Nicht an der Gen Z vorbeireden
Falsche Kanäle, umständliche Prozesse: Vielen Playern in der Versicherungsbranche gelingt es nicht, die Zielgruppe der 20- bis 30-Jährigen adäquat anzusprechen. Die Generation Z erwartet von Vermittlerinnen und Vermittlern Erreichbarkeit, Tempo und Verbindlichkeit, schreibt unser Kolumnist Bastian Kunkel.

(Foto: Artur Derr)
Die Generation Z hat kein Problem mit Versicherungen – sie hat ein Problem mit Umständlichkeit. Wer heute die 20- bis 30-Jährigen erreichen will, muss digital beraten, schnell reagieren und Klartext sprechen.
Das klingt simpel. Tatsächlich aber stolpert die Branche immer noch über Fax-Mentalität, Warteschleifen und Fachchinesisch. Aus unserer Beratungspraxis bei „Versicherungen mit Kopf“ wissen wir: Angehörige dieser Generation erwarten, dass ihr ein erstklassiger Tarif angeboten wird. Entscheidend ist aber das Erlebnis: Von der ersten Frage bis zum Abschluss der Police muss alles reibungslos verlaufen.
Ohne Ansprache auf Augenhöhe geht es nicht
Die größten Missverständnisse im Vertrieb beginnen bei Sprache und Kommunikationskanälen. Die Gen Z konsumiert Inhalte im Feed, nicht im Foyer. Sie erwartet Relevanz innerhalb von Sekunden und eine Ansprache auf Augenhöhe – ohne Anbiedern.
Wer heute noch Produktblätter in Meetings verteilt, während die Zielgruppe längst auf TikTok, Instagram oder YouTube recherchiert, verfehlt den ersten Kontaktpunkt. Story statt Statistik, Orientierung statt Paragraphen-Bingo: Nur so bleibt man im Gedächtnis.
Tempo ist kein Nice-to-have, es ist ein Filter
Wochenlanges Schweigen auf Voranfragen zur Berufsunfähigkeitspolice oder zu einer privaten Krankenversicherung? Für die Gen Z ist das ein klarer Absprunggrund. Sie ist mit Self-Service, On-Demand-Infos und nachvollziehbaren Entscheidungen groß geworden. Beratung muss deshalb schnell, transparent und jederzeit digital zugänglich sein – ergänzt um eine menschliche Komponente, wenn es ernst wird. Wer bei Rückfragen über Messenger oder Video schnell reagiert und dazu strukturierte Abläufe bietet, gewinnt bei der Zielgruppe Vertrauen.
Verbindliche Ansagen statt Hochglanzbroschüren
Was viele übersehen: Das Misstrauen gegenüber „der Versicherungsbranche“ ist real. Zu oft haben junge Menschen Marketing-Versprechen erlebt, denen kein Service folgte. Jede Funkstille bestätigt Vorurteile. Antwortgeschwindigkeit, Erreichbarkeit, Verbindlichkeit: Genau hier entscheidet sich das Rennen. „Wir sind dran und melden uns bis morgen um 12 Uhr“ – unsere Erfahrung ist, dass die konkrete Ansage stärker wirkt als jede Hochglanzbroschüre. Hier müssen auch die Versicherer liefern. Tun sie es nicht, verlieren am Ende alle – Kunde, Vermittler und Marke.
Was jetzt konkret hilft
- Erstens: Verständliche Kommunikation. Klare Botschaften mit hohem Nutzwert für die Kundinnen und Kunden. Außerdem: kurze Erklärvideos mit echten Beispielen aus der Lebensrealität junger Menschen statt Feature-Feuerwerk.
- Zweitens: Digitale Beratungslogik etablieren. Interaktive Inhalte und schlanke Antragsprozesse, die im eigenen Tempo funktionieren – mit nahtlosem Übergang zum Menschen.
- Drittens: Servicelevel verbindlich machen. Kritischer Bestandteil von Service-Level-Agreements (SLAs) sind die Reaktions-SLAs. Hier geht es um die Zeit, die ein Kunde nach seiner Anfrage wartet, bis er eine erste Antwort (nicht Lösung!) bekommt. Ebenfalls wichtig: saubere Schnittstellen und wenig Medienbrüche. Das klassische „Sitzungsgespräch“ ist kein Königsweg mehr; gefragt sind Prozesse, die sich anfühlen wie moderne Apps, nicht wie Amtsgänge.
Mein Fazit: Die Abläufe müssen sitzen
Wer die Gen Z gewinnen will, muss Haltung zeigen: in Sprache, Kanälen – und vor allem im Service. Nicht „jung“ wirken, sondern verlässlich sein. Wir bei „Versicherungen mit Kopf“ setzen deshalb in unserer Beratung und Vertragsprüfung auf klare Worte, digitale Strecken und schnelle Rückmeldungen. Es geht darum, nicht um den heißen Brei herumzureden, sondern professionell, aber mit Herz zu liefern: spürbar, nachvollziehbar, auf den Punkt.
Weitere Artikel
Chancen und Grenzen: Wie KI die Kunstwelt verändert
Wie Unternehmen von KI-Agenten profitieren