Sie sind Treuhänder, Produktexperten und Ratgeber – ohne die Vermittler geht nichts in der Finanz- und Versicherungswirtschaft. Sie leben von ihren Kundenbeziehungen, kümmern sich um den persönlichen Kontakt und sorgen für das nötige Vertrauen. VP-Online stellt unabhängige Makler, Mehrfachagenten und Spezialisten an dieser Stelle vor und gibt dieser wichtigen Berufsgruppe eine Stimme.

08.05.2020 MenschMakler

Foto: © AfW Bundesverband Finanzdienstleistung

Vom Quereinsteiger zum Finanzexperten

Micha H. Schrammke: Er ist ein Allrounder mit IT-Hintergrund. Das hilft nicht nur bei Fragen der Digitalisierung, sondern erleichtert ihm auch den Zugang zu neuen Zielgruppen wie Gamer und Influencer. Schrammke sprüht vor Ideen – und nimmt die Corona-Krise als Herausforderung an. Zu schaffen machen ihm und seinen Kunden allerdings zunehmend Regulierungen und Dokumentationspflichten.

Was wären Sie geworden, wenn nicht Versicherungsmakler?

Ursprünglich hatte ich mich aus persönlicher Faszination für das Thema Börse selbstständig gemacht mit der Idee, Anlegerseminare zu veranstalten. Die Leidenschaft für Börse und Kapitalmärkte wiederum war Folge meines Wirtschaftsinformatik-Studiums, nach dessen Abschluss ich mich aber gegen die Softwareentwicklung entschieden und noch ein Studium der Rechtswissenschaften vorangetrieben hatte. Aus dem Jurastudium heraus erfolgte dann die Gründung. Hätte mich also am Ende nicht die Finanzwelt am stärksten gereizt, wäre ich wohl Jurist geworden oder auch in die IT-Welt zurückgekehrt.

Warum sind Sie Teil eines Maklerpools oder warum sind Sie es nicht?

Maklerpools nutze ich quasi seit der ersten Stunde, weil ich als Einzelkämpfer Marktüberblick und Expertise über alle Sparten hinweg unmöglich selbst leisten könnte. Die Expertenteams der Pools sind daher für mich eine wichtige Ressource für Austausch, Tipps und schnelle Orientierung. Auch in puncto Abrechnung und Fortbildung stellt die Kooperation mit Pools für mich eine große Erleichterung dar. Grundsätzlich glaube ich aber auch, dass wir freien Makler uns in Gemeinschaften organisieren müssen, um gegenüber Politik und Versicherern/Produktanbietern mehr Gewicht zu gewinnen.

Wie stark haben Sie Ihre Arbeit bisher digitalisiert? Was haben Sie noch vor?

Aufgrund meines IT-Hintergrunds habe ich natürlich immer auf digitale Lösungen gesetzt, wo es möglich und sinnvoll war. So habe ich vom ersten Tag an auf eigene Website und Internetverzeichnisse gesetzt, Newsletter genutzt und auch immer zur jeweiligen Zeit überzeugende Verwaltungs- und Analyse-Software eingesetzt. Auch die „Papierwirtschaft“ wurde über die Jahre immer stärker digitalisiert und verstärkt auch elektronische Signaturen angeboten. Zuletzt habe ich auch Online-Beratungstools sondiert und eine passende Lösung eingeführt.

Ich wünsche mir, dass alle Finanz- und Versicherungsmakler Courtage, Honorar oder Mischmodelle mit allen Mandanten frei vereinbaren können, solange es klar besprochen und transparent dargelegt ist.

Micha H. Schrammke, investmentpartner Schrammke eK

Welche bürokratischen Rahmenbedingungen würden Sie gern ändern?

Die aktuelle Situation, in der wir immer wieder überlegen müssen, was erlaubt ist und was nicht, ist unglücklich. Auch beim Anleger- und Versicherungsnehmerschutz würde ich mir eine generelle Revision der Regulierungsmaßnahmen mit Augenmaß wünschen. Der über die Jahre entstandene Umfang beispielsweise an Dokumentations- und Informationspflichten aber bringt alle an die Grenzen – sowohl uns bei der Erfüllung wie auch unsere Kunden bzw. Mandanten angesichts der schieren Menge und manchmal auch Komplexität.

Was ist ihre Kernbotschaft an Kunden, mit Ihnen zusammen zu arbeiten?

Langfristigkeit, Fairness und Transparenz – kurz gesagt. Ich strebe stets eine dauerhafte und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit meinen Mandanten an. Empfehlungen lege ich so objektiv und nachvollziehbar wie möglich dar, erkläre sehr viel, sage aber auch klar und offen, wenn etwas nicht passt oder ich keine überzeugende Lösung anbieten kann. Auch übe ich keinerlei Entscheidungsdruck aus. Mein Ziel ist, Mandanten eine solide Grundlage zur eigenen Entscheidung zu verschaffen, statt ihnen möglichst effizient etwas zu verkaufen. Denn solche Entscheidungen sind nachhaltiger und auch in vielleicht einmal schwierigeren Zeiten tragfähiger.

In welchen Sparten versprechen Sie sich in Zukunft das meiste Geschäft?

Da ich jüngst mit dem neuen Projekt "gamesurance" gestartet bin, mit dem ich mich spezialisiert vor allem auf Game Developer, E-Sport-Organisationen sowie Streamer und Youtuber ausrichte, sind betriebliche Haftpflicht-, Cyber-, Rechtsschutz- und Sachversicherungen sicherlich ein Kernbereich. Daneben aber stehen natürlich auch weiterhin die Themen Investment und Altersvorsorge sowie ein inzwischen langjähriges Projekt "trotzdem versicherbar" im Fokus, das biometrische Absicherungen wie Risikoleben, Unfall oder Krankenzusatzversicherung für Menschen mit Vorerkrankungen behandelt.

Welche konkreten Auswirkungen hat die Corona-Krise auf Ihr Geschäft?

Ich spüre Unsicherheit bei vielen Mandanten, was die unmittelbare oder auch mittelfristige wirtschaftliche Situation angeht. Neuanfragen sind zurückgegangen, Entscheidungen oder ganze Projekte werden zurückgestellt; auch kommen im Bestand vereinzelt Fragen auf, ob und inwieweit beispielsweise Versicherungsbeiträge reduziert oder zeitweise ausgesetzt werden können.

Vita:

  • Geboren: 1970
  • 1991: Doppelqualifikation Abitur und staatlich geprüfter Mathematisch-Technischer Assistent (MaTA)
  • 1992–1995: Studium der Wirtschaftsinfomatik an der staatlichen Berufsakademie Mannheim, Abschluss Diplom-Betriebswirt (BA), Fachrichtung Wirtschaftsinformatik
  • 1995–1999: Studium der Rechtswissenschaften in der Universität Göttingen
  • seit 1998: Inhaber und Geschäftsführer investmentpartner Schrammke eK
  • 2007: Abschluss Fachberater für Finanzdienstleistungen (IHK)
  • 2009: Abschluss Fachwirt für Finanzberatung (IHK)

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