04.08.2021 Produkte

Studie zur Schifffahrtsbranche: Diese Risiken sind mit an Bord

Schiffe sind zwar deutlich sicherer als früher. Doch externe Ereignisse wie verhinderte Crewwechsel, Containerbrände, Cyberattacken und Piraterie-Angriffe stellen die Branche vor immense Herausforderungen. Das zeigt der jährliche Report des Allianz-Industrieversicherers.

Im vergangenen Jahr gingen weltweit 49 große Schiffe verloren – angesichts einer Welthandelsflotte von mehr als 70.000 Schiffen eine verschwindend geringe Zahl. Die gesamte Zahl der Schiffsunfälle sank 2020 um vier Prozent auf 2703. (Foto: Diego Fernandez/Unsplash)
Im vergangenen Jahr gingen weltweit 49 große Schiffe verloren – angesichts einer Welthandelsflotte von mehr als 70.000 Schiffen eine verschwindend geringe Zahl. Die gesamte Zahl der Schiffsunfälle sank 2020 um vier Prozent auf 2703.
(Foto: Diego Fernandez/Unsplash)

Mit Spannung erwartet die Schifffahrtsbranche den alljährlichen „Safety and Shipping Review” der Allianz-Tochtergesellschaft Global Corporate and Specialty. Der Report gibt Auskunft über die allgemeine Sicherheitslage der Branche und zeigt in welchen Bereichen sich zuletzt die größten Schadens- und Betriebsrisiken offenbarten.

Havarie-Risiko so gering wie nie

 

Der aktuelle Bericht bescheinigt der Branche ein weiterhin hohes Sicherheitsniveau. So blieb die Zahl der Totalverluste von großen Schiffen 2020 das dritte Jahr in Folge auf einem historischen Tiefstand und auch die gemeldeten Schiffsunfälle gingen im Vergleich zum Vorjahr weiter zurück. „Die Allianz-Studie beweist deutlich, wie die Seeschifffahrt insgesamt immer sicherer wird. Dazu tragen auch viele Sicherheitsvorschriften und Kontrollen bei. Es zeigt sich, dass sie wirkungsvoll angewendet werden”, resümiert Ralf Nagel, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verband Deutscher Reeder (VDR).

Schifffahrtsbranche im Aufwind

 

Gleichzeitig erlebt die Schifffahrtsbranche derzeit einen echten Boom: Seit Monaten erreichen die Frachtraten für Containereinheiten neue Rekordhöhen. Das globale Seehandelsvolumen – 90 Prozent aller Industrie- und Konsumgüter werden per Seefracht transportiert – ist auf dem besten Weg, das Niveau von 2019 in diesem Jahr zu übertreffen. „Die Schifffahrtsbranche hat sich während der Coronavirus-Pandemie als sehr widerstandsfähig erwiesen, wie das starke Handelsvolumen und die Erholung, die wir heute in mehreren Bereichen der Branche sehen, beweisen”, sagt Justus Heinrich, Leiter der Schifffahrtsversicherung der AGCS in Zentral- und Osteuropa und Globaler Produktmanager für Schiffskasko.

Crewwechsel als Sicherheitsrisiko

 

Dennoch gab und gibt es Herausforderungen: Als aktuell größtes Problem erweisen sich die verhinderten Crewwechsel. Im März 2021 befanden sich schätzungsweise 200.000 Seeleute an Bord von Schiffen, die aufgrund von COVID-19-Beschränkungen nicht in die Heimat zurückkehren konnten. Manche von ihnen sind bereits mehr als zwölf Monate durchgängig im Bordeinsatz – üblicherweise werden die Seeleute nach vier Monaten gewechselt. Der Allianz-Report nennt hier explizit die Risiken durch überlastete und mental erschöpfte Crewmitglieder an Bord. Ein Faktor, der sich letztlich auf die Sicherheit auswirken kann.

Globale Lieferketten besonders anfällig

 

Wenn doch mal etwas auf See passiert, hat das oftmals große Auswirkungen und wird für alle Beteiligten teuer. Die Bilder des havarierten Containerschiffs „Ever Given”, das im vergangenen März eine Woche lang den Suezkanal blockierte, ist noch in Erinnerung. Es folgten weltweite Lieferverzögerungen – insbesondere bei Elektronik-Artikeln. Laut AGCS-Report ist die Zahl von Containerverlusten auf See im letzten Jahr in die Höhe geschnellt (über 3.000) und hat sich 2021 auf hohem Niveau fortgesetzt. Auch das kann Lieferketten unterbrechen und nicht zuletzt ein potenzielles Verschmutzungs- und Navigationsrisiko darstellen.

Brandgefahr mit verheerenden Folgen

 

Ein besonders besorgniserregender Trend ist der jüngste Anstieg der Häufigkeit von Bränden auf Containerschiffen mit einem Wert von über 500.000 US-Dollar. Ursache sind meist Brände innerhalb einzelner Container. „Dabei handelt es sich oft um falsch deklarierte Ladung”, erklärt VDR-Geschäftsführer Nagel.  „Wir drängen darauf, dass auch diese Sicherheitslücke geschlossen wird. Crew, Schiff und sonstige Ladung dürfen dadurch nicht gefährdet werden.”

Piraten und Cyberangriffe als globale Herausforderung

 

Als anhaltende Bedrohung erweist sich die internationale Piraterie. Letztes Jahr wurden 130 Besatzungsmitglieder bei 22 Vorfällen in der Region entführt – die höchste Zahl aller Zeiten – und das Problem setzt sich fort. Schiffe werden immer weiter von der Küste entfernt ins Visier genommen – in einigen Fällen über 200 nautische Meilen.

Auch das Thema Cyberkriminalität wird im Report aufgegriffen. So waren allein die vier größten Schifffahrtsunternehmen der Welt alle bereits Opfer eines Cyberangriffs. Da sich geopolitische Konflikte zunehmend im Cyberspace abspielen, wächst die Sorge vor einem möglichen Angriff auf kritische maritime Infrastrukturen wie wichtige Häfen. Die zunehmende Sensibilisierung für Cyberrisiken und die entsprechende Regulierung führen dazu, dass Schifffahrtsunternehmen zunehmend Cyberversicherungen abschließen, wenn auch bisher hauptsächlich für landgestützte Aktivitäten.


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