Kfz-Kundenwanderung 2025: rund
1,7 Millionen Verträge gewechselt
Studie zeigt: Die Wechselaktivität im Jahresendgeschäft der Kfz-Versicherungsbranche ist weiterhin hoch. KI wird bei Beratung immer relevanter. Aber auch Vermittler bleiben wichtige Ansprechpartner.

(Foto: Thomas B./ Pixabay)
Kfz-Versicherungskunden gehören bekanntlich nicht zur treuesten Spezies – erst recht nicht, wenn die Prämien so rasant ansteigen wie in jüngster Zeit. Im vergangenen Jahr haben 1,5 Millionen Kfz-Versicherungsnehmer mit Hauptfälligkeit zum 1. Januar ihre Policen fristgerecht am 30.11. gekündigt und sind zu einem anderen Anbieter gewechselt. Bei durchschnittlich 1,1 Policen pro Versicherten entspricht das insgesamt rund 1,7 Millionen Verträge. Die Zahlen stammen aus der aktuellen Studie „Wechselaktivität bei Kfz-Versicherungen im Jahresendgeschäft 2025“, die vom Marktforschungsinstitut Sirius Campus Marktuntersuchung durchgeführt wurde.
Der Wechsel lohnt sich
Der durchschnittliche Jahresbeitrag in der Autoversicherung kletterte laut Studie um 6,8 Prozent auf 769 Euro (Vorjahr: 720 Euro). Wer gegensteuerte, sparte durch einen Anbieterwechsel im Schnitt 139 Euro – 14 Euro mehr als ein Jahr zuvor. Insgesamt wurden durch einen Versicherungswechsel rund 1,3 Milliarden Euro Prämienvolumen bewegt.
Unter den Wechslern sind überdurchschnittlich häufig Kfz-Versicherungsnehmer im mittleren Alter zwischen 31 und 40 Jahren, Familien mit Kindern im Haushalt sowie selbstbewusst auftretende Optimierer und internetaffine Kunden. Die zwei anderen Marktsegmente aus der Typologie zum Entscheidungsverhalten – Partner und Vorsichtige – sind wesentlich treuer und damit langfristig attraktivere Kunden für Versicherungsgesellschaften (siehe Grafik).
Direktanbieter gewinnen rund ein Drittel
Den höchsten Anteil beim Neugeschäft mit Wechslern konnten laut Sirius Campus die Anbieter ADAC Versicherungen, Allianz, AXA, HUK24 und HUK-COBURG für sich verbuchen. Gemeinsam gewinnen diese fünf Kfz-Versicherer fast die Hälfte aller Neuabschlüsse (48 %).
Dahinter folgen Allianz Direkt, Barmenia Direkt, DA Direkt, DEVK und VHV. Sie erhalten insgesamt immerhin noch ein Fünftel des Neugeschäfts (20 %). Gesellschaften mit hauptsächlichem Direkt- bzw. Onlinevertrieb gewinnen rund ein Drittel (30 %) des Neugeschäfts. Neben den bereits erwähnten Direktanbietern sind im Top 20-Ranking auch namhafte Anbieter wie CosmosDirekt, Europa, Neodigital, SparkassenVersicherung und Verti vertreten.
Junge Kunden setzen auf KI-Suche
Abschlüsse über Ausschließlichkeitsagenturen, direkt online oder telefonisch bei einer Gesellschaft oder über ein Vergleichsportal – meist Check24 oder Verivox – mach jeweils etwas mehr als ein Viertel aus. 13 Prozent der Vertragswechsel wurden über Versicherungsmakler abgeschlossen, vier Prozent über Bank- oder Sparkassenberater.
„Erstaunlich ist die gestiegene Nutzungsquote von KI-Suchmaschinen wie ChatGPT bei jungen Leuten“, so Oliver Gaedeke, Gründer und Geschäftsführer von Sirius Campus. „Nutzer sind häufig positiv beeindruckt von der Beratungsleistung der Künstlichen Intelligenz und finden darüber neue Tarife und Anbieter“.
Jahresbeitragsbrief: digital schlägt Postversand
Nur noch 43 Prozent der Kfz-Versicherungsnehmer erreicht ihr Jahresbeitragsbrief per Post. Im Jahr 2020 waren es noch 85 Prozent. Jeweils rund ein Drittel der Versicherten erhält die Mitteilung per Download aus dem Kundenportal oder als E-Mail per Anhang (2020: jeweils rund ein Zehntel). Die Studie zeigt aber auch, dass die zunehmende digitale Kommunikation nicht die Kundenbindung erhöht. Im Gegenteil: Kunden im digitalen Kontakt mit ihren Versicherern sind sogar wechselaktiver.
Je größer die Überaschung, desto höher die Wechselbereitschaft
Zwei Fünftel der Kfz-Versicherungsnehmer (42 %) haben ihren Jahresbeitragsbrief genau oder sogar intensiv gelesen. Über die Hälfte (61 %) haben dabei eine Beitragssteigerung festgestellt, im Jahr 2024 waren dies etwas weniger (58 %). „Viele Kunden hatten bereits durch Vorinformationen ihrer Vermittler oder Versicherer mit einem Beitragsanstieg gerechnet“, so Gaedeke. Laut Studie reagieren jedoch negativ überaschte Kundinnen und Kunden über die Beitragserhöhung deutlich häufiger mit einem Anbieterwechsel (knapp 33 %) als die Gruppe der „Vorgewarnten“ (7 %). „Durch die Briefgestaltung kann die Wechselaktivität zusätzlich reduziert werden“, erklärt der Sirius Campus-Geschäftsführer.
Über die Studie
Für die Sirius Campus Marktuntersuchung „Wechselaktivität bei Kfz-Versicherungen im Jahresendgeschäft 2025“, wurden vom 1. bis zum 11. Dezember 2025 insgesamt 2048 Kfz-Versicherungskunden ab 18 Jahren befragt. In der diesjährigen Studie wurden erstmalig ausschließlich Verträge mit einer Hauptfälligkeit zum 1. Januar berücksichtigt.
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