Kolumne 26.11.2025 Studien | Tests

Kann bald jeder KI-Tools programmieren?

Mehr Tempo, mehr Service, mehr Innovation versus Jobverlust, Datenmissbrauch und Cyber-Kriminalität: Künstliche Intelligenz ist auch in der Assekuranz Top-Thema. In unserer KI-Kolumne PROMPT! beziehen Experten und Entscheider Stellung. Heute: Uwe Schumacher, CEO des Assekuradeurs Domcura.

Uwe Schumacher ist Vorstandschef des Kieler Versicherungsanbieters Domcura. Davor wirkte der 67-jährige Diplom-Informatiker als CEO beim Direktversicherer Verti. Der Hamburger ist seit 35 Jahren in der Versicherungsbranche tätig. Er schrieb bereits 1987 seine Dplomarbeit über Künstliche Intelligenz. (Foto: Domcura)
Uwe Schumacher ist Vorstandschef des Kieler Versicherungsanbieters Domcura. Davor wirkte der 67-jährige Diplom-Informatiker als CEO beim Direktversicherer Verti. Der Hamburger ist seit 35 Jahren in der Versicherungsbranche tätig. Er schrieb bereits 1987 seine Dplomarbeit über Künstliche Intelligenz.
(Foto: Domcura)

ChatGPT schreibt Texte. Copilot automatisiert Prozesse. Und No-Code-Plattformen versprechen: Jeder kann programmieren – auch ohne Informatikstudium. Ein Paradigmenwechsel, der vor wenigen Jahren noch undenkbar schien. Doch was bedeutet dieser Wandel für Unternehmen, deren Stärke auf Erfahrung, Fachwissen und Verantwortung beruht, wie es in der Versicherungsbranche der Fall ist? 

Die Folgen verstehen

Die Vorstellung, dass künftig jeder Nutzer KI-Anwendungen programmiert, greift zu kurz. Künstliche Intelligenz ist kein Excel-Makro zur Automatisierung von Aufgaben. Vielmehr erfordert sie Verständnis für Daten, Prozesse und ethische Grenzen. Wer Algorithmen entwickelt, trifft Entscheidungen, die Wirkung entfalten – im Fall der Versicherungsbranche wirken sie sich etwa auf Kunden, auf Risiken und auf Vertrauen aus. Deshalb wird es auch künftig Fachleute geben müssen, die diese Systeme entwerfen, prüfen und verantworten.

Freiheit für Fachleute

 

Gleichzeitig verändert sich die Rolle der Fachbereiche durch die Entwicklungen natürlich bis zu einem gewissen Grad. Früher mussten selbst kleine Prozessanpassungen über die IT-Abteilungen laufen. Heute ermöglichen Low- und No-Code-Lösungen neue Freiheitsgrade: Fachleute können eigenständig kleinere Workflows modellieren, einfache Automatisierungen anstoßen oder KI-gestützte Assistenten in ihre tägliche Arbeit integrieren. Sie verstehen die fachliche Logik und bringen diese nun selbst in digitale Werkzeuge ein.

Technologiekompetenz wächst im Arbeitsalltag, ohne professionelle Expertise zu ersetzen.

Uwe Schumacher

Gerade in der Versicherungswelt liegt darin enormes Potenzial. Wenn Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter Routineaufgaben mit KI-Unterstützung beschleunigen können, bleibt mehr Raum für das, was keine Maschine leistet: situationsgerechte Entscheidungen, Empathie, Kommunikation. Aus Anwendern werden Mitgestalter. Sie unterstützen die IT-Fachleute darin, zu definieren, was die Systeme können sollen und welche Aufgaben besser in menschlicher Hand bleiben.

Klare Leitplanken setzen

Selbstverständlich sind dafür klare Leitplanken erforderlich. IT-Teams werden mehr denn je zu Architekten und Sicherungsinstanzen. Sie gewährleisten Standards, Datenqualität und Sicherheit. Die Fachbereiche wiederum werden zu Treibern der Umsetzung mit Blick auf den Nutzen, die Relevanz und das Kundenerlebnis. Für den Erfolg ist das Zusammenspiel beider Seiten entscheidend.

Verantwortung bleibt menschlich



Genau darin sehen wir bei DOMCURA die Zukunft: KI als Werkzeug, das Mitarbeitende unterstützt. Technologiekompetenz wächst im Arbeitsalltag, ohne professionelle Expertise zu ersetzen. Wer beides verbindet – Fachwissen und Technologieverständnis –, gestaltet nicht nur effizientere Prozesse, sondern auch intelligentere Entscheidungen.

Die entscheidende Frage lautet also nicht, ob jeder programmieren kann, sondern wie wir Wissen, Technik und Verantwortung klug miteinander verbinden. Denn Fortschritt entsteht dort, wo Menschen verstehen, was sie tun – und warum.


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