11.05.2021 Produkte

20 Jahre Riesterrente: Jubiläum mit Bauchschmerzen

Vor genau zwei Jahrzehnten hat der Bundestag das Altersvermögensgesetz beschlossen – der Beginn der Riesterrente. Während die Versicherer insgesamt eine positive Bilanz ziehen, fordern Verbraucherschützer ihre Abschaffung.

Ziel der Riesterrente war und ist es, die Lücke in der gesetzlichen Rente zumindest teilweise zu schließen. (Foto: Daniel Fuhr - stock.adobe.com)
Ziel der Riesterrente war und ist es, die Lücke in der gesetzlichen Rente zumindest teilweise zu schließen.
(Foto: Daniel Fuhr - stock.adobe.com)

Die nach dem damaligen Bundesarbeitsminister Walter Riester benannte staatlich geförderte Zusatzrente ist 20 Jahre nach ihrem Start nicht nur ins Gerede gekommen – sie hat auch deutlich an Anziehungskraft eingebüßt. Im vergangenen Jahr sank die Zahl der Verträge um 160.000 auf 16,37 Millionen und nur für rund 10,5 Millionen Verträge wird der staatliche Zuschuss beantragt und gezahlt. „Wir befinden uns in einer Abwärtsspirale”, sagt Klaus Morgenstern, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge. 

Deutliches Rentenplus

 

Trotzdem ziehen Deutschlands Versicherer eine überwiegend positive Bilanz der Riester-Rente. „Mit aktuell über 16 Millionen abgeschlossenen Verträgen ist Riester die weltweit erfolgreichste freiwillige staatlich geförderte Altersvorsorge”, sagte der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Jörg Asmussen. Und Riester sei nicht nur weit verbreitet, sondern funktioniere auch: „Wer wie vorgesehen in einen Riester-Vertrag einzahlt, kann mit einem Rentenplus von rund 20 Prozent rechnen, wie die Deutsche Rentenversicherung ermittelt hat.“

Kritik von Verbraucherschützern

 

Zahlreiche Verbraucherschützer bezweifeln dagegen, dass das Produkt noch eine Zukunft hat. Der Bund der Versicherten, die Bürgerbewegung Finanzwende und der Bundesverband der Verbraucherzentralen haben dazu eine Kampagne gestartet. Motto: „Stoppt die Riester-Rente – sonst sehen wir alt aus”. Sie kritisieren zu hohe Kosten und eine zu geringe Rendite. Außerdem sei das Produkt handwerklich schlecht umgesetzt und nicht reformierbar. „Wir brauchen endlich einen Neuanfang zugunsten der Verbraucher“, fordert Klaus Müller vom Verbraucherzentrale Bundesverband.

Minizins und Beitragsgarantie passen nicht zusammen

 

Dass die Debatte an Schärfe zunimmt, liegt weniger am Jubiläum als an der Absenkung des Höchstrechnungszinses. Ab Januar 2022 dürfen Lebensversicherer ihren Kunden statt bisher 0,9 höchstens 0,25 Prozent Verzinsung pro Jahr garantieren. Für die Branche ist die Absenkung ein Problem: Denn das geförderte Produkt erfordert eine Beitragsgarantie, am Ende muss also mindestens so viel Geld da sein, wie der Kunde inklusive staatlicher Zulagen eingezahlt hat. Weil die Versicherer wie bei anderen Renten- und Lebensversicherungen nur den Sparanteil der Prämie anlegen, also die Beiträge minus Kosten, und auf diesen maximal 0,25 Prozent Rendite versprechen dürfen, können sie mit den Verträgen den Erhalt der eingezahlten Beiträge schwerlich garantieren. Im Klartext: Die beiden staatlichen Vorgaben Höchstrechnungszins von 0,25 Prozent und Beitragserhalt bei Riester widersprechen sich.

Experten fordern Reform

 

Die in der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) organisierten Versicherungsmathematiker haben darauf schon mehrfach hingewiesen – und nachgerechnet: Bei gängigen Verträgen dürften die Kosten nur bei ein bis zwei Euro im Monat liegen. Damit, so die DAV-Experten, ließen sich Verwaltung und Vertrieb der Policen aber nicht finanzieren. „Riester braucht eine Reform“, sagt denn auch GDV-Hauptgeschäftsführer Asmussen. „Erstens ist ein Kapitalaufbau mit 100-prozentig garantiertem Beitragserhalt mit einem Höchstrechnungszins von künftig 0,25 Prozent kaum möglich. Und zweitens könnte Riester noch viel mehr Menschen erreichen, wenn wir die Förderung auf alle Bevölkerungsgruppen ausweiten und das komplizierte Zulagensystem vereinfachen.“

Die Versicherer hätten dazu bereits 2019 einen Reformplan vorgelegt, der sich zügig umsetzen ließe. „Im Zuge einer Reform lässt sich auch über ein einfaches, digital vertriebenes und kostengünstiges Standardprodukt reden. Die Rahmenbedingungen müssen so ein Produkt aber auch ermöglichen“, so Asmussen.

 


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