04.12.2020 Produkte

Hat die Riester-Rente noch eine Zukunft?

Die „Bürgerbewegung Finanzwende“ hat errechnet, dass der Kostenanteil bei Riester-Verträgen teilweise über 30 Prozent beträgt. Vermittlerverbände und Finanzpolitiker fordern indes die Abschaffung der Garantiepflicht.

Die Riester-Rente ist eine durch staatliche Zulagen und durch Sonderausgabenabzug geförderte, grundsätzlich privat finanzierte Rente in Deutschland. Sie wurde 2002 eingeführt. Ihre Zukunft ist offener denn je. (Foto: © Coloures-Pic - stock.adobe.com)
Die Riester-Rente ist eine durch staatliche Zulagen und durch Sonderausgabenabzug geförderte, grundsätzlich privat finanzierte Rente in Deutschland. Sie wurde 2002 eingeführt. Ihre Zukunft ist offener denn je.
(Foto: © Coloures-Pic - stock.adobe.com)

Die Kosten für viele Riester-Verträge sind aus Sicht des Vereins „Bürgerbewegung Finanzwende“ zu hoch. Von den eingezahlten Beiträge und Zulagen gingen bei einer typischen Riester-Versicherung mit 30 Sparjahren im Schnitt 24 Prozent für Kosten drauf, hieß es in einer eigenen am gestrigen Donnerstag (3.12.) veröffentlichten Modellrechnung. Der Verein mit Sitz in Berlin wurde 2018 vom ehemaligen Bundestagsabgeordneten Gerhard Schick gegründet.

Ineffizientes System

 

Die von „Finanzwende“ erhobenen Daten gelten für Sparer ohne Kinder, auf deren Vertrag 30 Jahre lang rund 1200 Euro pro Jahr inklusive Zulagen fließen. Ausgewertet wurden Daten von 65 verschiedenen Riester-Versicherungen und damit den Angaben zufolge ein Großteil des Marktes. Demnach vereinnahme jede dritte der ausgewerteten Policen sogar 30 Prozent und mehr für Gebühren. „Die Modellrechnungen zeigen, welche massiven Kostenprobleme es bei vielen Riester-Rentenversicherungen gibt“, sagt Britta Langenberg, Vorsorgeexpertin bei „Finanzwende“. „Am Ende fließt zu viel Geld in die Kostenapparate der Versicherer, für die Altersvorsorge bleibt oft zu wenig übrig.“ Individuell könnten sich Riester-Verträge zwar rechnen, wenn Kunden hohe Zulagen erhielten, zum Beispiel Sparer mit vielen Kindern. Am „ineffizienten System“ ändere das aber nichts. „Wir plädieren für einen Systemwechsel zu einem staatlich organisierten Vorsorgeprodukt für alle, das sich im Kern am schwedischen Vorsorgefonds orientiert. Viele Menschen hätten so tausende Euro mehr im Alter zur Verfügung“, sagte Langenberg. 

AfW fordert schnelle Reformen

 

Derweil plädieren Versicherungswirtschaft und Politik für eine Riester-Reform. Um die hohen Kosten geht es dabei aber nicht vorrangig. Schon im Koalitionsvertrag hatten sich Union und SPD darauf verständigt, die private Altersvorsorge weiterzuentwickeln. Passiert ist bisher jedoch wenig. Für den AfW Bundesverband Finanzdienstleistung ist das ein unbefriedigender Zustand. „Es ist allerhöchste Zeit, die Anreize für die staatliche Altersvorsorge einfacher und effektiver zu gestalten. Der AfW Bundesverband hält dabei sowohl eine flexiblere Riester-Rente ohne Garantiezusage, als auch den Vorschlag eines Altersvorsorgekontos für gangbare Wege“, so Vorstand Norman Wirth auf dem 17. AfW-Hauptstadtgipfel in Berlin vergangene Woche. Bei der hybrid durchgeführten Veranstaltung diskutierten führende Finanzpolitiker mögliche Lösungsansätze. Klares Votum der Teilnehmer war, dass eine Konzeptänderung nur noch eine Frage der Zeit scheint. „Wir werden bei mehr als 100.000 Verträgen im Bestand in diesem Bereich häufig gefragt: Wollen wir überhaupt weiter sparen, wenn doch unmittelbar mit einer Absenkung des Garantieniveaus zu rechnen ist?“, äußerte einer der teilnehmenden Maklerpoolchefs.

Vorschläge von CDU und FDP

 

Laut Frank Schäffler, FDP-Mitglied im Finanzausschuss des Deutschen Bundestags, drohen viele Produktanbieter bereits damit, das Neugeschäft der Riester-Rente komplett einzustellen, weil das Produkt aufgrund der teuren Beitragsgarantie und der aufwendigen staatlichen Kontrolle nicht mehr darstellbar sei. „So etwas passiert, wenn die Politik versucht, alle möglichen Ideale in ein Produkt zu zwängen, dass dann aber auf längere Sicht in der Praxis nicht funktioniert“. Schäffler verwies auf den FDP-Vorschlag eines flexiblen Altersvorsorgekontos, das eine Förderung unterschiedlicher Anlagen ermöglichen würde und in das man die Riester-Rente unkompliziert integrieren könnte. Auch Dr. Carsten Brodesser (CDU) sprach sich für eine Reform der Riester-Rente mit einer umfassenden Entbürokratisierung aus: „Wir schlagen vor, aufbauend auf einer Grundförderung ab einem jährlichen Sparbetrag von 437,50 Euro eine klare lineare Förderung einzuführen, in Höhe von 40 Prozent pro Euro“. Zudem sollte der Förderkreis deutlich erweitert werden, nämlich auf alle in Deutschland steuerpflichtigen Personen. Damit wären laut Brodesser auch die Selbstständigen abgedeckt.


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