05.01.2022 Branche

Atradius befürchtet schwieriges Jahr 2022

Corona, Lieferengpässe, Inflation und politische Risiken: Der internationale Kreditversicherer Atradius sieht eine Fülle von Herausforderungen in diesem Jahr auf die globale Wirtschaft zukommen.

Ausgang unklar: Der Kreditversicherer Atradius prognostiziert ein unsicheres Jahr 2022. (Foto: Christophe Hautier/Unsplash)
Ausgang unklar: Der Kreditversicherer Atradius prognostiziert ein unsicheres Jahr 2022.
(Foto: Christophe Hautier/Unsplash)

Die vierte Welle der Corona-Pandemie hat Deutschland fest im Griff. „Die wirtschaftliche Erholung im Jahr 2022 ist deutlich unsicherer geworden”, sagt Michael Karrenberg, Regional Director Risk Services beim internationalen Kreditversicherer Atradius. Die stark gestiegene Zahl der Neuinfektionen und die damit verbundenen Maßnahmen wie etwa Lockdowns treffen bereits jetzt Branchen wie Gastronomie, Tourismus oder die Veranstaltungswirtschaft „Die wirtschaftlichen Langzeitfolgen der Corona-Krise wirken zwar langsamer als die Lockdown-Maßnahmen, dafür umso unerbittlicher – und dies dürfte auch zu einer steigenden Zahl von Firmenpleiten im Jahr 2022 führen”, so Karrenberg.

Engpässe bedrohen Industrie

 

Aus Sicht von Atradius gibt es noch größere Risiken als Lockdowns. Die Wirtschaft leidet seit Monaten bereits unter anhaltenden Rohstoff-, Material- und Lieferengpässen. Für die Fertigstellung von Aufträgen fehlen wichtige Vorprodukte wie Computerchips, Holz, Aluminium oder Plastik und Papier. Diese Mangelwirtschaft trifft insbesondere die Automobilindustrie. Aufgrund fehlender Halbleiter können weniger Fahrzeuge produziert werden, Milliardenverluste drohe. „Die Automobilbranche dürfte länger als ursprünglich angenommen mit diesem Problem zu kämpfen haben”, sagt Karrenberg.

Gas- und Strompreise bringen Energieanbieter in Bedrängnis

 

Auch die Teuerungsrate wird 2022 eine große Herausforderung für Branchen wie Energie und Baumaterialien darstellen, so die Prognose des zweitgrößten Kreditversicherungsunternehmen der Welt. Mehrere Energieanbieter sind zuletzt aufgrund der sprunghaft gestiegenen Bezugspreise für Gas und Strom in Bedrängnis geraten. Im Energiesektor gab es bereits erste Insolvenzen. Der Grund: Die Lieferverträge der Energieanbieter sind langfristig ausgehandelt, so dass ihnen wenige Möglichkeiten bleiben, Preissteigerungen an die eigenen Kunden weiterzureichen. Ein ähnliches Problem ergibt sich für Baufirmen angesichts der höheren Materialpreise. Hier werden viele unerwartete Kosten ebenfalls nicht komplett weitergegeben werden können. Karrenberg: „Viele Unternehmen befürchten, dass sie die kommenden sechs bis neun Monate nur auf Sicht fahren können – das verhindert Investitionsentscheidungen.”

Politische und wirtschaftliche Unsicherheiten

 

Hinzu kommen die Auswirkungen der Weltpolitik. Viel Brisanz steckt etwa im Ukraine-Konflikt: Kommt es hier zu den von den USA ins Spiel gebrachten, weitreichenden Sanktionen gegen Russland, werden sich die Unsicherheiten im internationalen Geschäft weiter erhöhen. Hinzu kommen die schwierige wirtschaftliche Lage in der Türkei, die Spannungen zwischen den USA und China sowie zwischen der EU und Russland. All dies könnte zu enormen Verwerfungen führen.

Anstieg der Insolvenzen befürchtet

 

All das könnte auch Auswirkungen auf die Firmeninsolvenzen in Deutschland haben. „Corona, Lieferengpässe, Inflation und politische Risiken können eine explosive Mischung bilden”, warnt Karrenberg. Seine Prognose: Die Zahl der Pleiten dürfte 2022 wieder steigen und das Risiko der Forderungsausfälle zunehmen.


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