Mit KI zu mehr Effizienz in der Kunstversicherung
Mehr Tempo, mehr Service, mehr Innovation versus Jobverlust, Datenmissbrauch und Cybercrime: KI ist auch in der Assekuranz Top-Thema. In unserer Kolumne PROMPT! beziehen Expertinnen und Entscheider Stellung. Heute: Dr. Louisa Krämer-Weidenhaupt, Underwriterin Kunst bei der ERGO Versicherung AG

(Foto: Felix Kayser)
Künstliche Intelligenz verändert den Kunsthandel. Neben der KI-gestützten Analyse, die die Authentifizierung von Kunstwerken erheblich effizienter gestaltet, unterstützt KI auch dabei, Schadenszenarien zu modellieren, Risikobewertungen zu erleichtern sowie Transport- und Logistikprozesse zu optimieren. Doch es gibt weitere Bereiche, in denen sie zunehmend Einfluss auf den Kunsthandel und die Kunstversicherung nimmt: die Wertermittlung und Dokumentation. Diese Felder sind von besonderer Bedeutung, da die Versicherbarkeit eines Objekts unmittelbar mit der Verfügbarkeit solcher belastbaren Grundlagen verknüpft ist.
Präzisere Analysen
Empfehlungsalgorithmen, wie sie seit Jahren auf digitalen Kunsthandelsplattformen eingesetzt werden, gewinnen deutlich an Präzision. Ein Nebeneffekt dieser zunehmenden Treffsicherheit ist das frühzeitige Erkennen von Markttrends. KI hat das Potenzial nachzuvollziehen, welche Künstler, Medien oder Themen verstärkt Aufmerksamkeit erfahren, und kann diese Entwicklungen in einen größeren Marktkontext einordnen. Grundlage hierfür ist die Fähigkeit, große Mengen historischer Verkaufsdaten, Auktionsresultate, Ausstellungsbeteiligungen und Medienechos in kurzer Zeit auszuwerten und zu verknüpfen. So kann KI Marktbewegungen nachvollziehbar abbilden, Preisentwicklungen kontextualisieren und Prognosen unter Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren erstellen. In Kombination mit weiteren Marktdaten entstehen belastbarere Fair-Value-Analysen, die die Bewertung beschleunigen.
Dies erleichtert nicht nur Sammlerinnen und Beratern die Einschätzung realistischer Preisniveaus, sondern bietet auch Kunstversicherern neue Potenziale in der Festlegung von Versicherungswerten. Die Aussagekraft bleibt dort begrenzt, wo belastbare Vergleichsdaten fehlen, etwa bei sehr jungen künstlerischen Positionen oder selten gehandelten Werkgruppen.
Bessere Dokumentation
Außerdem trägt KI dazu bei, strukturelle Lücken in der Dokumentation von Kunstwerken zu schließen. Nicht nur im Handel, sondern auch im Kontext von Museen und Archiven können Katalogisierungsprozesse effizienter gestaltet werden, indem die KI vorhandene Informationen aus Bild-, Text- und Datenquellen zusammenführt und strukturiert aufbereitet. Werkdaten, Provenienzen, Zustandsangaben und Ausstellungshistorien können so schneller und konsistenter dokumentiert werden. Diese verbesserte Datenlage hat unmittelbare Auswirkungen auf die Kunstversicherung, denn häufig ist es eine unvollständige Dokumentation, die im Schadenfall zu Unsicherheiten bei der Wertermittlung oder Regulierung führt. Für Versicherer erhöht sich dadurch die Risikotransparenz erheblich.
KI als Ergänzung
Für die Kunstversicherung eröffnet KI also vor allem neue Möglichkeiten, Bewertungsgrundlagen zu verbessern, Dokumentationslücken zu schließen und Risiken transparenter zu machen. Trotz dieser Fortschritte bleibt die menschliche Expertise unverzichtbar. KI kann Prozesse effizienter machen. Ihre Stärke liegt in der Unterstützung analytischer und dokumentarischer Prozesse, nicht im Ersatz kuratorischer oder versicherungstechnischer Fachkenntnis.
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