„Eines der größten Einfallstore für Cybercrime ist der Mensch“
Mehr Tempo, mehr Service, mehr Innovation versus Jobverlust, Datenmissbrauch und Cybercrime: KI ist auch in der Assekuranz Top-Thema. In unserer Kolumne PROMPT! beziehen Experten und Entscheider Stellung. Heute: Jens Krickhahn, Regional Head of Underwriting Cyber bei Allianz Commercial.

(Foto: Allianz)
Der aktuelle Cyber-Vorfall bei einem bekannten deutschen Maklerhaus ist ein Beispiel dafür, dass die Bedrohungslage für Unternehmen aller Größen und Branchen angespannt bleibt. Doch mit einem Dreiklang aus Sicherheitsmaßnahmen, Künstlicher Intelligenz und der Schulung von Aufmerksamtkeit (Awareness) können Unternehmen ihre Widerstandsfähigkeit stärken. Schließlich sollten Versicherer und Unternehmen gemeinsam an einer robusten Cyber-Sicherheitsstrategie gegen die Gefahren der digitalen Welt arbeiten.
Klare Erwartungen
Firmen- und Industrieversicherer wie Allianz Commercial stellen bei der Risikobeurteilung etwa die Frage, inwieweit grundlegende Cybersecurity-Maßnahmen umgesetzt sind: Ohne Multi-Faktor-Authentifizierung, regelmäßige und getestete Backups, konsequentes Patch- und Update-Management sowie moderne Firewalls mit Netzwerksegmentierung gibt es oft keinen Versicherungsschutz mehr. Auch Unternehmen ohne dokumentierte Schulungen für Mitarbeitende oder ohne klare Zuständigkeiten für IT-Sicherheit haben es teils schwer, Versicherungsschutz zu bekommen. Dies betrifft insbesondere den Mittelstand, wo weniger Ressourcen für Cybersecurity bereitstehen. Fehlt es jedoch an den grundlegenden Maßnahmen, bleibt die Firma im Ernstfall auf dem Schaden sitzen.
Zweischneidiges Schwert
Ein Gamechanger im Cyber-Kontext ist Künstliche Intelligenz: Unternehmen profitieren von KI-basierten Security-Lösungen, die Anomalien im Netzwerkverkehr erkennen, verdächtige Aktivitäten automatisiert melden und Angriffe in Echtzeit abwehren. Moderne Security Information and Event Management (SIEM)-Systeme sowie Extended Detection and Response (XDR)-Plattformen nutzen KI, um Bedrohungen zu identifizieren, bevor sie Schaden anrichten.
Doch auch Angreifer setzen KI ein – etwa für automatisierte Phishing-Kampagnen, Deepfake-basierte Social-Engineering-Angriffe oder die Entwicklung von Malware, die klassische Schutzmechanismen gezielt umgeht. Die Folge: Unternehmen müssen ihre Abwehr kontinuierlich weiterentwickeln und KI-gestützte Tools selbst einsetzen.
Unterschätzte Wachsamkeit
Bei aller Automatisierung: Technik allein reicht nicht, denn der Mensch bleibt eines der größten Einfallstore für Cyberangriffe. Regelmäßige, praxisnahe Awareness-Schulungen sollten daher zur Pflicht werden – und zwar für alle Mitarbeitenden. Phishing- und Social Engineering-Angriffe zu erkennen sowie auf Passwortsicherheit zu achten – diese Fähigkeiten müssen immer wieder trainiert werden. An dieser Stelle daher mein klarer Appell aus Sicht des Versicherers: Machen Sie Sensibilisierung und Trainings zum Teil der Unternehmenskultur! Denn: In puncto Cybersecurity sind Strohfeuer nicht zielführend und bis die Aufmerksamkeit für moderne Angriffswege nachhaltig in den Köpfen verankert ist, dauert es zum Teil sehr lange. Wer sich wirksam schützen will, muss alle drei Aspekte im Blick behalten: technische und organisatorische Mindeststandards, den intelligenten Einsatz von KI – und vor allem die Sensibilisierung der eigenen Mitarbeitenden. Gemeinsam mit dem passenden Versicherungsschutz wird das Unternehmen so widerstandsfähig gegen die Gefahren der digitalen Welt.
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