr: Der Psych-Report der Krankenkasse DAK-Gesundheit zeigt für 2020 einen drastischen Anstieg des psychisch bedingten Krankenstandes.

Therapeuten verzeichnen in Coronazeiten wachsenden Zulauf. (Foto: YakobchukOlena - Fotolia)
Therapeuten verzeichnen in Coronazeiten wachsenden Zulauf.
(Foto: YakobchukOlena - Fotolia)

Noch nie gab es wegen psychischer Erkrankungen so viele Ausfalltage im Job wie im Corona-Jahr 2020. Sie erreichten mit rund 265 Fehltagen je 100 Versicherte einen neuen Höchststand. Im Vergleich zu 2010 bedeutet dies eine Zunahme um 56 Prozent. Das geht aus dem aktuellen Psych-Report der DAK-Gesundheit hervor. Der Anstieg bei den Erwerbstätigen betraf vor allem Frauen, bei Männern verharrten die Fehlzeiten nahezu auf Vorjahresniveau. Ein psychischer Krankheitsfall dauerte 2020 durchschnittlich 39 Tage – so lange wie noch nie. Bei den Diagnosen waren Depressionen die wichtigste Ursache für Krankschreibungen. Den größten Zuwachs wiesen mit acht Prozent gegenüber dem Vorjahr Anpassungsstörungen auf.

Rekord-Fehlzeit durch kranke Psyche

 

Für den Psych-Report hat das Berliner IGES Institut Daten von mehr als 2,4 Millionen bei der Kasse versicherten Beschäftigten ausgewertet. Eingegangen sind alle Fehlzeiten, für die eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung mit einer psychischen Diagnose an die Kasse geschickt wurde. Ein zentrales Ergebnis: Die Anzahl der Fehltage ist so hoch wie noch nie und die durchschnittliche Dauer eines psychischen Krankheitsfalls hat ein Rekordniveau erreicht. „Unsere aktuelle Analyse zeigt, wie gerade Menschen mit psychischen Problemen unter den Pandemie-Einschränkungen und -Belastungen leiden”, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit, Deutschlands drittgrößter Krankenkasse. „Besorgniserregend ist, dass die Betroffenen während der Krise über immer längere Zeiträume krankgeschrieben sind, vor allem Frauen.” Ziel müsse es sein, den Trend zu stoppen und Betroffenen mit passenden Angeboten und Versorgungskonzepten zu helfen. Das sei gerade in Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie sehr wichtig.

Corona macht länger psychisch krank

 

Der Psych-Report zeigt, dass sich bei den psychischen Erkrankungen 2020 das Verhältnis zwischen kurzen und langwierigen Fällen verändert hat: Bei kurzen Krankschreibungen bis zu einer Woche gab es einen deutlichen Rückgang von einem Fünftel. Krankschreibungen über zwei Wochen nahmen dagegen zu – bei Frauen noch deutlicher als bei Männern. Frauen haben wegen psychischer Probleme seit Jahren mehr Fehltage als Männer. Unter Pandemie-Bedingungen steigen bei ihnen die Fehlzeiten noch weiter an, während sie bei den Männern fast auf Vorjahresniveau verbleiben. So fehlten DAK-versicherte Arbeitnehmerinnen 2020 im Schnitt an 3,4 Tagen wegen einer psychischen Erkrankung, 2019 waren es noch 3,3 Tage. Männer kamen in beiden Jahren auf durchschnittlich 2,0 Tage.

Depressionen verursachen mit 106 Fehltagen je 100 Versicherte weiterhin mit Abstand die meisten Fehltage, liegen 2020 jedoch mehr oder weniger auf Vorjahresniveau. Unter Pandemie-Bedingungen gewinnen die Anpassungsstörungen an Bedeutung: Im vergangenen Jahr entfielen 64 Tage je 100 Versicherte auf diese zweitwichtigste Diagnose, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Eine Anpassungsstörung ist die Reaktion auf ein belastendes Lebensereignis, zum Beispiel einen Trauerfall. Das kann sich in negativen Veränderungen des Gemütszustandes oder auch in Störungen des Sozialverhaltens ausdrücken.


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