Exklusiv 26.01.2026 Sparten/Produkte

Lebensversicherung: Mehr Geld für Altersvorsorge-Sparer

Das ist eine gute Nachricht: Klassische private Rentenversicherungen werden 2026 erneut höher verzinst. Das fand FOCUS MONEY-Versicherungsprofi im Rahmen der jährlichen Umfrage unter den Lebensversicherern in Deutschland heraus. Die exklusive Befragung erlaubt aber keine verlässliche Aussagen zur Riester-Rente.

Es geht weiter aufwärts: Die Lebensversicherer in Deutschland erhöhen im Marktdurchschnitt das vierte Jahr in Folge ihre laufende Verzinsung – allerdings weniger deutlich als zuvor. (Foto: © Monster Ztudio - stock.adobe.com)
Es geht weiter aufwärts: Die Lebensversicherer in Deutschland erhöhen im Marktdurchschnitt das vierte Jahr in Folge ihre laufende Verzinsung – allerdings weniger deutlich als zuvor.
(Foto: © Monster Ztudio - stock.adobe.com)

Kritik im Detail an geplanter Altersvorsorge-Reform.

Der Schritt war überfällig. Seit Jahren steht die grundlegende Überarbeitung der kriselnden Riester-Rente auf der Agenda verschiedener Bundesregierungen. Zwei Wochen vor Weihnachten hat das Bundesfinanzministerium nun seinen Referentenentwurf zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge vorgelegt. Einfacher, transparenter und renditeorientierter: Ab 2027 soll ein staatlich bezuschusstes Altersvorsorgedepot die Riester-Rente ablösen.
 
Noch ist nichts in trockenen Tüchern – und Interessenvertretungen wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) haben bereits Nachbesserungsbedarf angemeldet. „Das ist die Chance auf eine neue Zusatzrente, die verständlich ist, den Menschen Sicherheit gibt und am Kapitalmarkt wächst“, mahnt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. „Entscheidend ist, dass sie bis zum Lebensende trägt – sonst drohen Versorgungslücken und wachsende Belastungen für die sozialen Sicherungssysteme.“ Deshalb lehnt Asmussen auch die Idee ab, dass neben der klassischen lebenslangen Rente zeitlich befristete Zahlungen, die bis zum 85. Lebensjahr reichen, gefördert werden können. Die vorgesehene Variante eines Standarddepots ohne Garantien sieht der GDV ebenfalls kritisch. „Für viele Menschen ist eine verlässliche Mindestabsicherung entscheidend, um Vertrauen in die private Altersvorsorge zu fassen“, so der GDV-Hauptgeschäftsführer.

Jeder dritte Lebensversicherer mit höherer Beteiligung.

Während die Reform der geförderten privaten Altersvorsorge Fahrt aufnimmt, herrscht bei den Versicherern zunehmend Funkstille in puncto Riesterverträge. Das belegt die jährliche Umfrage von FOCUS MONEY-Versicherungsprofi unter den Lebensversicherern in Deutschland. Schon 2024 hatten nur elf Anbieter Angaben zur Überschussbeteiligung geliefert, dieses Jahr waren es noch vier Gesellschaften. Verlässliche Aussagen zum Gesamtmarkt lassen sich daraus nicht ableiten.

Erfreulich ist dagegen die Entwicklung bei klassischen Altersvorsorgeprodukten. Der Aufwärtstrend bleibt intakt. Die Lebensversicherer in Deutschland erhöhen im Marktdurchschnitt das vierte Jahr in Folge sowohl die laufende Verzinsung als auch die Gesamtverzinsung für private Rentenversicherungen mit Garantiezins, die 2026 fällig werden. An der Befragung haben sich 32 Gesellschaften beteiligt. Von den 20 größten Playern im Markt haben nur die Lebensversicherer, die unter dem Dach der HDI Deutschland gebündelt sind, und die WWK abgesagt. Die Auswertung ergibt, dass die durchschnittliche Überschussbeteiligung für Bestandsverträge von 2,54 auf 2,64 Prozent steigt. Wie erwartet hat sich die Dynamik der Aufwärtsentwicklung verlangsamt. Während 2025 noch knapp jeder zweite Lebensversicherer die laufende Verzinsung angehoben hat, legt in diesem Jahr nur noch jeder dritte eine Schippe drauf.

Bayern-Versicherung mit größtem Plus.

Den größten Sprung macht die Bayern-Versicherung. Die Versicherungskammer-Tochter erhöht um satte 0,75 Prozentpunkte, gefolgt von der Debeka (+0,50 Punkte). Damit kompensieren die Koblenzer exakt den Rückgang aus dem vergangenen Jahr, bleiben aber mit ihrer Deklaration unter dem Marktdurchschnitt. Draufgesattelt hat auch Cosmos Direkt. Die Generali-Tochter beteiligt 2026 ihre Kunden um 45 Basispunkte höher an den Überschüssen. Die Deklaration ist mit 2,70 Prozent nun auch überdurchschnittlich hoch. „Damit reagiert die Cosmos auf die verbesserten Rahmenbedingungen an den Kapitalmärkten“, kommentiert der Versicherer. Das gestärkte Zinsumfeld ermögliche es, „erneut eine verbesserte Verzinsung gegenüber dem Vorjahr auszuweisen“. Einziger Ausreißer nach unten ist die Bayerische Lebensversicherung, die sowohl ihre Überschussbeteiligung als auch die Gesamtverzinsung um 40 bzw. 75 Basispunkte gekürzt hat. Das Angebot der Münchener bleibt aber zumindest bei der laufenden Verzinsung marktkonform.

Sieben Mal eine Drei vor dem Komma.

Die höchste Überschussbeteiligung weist mit 3,40 Prozent die Inter Lebensversicherung (+0,15 Punkte) aus. Auf Platz 2 folgt die Provinzial Lebensversicherung – allerdings nur für private Rentenpolicen mit einem Garantiezins von 1,25 Prozent. Die Kieler haben im Gegensatz zu den meisten Anbietern der Umfrage keine Verträge mit dem zuletzt gesetzlich vorgegeben Höchstrechnungszins von 1,00 Prozent im Bestand. Von den großen Marktplayern bieten außerdem noch die Axa und die Bayern-Versicherung eine Überschussbeteiligung mit einer Drei vor dem Komma. Drei Prozent deklarieren außerdem die DEVK Eisenbahn a. G. (stabil), Ideal (stabil) und Öffentliche Braunschweig (stabil).
 
Die laufende Verzinsung wird jedes Jahr vom Versicherer festgelegt und dem jeweiligen Vertrag gutgeschrieben. Durch die Deklaration erwerben die Kunden einen unwiderruflichen Anspruch. Der Anteil der Versicherungsnehmer am erzielten Überschuss eines Jahres muss aber nicht vollständig ausgeschüttet werden. Der Versicherer kann einen Teil des Geldes zunächst zurücklegen und den Reservetöpfen zuführen. Das Kapital wird den Kunden bei Vertragsablauf als Schlussüberschuss gutgeschrieben – auch anfallende Bewertungsreserven, also Buchgewinne aus Kapitalanlagen, gehören dazu. Garantiezins, Überschussbeteiligung und Schlussüberschuss ergeben die Gesamtverzinsung, die 2026 im Schnitt bei 3,14 Prozent liegen wird – sechs Basispunkte mehr als im Vorjahr.

Solide Perspektive: weitere Verbesserung erwartet.

Nach dem sprunghaften Anstieg der Kapitalmarktzinsen 2022 und dem anschließend vergleichsweise stabilen Niveau legten die Renditen 2025 wieder spürbar zu. Für die Lebensversicherer ein zweischneidiges Schwert: Einerseits verbessern höhere Marktzinsen die Aussicht auf höhere Erträge aus künftig erworbenen Anleihen – die Beinfreiheit der Anlagestrategen wird größer. Andererseits sinken die Bewertungen festverzinslicher Papiere im bestehenden Portfolio, und der Abbau stiller Lasten in den Bilanzen der Lebensversicherer verzögert sich.

Die verdeckten Buchverluste, die die Branche seit der drastischen Zinswende mit sich herumschleppt, dürften immer noch bei rund 80 Milliarden Euro liegen. „Sie schränken den Handlungsspielraum in der Kapitalanlage deutlich ein“, kommentiert Lars Heermann, Bereichsleiter bei der Kölner Ratingagentur Assekurata. Doch der Experte ist vorsichtig optimistisch und erwartet für die Branche insgesamt eine weitere Verbesserung der Ertragslage. „Die Entwicklung wird jedoch stark von Vertragsbeständen und Portfoliostruktur der einzelnen Anbieter abhängen“, sagt Heermann.

Finanzspritze: Milliarden aus der Zinszusatzreserve.

Finanzielle Spielräume entstehen in einem Marktumfeld steigender Zinsen nicht nur durch sinkende regulatorische Kapitalanforderungen – so fällt es den Versicherern bei höheren Erträgen leichter, Kosten- oder Langlebigkeitsrisiken abzudecken. Eine bedeutende Rolle spielt die Auflösung der Zinszusatzreserve (ZZR). Insbesondere Versicherer mit altem Bestand und hoher Garantieverzinsung von bis zu vier Prozent profitieren von Rückflüssen.

Die Finanzaufsicht BaFin hatte 2011 die ZZR verfügt, um die bereits garantierten Gewinne der Kunden abzusichern. Nach der Weltfinanzkrise und der anschließenden europäischen Staatsschuldenkrise verfolgte die EZB eine aggressive Niedrigzinspolitik. Den Lebensversicherern fiel es dadurch immer schwerer, mit Staats- und Unternehmensanleihen höchster Bonität auskömmliche Renditen am Kapitalmarkt zu erzielen. Bis Ende 2021 stellten sie zusätzlich 96 Milliarden Euro in der ZZR zurück, Ende 2024 belief sich der Bestand auf 84 Milliarden Euro. Die Branche kann mit jährlich vier bis fünf Milliarden Euro kalkulieren, die aus der ZZR zurückfließen. „Ein Teil der frei werdenden Zinszusatzreserve wird zum Abbau der stillen Lasten genutzt. Zugleich sind die ZZR-Rückflüsse aber auch ein stabilisierendes Element für die Überschussbeteiligung“, erläutert Experte Heermann.
 
Trotz der stabilen Entwicklung von Überschussbeteiligung und Gesamtverzinsung wird es keine Renaissance klassischer privater Rentenversicherungen geben. Flexiblere Produkte, die Vermögensaufbau, Entsparen und Risikoabsicherung intelligent verknüpfen und eine ganzheitliche Ruhestandsplanung ermöglichen, dürften künftig an Bedeutung gewinnen.

Umfrage: So beteiligen die Lebensversicherer ihre Kunden 2026

Die durchschnittliche Überschussbeteiligung einer klassischen privaten Rentenversicherung steigt 2026 von 2,54 auf 2,64 Prozent. Die Rückmeldungen zur Riester-Rente blieben größtenteils aus – eine Reihe von Gesellschaften hat das Neu-Geschäft eingestellt.


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