Cyberstudie: Viele Schäden bei den Kleinen
Cyberkriminelle attackieren alle Arten von Unternehmen. Besonders gravierend aber sind die Folgen für Freiberufler und Selbstständige, belegt die diesjährige Cyberstudie der HDI Versicherung.

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Cyberangriffe treffen Angehörige freier Berufe und Selbstständige offenbar besonders heftig. Das zeigt die aktuelle Cyberstudie der HDI Versicherung. Für die Erhebung interviewte das Meinungsforschungsinstitut Sirius Campus rund 1100 Versicherungs- und IT-Verantwortliche von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie Selbstständige.
Kammerberufe am wenigsten abwehrbereit
Rund ein Drittel der Befragten wurde in den vergangenen zwei Jahren mindestens einmal Ziel eines Cyberangriffs. Freiberufler und Selbstständige traf es dabei ähnlich oft wie KMU. Große Unterschiede zeigen sich jedoch bei den Folgen: 65 Prozent aller Angegriffenen konnten Attacken abwehren. Unter den Selbstständigen und Freiberuflern gelang dies nur 52 Prozent und bei der Untergruppe Kammerberufe (z.B. Ärzte, Rechtsanwälte, Architekten) waren es nur 40 Prozent. Logische Folge: Bei Selbstständigen und Freiberuflern führt Cybercrime deutlich häufiger zu Schäden als beim Durchschnitt der Unternehmen.
„Kleinstunternehmen, Selbstständige und Freiberufler verfügen häufig nicht über so wirkungsvolle IT-Sicherheitsressourcen wie größere Unternehmen“, stellt HDI-Experte Peter Bertram fest. „Während größere Unternehmen oft auf eigene IT-Abteilungen oder spezialisierte Fachkräfte zurückgreifen können, sind die Möglichkeiten in kleineren Strukturen häufig begrenzt“, so Bertram. Entsprechend steige das Risiko, dass Cyberangriffe spürbare Schäden verursachen.
Die häufigsten Schäden nach der Attacke
Häufigste Schadenfolge eines Cyberangriffs ist die Betriebsunterbrechung. Bei insgesamt 32 Prozent aller Opfer war dies eine Konsequenz aus der letzten Cyberattacke. Auf Rang zwei und drei folgen mit 26 Prozent der Diebstahl von Kundendaten und Image- und Reputationsschäden mit 25 Prozent. Zu Schadenersatzforderungen von Kunden kam es bei 15 Prozent der Betroffenen. Bei der Gruppe der Selbstständigen und Freiberufler ist die Schadenstruktur ähnlich. Die Quoten fallen jedoch deutlich höher aus – übertroffen wird dies noch von den Kammerberufen. So berichteten 57 Prozent der betroffenen Freiberufler über Betriebsunterbrechungen infolge eines Cyberangriffs. Bei 61 Prozent wurden Kunden- oder Mandantendaten gestohlen oder gelöscht. Und 63 Prozent erlitten Image- und Reputationsschäden. Außerdem sahen sich 44 Prozent von ihnen mit Schadenersatzforderungen von Kunden oder Mandanten konfrontiert.
Dabei wiegen Reputations- und verwandte Schäden gerade bei Ärzten, Rechtsanwälten oder Steuerberatern, aber auch bei freiberuflichen Ingenieuren besonders schwer – so die Studienmacher. „Vertrauen ist für viele freie Berufe eine zentrale Geschäftsgrundlage", sagt Peter Bertram. „Werden vertrauliche Daten entwendet oder wird ein Cybervorfall öffentlich bekannt, kann dies das Verhältnis zu Kunden, Mandanten oder Patienten nachhaltig beeinträchtigen."
Selbstständige mit höheren Schadenkosten
Auch finanziell sind die Folgen von Cyberangriffen für Selbstständige und Freiberufler überdurchschnittlich hoch. In der Gesamtschau bezifferten 44 Prozent der Befragten mit einem Cyberschaden die Kosten ihres letzten Vorfalls auf mehr als 10.000 Euro. Unter Selbstständigen und Freiberuflern lag dieser Anteil bei 58 Prozent.
Angesichts der anhaltend hohen Gefährdungslage investieren sowohl Unternehmen als auch Selbstständige mittlerweile verstärkt in Präventionsmaßnahmen. Neben internen Maßnahmen wie automatischen Backups oder Firewalls gehören Mitarbeiterschulungen, Richtlinien und Notfallpläne für einen Cyber-Angriff dazu. Und auch Cyberversicherungen nehmen inzwischen einen festen Platz ein: Bereits 35 Prozent der Studienteilnehmer verfügen über einen entsprechenden Versicherungsschutz. „Prävention ist der entscheidende Faktor. Häufig können auf diese Weise Angriffe abgewehrt und Schäden vermieden werden", rät Bertram. Aber selbst wenn sich ein Schaden durch eine Cyberattacke nicht komplett verhindern lasse, könnten geeignete Schutzmaßnahmen die Folgen und Kosten eines Cyberangriffs oft merklich mindern.
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