01.04.2021 Branche

Altersarmut: Ein großes Thema für junge Frauen

Eine Studie der GfK im Auftrag der Generali belegt, dass gerade junge Frauen Altersarmut fürchten. Die Corona-Krise verstärkt diese Sorgen. Sie fühlen sich von der Politik zu wenig beachtet, gleichzeitig spielt die Rentenpolitik für die Wahlentscheidung in diesem Jahr eine überraschend große Rolle.

9,3 Prozent ihres Bruttolohns zahlen Arbeitnehmer derzeit in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Das Umlagesystem verspricht für die meisten aber keine auskömmliche Altersversorgung mehr. (Foto: © CHW - stock.adobe.com)
9,3 Prozent ihres Bruttolohns zahlen Arbeitnehmer derzeit in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Das Umlagesystem verspricht für die meisten aber keine auskömmliche Altersversorgung mehr.
(Foto: © CHW - stock.adobe.com)

Rund zwei Drittel der 18- bis 32-jährigen Frauen bereitet das Thema Altersarmut Sorgen. Das ist ein Ergebnis einer repräsentativen GfK-Studie im Auftrag der Generali Deutschland. 69,3 Prozent der Frauen dieser Altersgruppe befürchte, dass die gesetzliche Rente nicht ausreichen wird. Ein Phänomen das häufig der Unübersichtlichkeit der Angebote geschuldet ist: 20,7 Prozent der Frauen mit dieser Befürchtung finden das Thema Altersvorsorge zu komplex. Sie haben das Gefühl, nicht zu wissen, was sie tun sollen. Da ist offenbar auch die Öffentlichkeit keine Hilfe. Vor allem junge Frauen (68,2 Prozent) vermissen passende Informationen und fühlen sich im Vergleich zu Männern (44,3 Prozent) schlechter informiert. Noch drastischer ist das Informationsdefizit im Hinblick auf die Politik: Mit dem hohen Anteil von 87,3 Prozent fühlen sich fast alle Frauen von der Politik schlecht informiert – 28,3 Prozent davon sogar extrem schlecht.

Rentenpolitik hat starken Einfluss auf Wahlentscheidung junger Frauen

 

Nach wie vor sind es laut der Studie häufig Frauen, die den Spagat zwischen Familie und Job machen und dabei oft ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen bzw. reduzieren müssen. Mütter sind besonders gefährdet, in die Altersarmut abzurutschen. Und auch wenn sie später wieder in den Beruf einsteigen, entscheiden sie sich häufig nur für einen Teilzeitjob, wohlwissend, dass sie im Alter umso weniger als Rente ausgezahlt bekommen. Hinzu kommt das Problem des „Gender Pay Gap“ – also der geringere Durchschnittsverdienst von Frauen gegenüber gleichqualifizierten Männern. In der Folge finden insbesondere junge Frauen ihre Generation unzureichend in der Politik beachtet (82,4 Prozent). 62,5 Prozent geben an, dass die aktuelle Rentenpolitik ihre Wahlentscheidung im nächsten Jahr beeinflussen wird. 63,7 Prozent der jungen Frauen fordern, dass die Politik mehr, andere und konkretere Lösungen über die gesetzliche Rente hinaus anbieten soll. Jede Vierte möchte, dass die Politik enger mit Versicherern bzw. privaten Anbietern von Altersvorsorge zusammenarbeiten soll.

Corona belastet die finanzielle Vorsorge

 

Die kurzfristigen Folgen der Corona-Krise sind nach den GfK-Ergebnissen für junge Frauen  schon jetzt spürbar: 27,1 Prozent geben an, bereits Angespartes in der Pandemie für andere Zwecke genutzt zu haben als sie eigentlich vorgesehen hatten – wie etwa für Urlaube, Einrichtungen oder Altersvorsorge. Allerdings macht sich jede dritte Frau bedingt durch die Krise Sorgen um ihre finanzielle Zukunft (33,0 Prozent). Bisher verzeichnen bereits 9,4 Prozent der Frauen zum Teil starke finanzielle Einbußen und 16,1 Prozent geben an, ihren Lebensstil bereits als Folge dessen angepasst zu haben. Jede dritte junge Frau geht davon aus, dass die Pandemie ihre Möglichkeiten zur finanziellen Vorsorge noch zwei bis drei Jahre beeinflussen wird. Jede vierte ist der Meinung, dass sie diese Folgen sogar für die kommenden vier bis fünf Jahre spüren wird.

Generali-Chef warnt vor demografischem Renten-Risiko

 

Für Giovanni Liverani, Vorstandsvorsitzender der Generali Deutschland AG, steht deshalb fest, dass es von hoher gesellschaftlicher Bedeutung ist, den jungen Menschen so früh wie möglich die Wichtigkeit des komplexen Themas Altersvorsorge näherzubringen. Man müsse diese Zielgruppe informieren, beraten und ihnen auch Lösungen anbieten. Denn die Schere zwischen Jung und Alt öffne sich stetig weiter: Immer weniger junge Menschen müssten für immer mehr ältere sorgen. Mit der staatlichen Rente allein werde der gewohnte Lebensstandard im Alter nicht zu halten sein.


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