18.11.2019 Recht | Ratgeber

Alleinhaftung trotz Vorfahrt bei zu hoher Geschwindigkeit

Kein Schadenersatz wegen eigenem Verschulden – Kammergericht Berlin entscheidet zugunsten der Versicherung.

Der ADAC weist auf ein Verkehrsurteil hin. (Foto: Gerhard Gellinger/Pixabay)
Der ADAC weist auf ein Verkehrsurteil hin.
(Foto: Gerhard Gellinger/Pixabay)

Wer mit dem Auto viel zu schnell fährt, muss im Einzelfall nach einem Unfall allein haften - auch wenn man Vorfahrt hatte. Das zeigt ein Urteil des Kammergerichts Berlin, auf das der ADAC hinweist (Az. 22 U 33/18).

Innerorts wollte ein Autofahrer links abbiegen. Er beobachtete den vorfahrtsberechtigten Gegenverkehr und fuhr los. Da kam ein zweites Auto von vorn heran und die Fahrzeuge stießen zusammen. Es wurde ermittelt, dass der zweite Fahrer mit 104 Stundenkilometern und damit mehr als doppelt so schnell wie erlaubt unterwegs gewesen war. Allerdings forderte er von der Versicherung des Abbiegenden einen Schadenersatz in Höhe von einem Drittel. Wegen des erhöhten Tempos setzte er sein eigenes Verschulden mit zwei Dritteln an.

Die gegnerische Versicherung weigerte sich aber wegen des hohen Tempos überhaupt zu zahlen. Das Gericht musste entscheiden. Zwar hätte der Linksabbieger einen Pflichtverstoß begangen und hätte besonders vorsichtig beim herannahenden Gegenverkehr agieren müssen. Da es dunkel gewesen war, hätte er noch genauer beobachten müssen, wie schnell sich der Gegenverkehr nähert. Doch der Vorfahrtsberechtigte musste hier allein haften. Denn wer mehr als doppelt so schnell wie erlaubt fährt, begeht einen besonders schweren Verkehrsverstoß. Im Regelfall zieht das trotz Vorfahrt die Alleinhaftung nach einem Unfall nach sich. Die Versicherung musste daher nicht zahlen. 


Weitere Artikel

Listing

19.10.2021 Recht | Ratgeber

Schlechter Vergleich: Erneute Rüge für Verivox und Check24

Die beiden Vermittlungsportale müssen nach zwei unabhängig voneinander gefällten Urteilen eine eingeschränkte Anbieterauswahl bei ihren Privathaftpflicht-Vergleichsrechnern offenlegen. Teilweise bilden sie nur die Hälfte des Marktes ab.

> weiterlesen
Listing

28.09.2021 Recht | Ratgeber

Schwierige Haftungsfrage bei Fahrrad-Kollision

Ob sie den Sicherheitsabstand einhalten müssen, ist bei überholenden Radfahrern eine Frage des Einzelfalls. So sieht es das Oberlandesgericht Oldenburg. Es legte die Haftung nach einem Crash zweier Radler im Stadtgebiet differenziert aus.

> weiterlesen
Listing

01.09.2021 Recht | Ratgeber

Makler muss über ausländische Versicherer aufklären

Vermittler müssen darauf hinweisen, wenn Risikoträger im Ausland sitzen und der dortigen Insolvenzsicherung unterliegen. Sonst verletzten sie ihre Beratungs­pflicht. In einem nun entschiedenen Fall half das dem Kunden jedoch nicht: Er konnte nicht nachweisen, dass ihm tatsächlich ein Schaden entstanden ist.

> weiterlesen