04.08.2021 Produkte

Rating: Pflegerente kritisch beäugt

Private Pflegerenten fristen bislang noch ein Schattendasein. Lediglich sechs Lebensversicherer bieten entsprechende Produkte. Die Analysten von Franke und Bornberg haben die Tarife dieser Anbieter nun erstmalig verglichen und geratet.

Anlaufschwierigkeiten: Die Kosten für eine stationäre Vollzeit-Pflege übersteigen schnell das finanzielle Budget der Betroffenen – dennoch sind private Pflegerenten bislang nur wenig gefragt. (Foto: © luckybusiness - stock.adobe.com)
Anlaufschwierigkeiten: Die Kosten für eine stationäre Vollzeit-Pflege übersteigen schnell das finanzielle Budget der Betroffenen – dennoch sind private Pflegerenten bislang nur wenig gefragt.
(Foto: © luckybusiness - stock.adobe.com)

Das Geld aus der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung reicht in der Regel nicht aus, um im Alter die Kosten für institutionelle Pflege, Unterkunft und Versorgung zu bezahlen. Laut Berechnungen des Verbands der privaten Krankenversicherer beträgt die Eigenbeteiligung im Bundesdurchschnitt durchschnittlich 1930 Euro im Monat. Wer fünf Jahre stationär untergebracht ist, braucht hierfür also satte 115.800 Euro. Eine Pflegerente hilft, die Finanzierungslücke zu schließen. Sie springt im Falle einer Pflegebedürftigkeit ein und sichert eine lebenslange Rente, die vom Versicherungsnehmer flexibel festgelegt werden kann.

Noch fristen solche Produkte ein Schattendasein. Nur drei von 1000 Menschen leisten sich aktuell eine Pflegerentenversicherung. Der Vertragsbestand lag Ende 2020 bei 244.000. Nur sechs Lebensversicherer teilen sich den vergleichsweise kleinen Markt: Allianz, IDEAL, Swiss Life, Volkswohl BUND, WWK Lebensversicherung auf Gegenseitigkeit und Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung. Doch die Rating-Agentur Franke und Bornberg will das Thema nun anschieben und hat ein sogenanntes Erst-Rating für private Pflegerente erstellt.

Untersuchung von 33 Tarifen

 

Insgesamt hat Franke und Bornberg 33 selbstständige Pflegerententarife mit 246 Tarifvarianten untersucht. Grundlage bildet ein Katalog aus 49 Prüfkriterien. Bewertet wurden die in der Branche üblichen Tarifvarianten Basis, Komfort und Premium, wobei die Basisprodukte erst ab Pflegegrad 4 oder 5 leisten. Die Rating-Kriterien umfassen unter anderem die Versicherungsbedingungen sowie gegebenenfalls verbindliche Verbraucherinformationen, Antragsformulare, den Versicherungsschein und Geschäftsberichte. Geschäftsplanmäßige oder sonstige Erklärungen/Auslegungen der Versicherer, Selbstauskünfte und werbliche Veröffentlichungen bleiben außer Acht.

Swiss Life an der Spitze

 

Fazit: Die meisten Tarife landen aktuell im Mittelfeld. Ein FF+ „gut” erreichen aktuell nur die Tarif (-varianten) der Swiss Life Deutschland. Erstklassige Noten (FFF+ „hervorragend” und FFF „sehr gut”) fehlen ebenso wie die Note „ungenügend” (F-). „Das Gesamtergebnis ist zufriedenstellend. Aber ich sehe noch Luft nach oben”, erläutert Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg. Hier zeige sich ein vertrautes Phänomen: „Bei Erst-Ratings vergeben wir nur selten Top-Noten, denn aus eigenem Antrieb entwickeln Anbieter selten Topleistungen. Wozu auch, wenn man mangels Transparenz nicht einmal damit werben kann.” Für die Zukunft ist Franke optimistisch.


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