23.04.2021 Branche

Arztpraxen profitieren von Privatversicherten

Auf den Finanzierungsbeitrag der PKV zum Gesundheitssystem hat das Wissenschaftliche Institut des Verbands (WIP) hingewiesen. Pro niedergelassenen Arzt betrugen die Mehreinnahmen demnach im Schnitt rund 55.000 Euro.

Privat Krankenversicherte genießen in vielen Arztpraxen eine besondere – und teurere – Behandlung. (Foto: Online Marketing/Unsplash)
Privat Krankenversicherte genießen in vielen Arztpraxen eine besondere – und teurere – Behandlung.
(Foto: Online Marketing/Unsplash)

Ohne Privatpatienten fehlten dem Gesundheitssystem jedes Jahr rund 13 Milliarden Euro. Das hat das Wissenschaftliche Institut der Privaten Krankenversicherung (WIP) in einer aktuellen Studie errechnet. Die Rechnung geht so: Im Jahr 2019 flossen 37,52 Milliarden Euro durch Privatpatienten in das deutsche Gesundheitssystem. Wären sie gesetzlich versichert, gingen 12,73 Milliarden Euro, also knapp ein Drittel davon, verloren.

Dickes Plus für Niedergelassene

 

Dem WIP zufolge profitiert vor allem der ambulante Sektor. Die Arztpraxen würden demnach ohne Privatversicherte jährlich 6,43 Milliarden Euro einbüßen. Umgerechnet sind das durchschnittlich rund 55.000 Euro pro Jahr, die je niedergelassenem Arzt im Vergleich zu heute fehlen würden. Das entspricht zum Beispiel dem Einkommen von durchschnittlich 1,75 Sprechstundenhilfen, die eine Praxis dann nicht mehr beschäftigen könnte.

Wichtig für strukturschwache Regionen

 

Gerade für die medizinische Versorgung in den ländlichen Regionen komme dem überdurchschnittlichen Beitrag der Privatversicherten zu den Gesundheitskosten eine hohe Bedeutung zu. „Der Fortbestand von Arztpraxen auf dem Land und in strukturschwachen Regionen hängt überdurchschnittlich stark von den Umsätzen der Privatversicherten ab”, schreibt das WIP.

Das Institut widerspricht der These, medizinische Versorgungsengpässe auf dem Land hingen mit dem dualen System aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung zusammen. Die Behauptung, Ärzte würden sich weniger in ländlichen Regionen niederlassen, weil es dort keine oder nur wenige Privatversicherte gebe, gehe an der Realität vorbei.


Weitere Artikel

Listing

17.05.2022 Branche

Neue Studie offenbart Pflegedilemma

Unterschätzte Kosten, fehlendes Wissen, körperliche Überlastung – die „HanseMerkur Pflegestudie 2022“ verdeutlicht die großen Probleme im Bereich Pflege. Besonders schwer haben es pflegende Familienangehörige.

> weiterlesen
Listing

16.05.2022 Branche

Studie: Keine Abkehr von individueller Mobilität

Nach der neuen Mobilitätsstudie der HUK-Coburg wollen die Deutschen auch zukünftig vor allem individuell unterwegs sein – und das mit dem Auto. Auch wenn der Zuspruch zunimmt, die große Liebe zum E-Auto ist noch nicht da. Ein Grund dürfte die Sorge vor hohen Strompreisen sein.

> weiterlesen
Listing

09.05.2022 Branche

Die BaFin und ihr neuer Chef

Zwischenbilanz nach neun Monaten: Auf der Jahrespressekonferenz erklärt der neue Präsident der BaFin, Marc Branson, warum die Aufsichtsbehörde unter seiner Führung bereits schlagkräftiger geworden sei. Auf das deutsche Finanzsystem sieht er durch Krieg und Inflation mittelfristig große Herausforderungen zukommen.

> weiterlesen