11.05.2020 Recht | Ratgeber

Urteil für mehr Transparenz beim Versicherungs­vergleich

Verivox zeigt nur knapp die Hälfte der Anbieter in seinem Versicherungsvergleich. Laut Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) wird darauf aber nicht genau hingewiesen. Ein erstes Urteil bestätigte die Rechtauffassung der Verbaucherschützer. Doch Verivox ging sofort in Berufung.

Die Richter in Heidelberg entschieden zu Ungunsten der Vergleichsplattform. Beendet ist der Streit indes nicht. (Foto: memyjo/Adobe Stock)
Die Richter in Heidelberg entschieden zu Ungunsten der Vergleichsplattform. Beendet ist der Streit indes nicht.
(Foto: memyjo/Adobe Stock)

Nächste Runde im Streit zwischen Versicherern und Vergleichsportalen: Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sieht sich in seiner Haltung bestärkt, dass das Vermittlungsportal Verivox nicht ausreichend darauf hingewiesen hat, dass zahlreiche Anbieter in seinem Vergleich für Privathaftpflichtversicherungen fehlten. Zu dieser Einschätzung kommt der auf Unterlassung klagende Verband nach dem heutigen Urteil des Landgerichts Heidelberg. Demnach müsse Verivox zukünftig ausdrücklicher darauf hinweisen, dass sein Vergleich auf einer eingeschränkten Marktauswahl beruht. Bei Zuwiderhandlung droht dem Unternehmen ein Ordnungsgeld in Höhe von bis zu 250.000 Euro. Das Urteil (Az. 6 O 7/19) ist aber noch nicht rechtskräftig. Verivox hat bereits Berufung gegen das Urteil eingelegt.

Verstoß gegen das Versicherungsvertragsgesetz?

 

Nach vzbv-Darstellung folgte das Gericht seiner Argumentation. Danach müssen Versicherungsvermittler ihre Kunden ausdrücklich auf eine eingeschränkte Versicherer- und Vertragsauswahl hinweisen. Außerdem müssen sie mitteilen, auf welcher Markt- und Informationsgrundlage sie ihre Leistung erbringen. Diese Anforderungen erfüllte Verivox offenbar nicht ausreichend. Die Links mit den Hinweisen seien so unauffällig gestaltet, dass sie von Verbrauchern übersehen werden könnten. Außerdem rügte das Gericht, dass weitergehende Angaben über die Markt- und Informationsgrundlage des Versicherungsvergleichs, wie beispielsweise der Marktanteil der berücksichtigen Anbieter oder die Anzahl der einschlägigen Versicherungsprodukte, fehlten.

Nach Daten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bildeten die teilnehmenden Versicherer nur 48 Prozent des Marktes ab. „Ob ein Versicherungsvergleich wirklich zu den besten Angeboten führt, hängt maßgeblich davon ab, wie viele Anbieter und Tarife einbezogen sind", sagt Jana Brockfeld, Rechtsreferentin beim vzbv. „Deckt der Vergleich nicht einmal die Hälfte des Marktes ab, sind Kunden vor Vertragsabschluss klar und deutlich über diese wesentliche Einschränkung zu informieren."

 


Weitere Artikel

Listing

20.07.2021 Recht | Ratgeber

Bei Anruf Fehlinfo!

Ein Versicherungsvermittler ist auch ohne Unterzeichnung einer Maklervollmacht schadenersatzpflichtig. Das hat das Oberlandesgericht Dresden nun bekräftigt.

> weiterlesen
Listing

16.07.2021 Recht | Ratgeber

Pflegeheim: Keine Reservierungsgebühr von Privatversicherten

Alten- und Pflegeheime dürfen grundsätzlich keine Reservierungsgebühren verlangen. Anders lautende Vertragsklauseln erklärte der Bundesgerichtshof nun auch bei Privatversicherten für unwirksam.

> weiterlesen
Listing

02.07.2021 Recht | Ratgeber

BSV: Nächste Revision zugelassen, doch wann entscheidet der BGH?

Zwei aktuelle Urteile des OLG Karlsruhe bestätigen die bisherige Rechtsprechungs­praxis in Sachen Betriebsschließungsversicherung, die je nach Formulierung einer Vertragsklausel pro oder contra der Versicherten ausgehen. Mittlerweile sind viele Verfahren beim BGH anhängig. Wann dort entschieden wird, ist völlig unklar.

> weiterlesen