„Cyber-Resilienz muss zur strategischen Aufgabe werden“
Mehr Tempo, mehr Service, mehr Innovation versus Jobverlust, Datenmissbrauch und Cybercrime: KI ist auch in der Assekuranz Top-Thema. In unserer Kolumne PROMPT! beziehen Experten und Entscheider Stellung. Heute: Jens Krickhahn, Regional Head of Underwriting Cyber bei Allianz Commercial.

(Foto: Allianz)
Die Herausforderungen für die IT-Sicherheit deutscher Unternehmen steigen, das zeigt der Lagebericht des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) 2025 ganz klar. Die Bedrohungslage bleibt angespannt, Ransomware-Angriffe und Datenexfiltration dominieren weiterhin die Cyberkriminalität. Besonders alarmierend ist, dass die Angriffsflächen durch die zunehmende Vernetzung und Digitalisierung stetig wachsen. Der BSI-Bericht legt zudem offen, dass insbesondere mittelständische Unternehmen und Betreiber kritischer Infrastrukturen im Fokus der Angreifer stehen. Oft fehlt es hier an ausreichenden Schutzmaßnahmen, sei es aus Kostengründen oder aufgrund mangelnder Ressourcen. Während Großunternehmen ihre Cyber-Resilienz in den letzten Jahren deutlich verbessert haben, bleiben KMU eine Achillesferse im deutschen Sicherheitsgefüge.
In Zeiten der digitalen Vernetzung mit Kunden und Lieferanten sind die Folgen gravierend: Ein erfolgreicher Angriff kann nicht nur zu finanziellen Schäden führen, sondern auch das Vertrauen von Kunden und Partnern nachhaltig erschüttern.
Neue Risiken erkennen
Der Allianz Commercial Cyber Risk Report 2025 beleuchtet weitere relevante Aspekte. So rücken Lieferkettenunterbrechungen und Datenschutzklagen zunehmend in den Fokus. Die Abhängigkeit von externen Dienstleistern und globalen IT-Strukturen macht Unternehmen verwundbar – ein Angriff auf einen Zulieferer kann schnell zum eigenen Problem werden. Hinzu kommt die verschärfte Regulierung im Datenschutz: Verstöße können nicht nur teuer werden, sondern rechtliche Risiken nach sich ziehen und den Ruf beschädigen.
Resilienz als Strategie
Die Antwort auf die Bedrohungslage lautet: Cyber-Resilienz muss zur strategischen Aufgabe werden. Unternehmen dürfen sich nicht länger auf punktuelle Maßnahmen verlassen, sondern müssen einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Cyber-Resilienz bedeutet, die Fähigkeit zu entwickeln, Angriffe nicht nur abzuwehren, sondern deren Auswirkungen zu minimieren und rasch zum Normalbetrieb zurückzukehren.
Dazu gehört zunächst eine realistische Risikoanalyse: Welche digitalen Werte sind besonders schützenswert? Wo liegen die größten Schwachstellen? Die Erkenntnisse müssen in ein umfassendes Sicherheitskonzept münden, das technische, organisatorische und menschliche Faktoren gleichermaßen berücksichtigt. Regelmäßige Schulungen und Sensibilisierung der Mitarbeitenden sind ebenso wichtig wie die Einführung klarer Abläufe für den Ernstfall – etwa Notfallpläne, Kommunikationsstrategien und die Zusammenarbeit mit externen Experten.
Weckruf ernst nehmen
Cyber-Resilienz ist kein statischer Zustand, sondern ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess. Unternehmen sollten ihre Schutzmaßnahmen deshalb regelmäßig überprüfen und anpassen, um neuen Bedrohungen und technologischen Entwicklungen gerecht zu werden.
Auch die Einbindung der Führungsebene ist entscheidend: Cybersicherheit muss Chefsache und Teil der Unternehmenskultur sein. Nicht zuletzt ist der Austausch mit anderen Unternehmen wichtig, um von Best Practices zu lernen und gemeinsam Standards zu setzen. Die Vernetzung mit Partnern, Behörden und Verbänden kann helfen, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und gemeinsam abzuwehren. Versicherer wie Allianz Commercial stehen zudem beratend mit ihrem Risiko-Knowhow zur Seite. In diesem Sinne sollten wir den BSI-Lagebericht 2025 als Weckruf verstehen.
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