23.02.2021 Produkte

Nur noch 16 von 47: Beitragsgarantien auf dem Rückzug

Klassische private Rentenversicherungen werden zum Auslaufmodell - so sieht es eine Marktstudie der Rating-Agentur Assekurata. Doch während viele Anbieter sich aus dem Neugeschäft mit der 100-Prozent-Garantie zurückziehen, haben auch Tarife der neuen Klassik mit sinkenden Überschussdeklarationen zu kämpfen.

Hat die klassische Lebensversicherung ausgedient? Große Versicherer wie die Allianz ziehen sich aus dem Neugeschäft mit vollständigen Garantiezins-Policen zurück. (Foto: © MQ-Illustrations - stock.adobe.com)
Hat die klassische Lebensversicherung ausgedient? Große Versicherer wie die Allianz ziehen sich aus dem Neugeschäft mit vollständigen Garantiezins-Policen zurück.
(Foto: © MQ-Illustrations - stock.adobe.com)

Die klassische Rentenversicherung mit festem Garantiezins wird zum Nischenprodukt. Die Feststellung ist nicht neu, wird nun aber durch eine aktuelle Marktstudie der Ratingagentur Assekurata bestätigt. Demnach bieten von 47 untersuchten Versicherern (Marktanteil: 69 Prozent) nur noch 16 Gesellschaften klassische Verträge mit einem lebenslangen Garantiezins von maximal 0,9 Prozent an. „Die Produktpalette wird bunter”, sagte Reiner Will, Geschäftsführer der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH, bei der Vorstellung der 19. Marktstudie zu den Überschussbeteiligungen und Garantien deutscher Lebensversicherer. Es gebe keinen Marktstandard mehr. „Kein Produkt ist mehr der Orientierungsmaßstab. Für die Kunden, die Vermittler und die Gesellschaften wird es komplexer und komplizierter.”

Dauerzinstief und Garantien vertragen sich nicht

 

Durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie sanken die Kapitalmarktzinsen 2020 weiter. Damit habe sich der ohnehin schon hohe Druck auf die Überschussdeklarationen in der Lebensversicherung verschärft. Kein Wunder also, dass der Höchstrechnungszins von 0,9 Prozent im Markt kaum noch angeboten wird. Laut Assekura-Untersuchung legen immer mehr Anbieter ihren Tarifen mittlerweile einen individuellen Garantiezins zugrunde, der häufig bei 0,25 oder 0,5 Prozent liegt, teilweise auch darunter. Von den 26 Unternehmen, die mit einem neuen klassischen Tarif an der Studie teilgenommen haben, bieten fünf eine anteilige und neun keine Beitragsgarantie mehr an. „Die Abkehr von der vollständigen Beitragsgarantie bei der Mehrheit der Tarife ist ein klares Signal dafür, dass sich hohe Garantien mit dem Dauerzinstief am Kapitalmarkt nicht vertragen“, sagt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei der Kölner Rating-Agentur.

Traditionelle Klassik wird zum Auslaufmodell

 

Die Rating-Agentur überrascht es daher nicht, dass nur 16 der teilnehmenden Unternehmen überhaupt noch eine klassische private Rentenversicherung im Neugeschäft anbieten. „Die traditionelle Klassik ist ein Auslaufmodell“, konstatiert Heermann. Stattdessen setzten weite Teile des Marktes auf neue klassische Produkte. Diese basieren wie klassische Produkte auf einer konventionellen Überschusssystematik sowie dem Ausgleich im Kollektiv und der Zeit. Ein zentraler Unterschied liegt jedoch in den Garantien, die herabgesetzt oder sogar vollständig abgeschafft werden.

Doch trotz reduzierter Garantien sinkt laut Studie auch in der neuen Klassik die laufende Verzinsung im Durchschnitt der Anbieter um 15 Basispunkte von 2,28 auf 2,13 Prozent und damit auf ein identisches Niveau wie bei den klassischen Tarifen. Während 14 Unternehmen ihre Deklaration abgesenkt haben, hob der HDI als einziger Anbieter die laufende Verzinsung an.

Neue Klassik mit Renditevorteil

 

Bei der Gesamtverzinsung und der illustrierten Beitragsrendite tritt der Renditevorteil der neuen Klassik dann deutlicher zutage. Mit 2,83 beziehungsweise 2,31 Prozent liegt das Produktsegment hier deutlich vor der Klassik (2,73 beziehungsweise 1,88 Prozent). In Anbetracht der reduzierten Beitragsgarantien weist inzwischen jedoch ein Drittel der Tarife eine negative garantierte Beitragsrendite auf, die sich im Schnitt bei -0,24 Prozent einpendelt.


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