02.05.2022 Vermittlerwelt

BVK-Umfrage: Vermittler auf neue IDD-Regeln noch nicht gut vorbereitet

In drei Monaten ist Stichtag für die Vermittler, die dann die Nachhaltigkeitsprä­feren­zen ihrer Kunden in der Beratung berücksichtigen müssen. Das Interesse an dem Thema und die Bedeutung für die Geschäftsstrategie ist vorhanden. Allerdings erschweren Informationslücken und unbeantwortete Fragen die Umsetzung.

Alles neu ab dem 2. August? Das wird sich noch zeigen, denn dann tritt die Delegierte Verordnung 2021/1257 der EU in Kraft, die die IDD-Richtlinie als ordnungspolitischen Rahmen für Versicherungsvermittler weiter verschärft. (Foto: bertholdbrodersen/Pixabay)
Alles neu ab dem 2. August? Das wird sich noch zeigen, denn dann tritt die Delegierte Verordnung 2021/1257 der EU in Kraft, die die IDD-Richtlinie als ordnungspolitischen Rahmen für Versicherungsvermittler weiter verschärft.
(Foto: bertholdbrodersen/Pixabay)

Ab dem 2. August 2022 wird die geänderte EU-Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD praxiswirksam. Sie verpflichtet alle Versicherungsvermittler unter anderem, Kunden nach ihren Nachhaltigkeitspräferenzen zu befragen. Doch mit Blick auf die operative Umsetzung haben diese noch erhebliche Informationsdefizite und Unsicherheiten. Das geht zumindest aus einer Umfrage des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) hervor. Der Interessenverein hatte gemeinsam mit dem German Sustainability Network (GSN), einer Nachhaltigkeitsinitiative des Beratungsunternehmens Vers Leipzig, eine Online-Umfrage unter ca. 300 Vermittlern durchgeführt, um deren Einstellung zu den neuen Pflichten und Anforderungen zu ermitteln.

Vermittler sind interessiert und erkennen Bedeutung für eigene Strategie

 

Dabei scheinen die Voraussetzungen nicht einmal schlecht zu sein. So sagen rund drei Viertel der Teilnehmer, dass sie am Themenkomplex Nachhaltigkeit interessiert sind. Neugierde und die volle Überzeugung, dass es wichtig ist, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, sind dabei handlungsleitendes Motiv. Die Motivation korrespondiert dabei mit der Einstellung, dass die Beschäftigung mit Nachhaltigkeit nicht als eine Pflicht angesehen wird, so der BVK. Vielmehr stimmen über 62 Prozent der Befragten der Aussage zu bzw. voll zu, dass das Interesse an Nachhaltigkeitsthemen „selbstverständlich“ für die eigene Geschäftsstrategie ist. Nur etwas über 15 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Nachhaltigkeit für ihre Strategie „überflüssig“ ist.

Defizite bei Kundenansprache und Zielgruppendefinition

 

Die Umsetzung der Strategie gestaltet sich derweil schwieriger: Fast 32 Prozent der Vermittler geben an, dass sie in den vergangenen zwölf Monaten Kunden kein einziges Mal aktiv auf Nachhaltigkeitsaspekte angesprochen haben. Mehr als 50 Mal taten dies im gleichen Zeitraum knapp 15 Prozent der Befragten. Zudem gibt es sehr großen Nachholbedarf bei der Selektion von nachhaltigkeitsaffinen Zielgruppen: Knapp 62 Prozent der Befragten geben an, dies nicht zu tun. Rund die Hälfte gibt zudem an, sich nie oder selten mit der Weiterentwicklung des eigenen Geschäftsmodells in Bezug auf die Nachhaltigkeit beschäftigt zu haben.

Auch bei Versicherungskunden scheint das Thema Nachhaltigkeit noch nicht vollends angekommen zu sein. Laut Umfrage geben knapp 48 Prozent der Vermittler an, in den zurückliegenden zwölf Monaten kein einziges Mal von ihren Kunden darauf angesprochen worden zu sein. Lediglich 4,1 Prozent gaben an, mehr als 50 Mal zu nachhaltigen Aspekten von Kundenseite angesprochen worden zu sein. 

Informationsmängel und wer sie beheben müsste

 

Dass das Thema vonseiten der Vermittler nicht häufiger zur Sprache gebracht wird, liegt offenbar auch daran, dass viele sich selbst nicht ausreichend informiert sehen. Lediglich 3,7 Prozent der Befragten geben an, sich vollständig informiert zu fühlen. Gar nicht informiert fühlen sich indessen, je nach konkretem Aspekt, zwischen 21 und 32 Prozent. Unklar ist laut BVK-Einschätzung vielen Vermittlern, was die neue Regulatorik von ihnen verlangt, wie sie diese Vorgaben in ihren Beratungsprozess integrieren und wie sich Nachhaltigkeitsaussagen bei den einzelnen Produkten überhaupt bewerten lassen.  

Eine Bringschuld in Sachen Informationen und Handlungshilfen zur anstehenden Regulatorik sehen die Befragten vor allem bei den Produktgebern – rund 94 Prozent vertreten diese Ansicht. Aber auch Berufsverbände, Aufsichtsbehörden wie die BaFin oder die Industrie- und Handelskammern sowie die Fachpresse sind nach Auffassung der Vermittlerschaft aufgerufen, ihnen die benötigten Informationen zur Verfügung zu stellen.

Verständnis für Vermittlerbetriebe

 

„Die Umfrage zeigt, dass noch viel zu tun ist, bis die Umsetzungsfähigkeit sichergestellt ist“, sagt BVK-Präsident Michael H. Heinz. „Gelingt es, den Blick auf die aus der Nachhaltigkeit resultierenden Chancen für die Vermittlerbetriebe zu schärfen, wäre mehr gewonnen, als jede weitere Regulierung bewirken könnte.“

Timo Biskop, Head of Sales der Vers Leipzig GmbH und Fokusbereichsleiter beim GSN, ergänzt: „Da die konkreten Merkmale für den Beratungsprozess noch nicht final sind und auch die Produktzuordnung zu etwaigen Nachhaltigkeitspräferenzen weiterhin mit Unsicherheit behaftet ist, können die Vermittlerbetriebe gar nicht auf zuverlässige Informationen zurückgreifen.“ Die Versicherungswirtschaft dürfe dennoch keine Zeit verlieren, Wissensdefizite abzubauen. Das Ziel müsse sein, die Vermittler kurzfristig und soweit es geht aufzuklären, damit die Grundlagenarbeit bereits getan ist, wenn die konkreten Prozesse stehen.

Quelle: BVK/GSN

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