16.04.2021 Branche

DEKRA-Arbeitssicherheits­report: Rund jeden Dritten macht Homeoffice krank

Eine Umfrage offenbart die Schattenseiten der vielgepriesenen Jobverlagerung in die eigenen vier Wände. Vor allem Rückenschmerzen, unregelmäßige Arbeitszeiten und Stress mit den Familienmitgliedern machen den Menschen zu schaffen.

Stundenlang auf dem alten Wohnzimmerstuhl sitzen und tippen – so sieht bei vielen Menschen derzeit der (ungesunde) Arbeitsalltag im Homeoffice aus. (Foto: VinzentWeinbeer/Pixabay)
Stundenlang auf dem alten Wohnzimmerstuhl sitzen und tippen – so sieht bei vielen Menschen derzeit der (ungesunde) Arbeitsalltag im Homeoffice aus.
(Foto: VinzentWeinbeer/Pixabay)

Seit mehr als einem Jahr zwingt die Corona-Pandemie Millionen Menschen ins Homeoffice. Anfang 2021 hat bereits jeder vierte Beschäftigte von zu Hause aus gearbeitet. Die flexible Umstellung der Unternehmen wird einhellig gelobt, Homeoffice gar als Arbeitsmodell der Zukunft gepriesen. Doch inzwischen kommen auch die Schattenseiten der Jobverlagerung ins Private zum Vorschein. Die DAK und die Debeka haben schon vor Monaten eine dramatisch steigende Zahl an Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen vermeldet. Nun zeigt auch der „DEKRA Arbeitssicherheitsreport 2021“ welche konkreten Probleme durchs Homeoffice entstehen.

Homeoffice als Fluch und Segen

 

Zwar fühlt sich die überwiegende Mehrheit (84 Prozent) im Homeoffice vor einer Infektion mit dem Corona-Virus gut geschützt. Ähnlich viele (82 Prozent) finden es gut, dass sie sich den Weg zum Büro sparen können. Zudem begrüßen jeweils 67 Prozent, dass sie zu Hause in gemütlicher Kleidung arbeiten können oder ihre Arbeitszeit flexibel einteilen können.

Doch es gibt auch jede Menge negative Aspekte zu beklagen. Als großes Problem erweist sich aber offenbar die falsche Sitzhaltung am eigenen Arbeitsplatz. Laut Studie gibt rund jeder dritte Befragte an, über gesundheitliche Probleme wegen eines „mangelhaften, nicht-ergonomischen Arbeitsplatzes“ zu leiden. 36 Prozent der befragten Beschäftigten leiden unter Verspannungen, Rücken- oder Kopfschmerzen. Ähnlich viele haben mit fehlender oder unzulänglicher Arbeitsausstattung wie einem zu kleinen Bildschirm oder instabilem Internet zu kämpfen (34 Prozent). Längere Arbeitszeiten oder Arbeiten zu untypischen Zeiten, beispielsweise am Abend oder am Wochenende, betreffen 32 Prozent. 23 Prozent beklagten laut Umfrage eine mangelnde Wahrnehmung durch den Arbeitgeber oder die Aufmerksamkeit des Chefs. Als problematisch empfanden viele Homeoffice-Beschäftigte auch Störungen aufgrund der Wohnsituation im Alltag, etwa durch Familienangehörige oder Nachbarn (30 Prozent), sowie Störungen wegen nicht klar von der Restwohnung abgegrenzter Arbeitsbereiche (27 Prozent).

„Die häufig neue Arbeitssituation in der Pandemie hat für viele Beschäftigte negative Auswirkungen auf die körperliche und häufig auch auf die mentale Gesundheit“, sagt Dr. Karin Müller, Leiterin des Bereichs „Mensch & Gesundheit“ bei DEKRA. „Arbeitgeber sind in der Pflicht, auch im temporären Homeoffice Gefährdungen für die Mitarbeiter zu erfassen, vor allem im Hinblick auf Ergonomie und ungesunden Stress“, ergänzt sie.

Mangelnde Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz

 

Gemischte Rückmeldungen gab es bei der DEKRA-Befragung hinsichtlich des Infektionsschutzes in den Betrieben. Nur 44 Prozent der Befragten (Stand Dezember 2020), die seit Beginn der Pandemie auch oder weiterhin an ihrem Arbeitsplatz im Betrieb arbeiten, gaben an, dass der Arbeitgeber alles Notwendige getan hat, um die Mitarbeiter bestmöglich vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. Bei 36 Prozent hat der Arbeitgeber „eher“ alles getan, um für einen bestmöglichen Infektionsschutz zu sorgen. 80 Prozent wird die erforderliche Schutzausrüstung vollständig oder teilweise zur Verfügung gestellt, bei bedenklichen 20 Prozent hingegen wenig bis gar nicht.


Weitere Artikel

Listing

05.07.2022 Branche

PRIIP-Vorschriften verspäten sich

Die EU-Kommission hat die Technischen Regulierungsstandards zu einheitlichen Produktinformationsblättern (PRIIPs) auf den 1. Januar 2023 verschoben. Durch die verspätete Mitteilung entsteht hier eine Lücke. Die BaFin will aber ein Hin und Her vermeiden und kündigt an, ebenfalls erst ab Anfang 2023 zu prüfen.

> weiterlesen
Listing

01.07.2022 Branche

Zurich-Analyse spricht von „Flutdemenz“

Die Zurich präsentiert in einer Analyse Ursachen und Folgen der Flutkatastrophe durch Tief Bernd im Jahr 2021 und präsentiert eine Reihe von Vorschlägen in Sachen Vorhersagemodelle, Frühwarnsysteme und Bebauung. Fehlende Prävention und der Umgang der Bevölkerung mit Extremwettereignissen seien Teil des Problems.

> weiterlesen
Listing

28.06.2022 Branche

GDV-Forderung: Plas­tikpel­lets sollen als Gefahr­gut eingestuft werden

Im Namen des GDV wollen die deutschen Transportversicherer erreichen, dass Kunststoffpellets künftig weltweit als Gefahrgut deklariert werden, wenn sie auf dem Seeweg transportiert werden. Das soll Ladungsverluste und damit Umweltschäden minimieren. Der Anteil der Pellets am weltweiten Kunststoffaufkommen ist sehr gering.

> weiterlesen