Wie Unternehmen von KI-Agenten profitieren
Mehr Tempo, mehr Service, mehr Innovation versus Jobverlust, Datenmissbrauch und Cybercrime: KI ist auch in der Assekuranz Top-Thema. In unserer Kolumne PROMPT! beziehen Experten und Entscheider Stellung. Heute: Steffen Heilmann, Vorstand der Hamburger SDA SE Open Industry Solutions.

(Foto: Daniel Loesch/SDA/Adobe Firefly)
Mehr Effizienz, höhere Qualität und zufriedene Teams: KI-Agenten verändern die Softwareentwicklung spürbar. Doch wie gelingt der Schritt von der Vision zur messbaren Wirkung? Anhand konkreter Projekte zeigt sich, wie Unternehmen mit modularer Architektur und KI-Agenten reale Produktivitätsgewinne erzielen und warum Ergebnisse oft schneller eintreten, als viele erwarten.
„Alle reden über KI, aber bei Unternehmen mit bereits vorhandenen Anwendungen bleiben echte Resultate selten.“ Zu diesem Schluss kommt die DORA-Studie von Google Cloud. Danach setzen zwar 90 Prozent der befragten Unternehmen bereits auf KI-Technologien – doch wenig flexible Systeme, verstreute Daten und schwerfällige Prozesse verhindern häufig, dass sich der Nutzen entfalten kann. Hier kommen KI-Agenten ins Spiel: Systeme, die selbstständig Aufgaben planen, Schritte koordinieren und Entscheidungen treffen, im Gegensatz etwa zu ChatGPT, das nur auf einzelne Eingaben reagiert, ohne eigenständig weiterzuarbeiten.
Schnelle Ergebnisse
Bevor wir angefangen haben, KI-Agenten bei unseren Kunden einzuführen, haben wir die Technologie zunächst intern getestet – mit deutlichen Erfolgen. So haben wir bei SDA SE einen PDF-Assistenten entwickelt, der mithilfe von KI relevante Daten automatisch aus Dokumenten extrahiert. Schon nach einer Woche lagen die ersten Ergebnisse vor.
Das ist ein bemerkenswerter Fortschritt in einer Branche, in der Projektergebnisse normalerweise in Wochen und nicht in Tagen erwartet werden. Nach dieser erfolgreichen Pilotphase wechselte unser Team von einem Cloud-Dienst auf ein lokales Large Language Model. Dieser Schritt war gerade im Hinblick auf Datenschutz besonders relevant.
Vorteile bei Sonderfällen
Bei dem gesamten Projekt zeigte sich: KI-Anwendungen sind bereits heute zuverlässig, entfalten ihren größten Mehrwert aber in Sonderfällen. Standardprozesse lassen sich auch ohne komplexe Modelle automatisieren, doch sobald Ausnahmen gefragt sind, spielt die KI ihre Stärken aus. Ähnliche Ergebnisse zeigen sich in größeren Projekten: Ein Anbieter von Flottenversicherungen mit rund 50 Anwendungen, 30 Entwickelnden und einer teils schwer veränderbaren Altarchitektur führte die KI-gestützte Softwareentwicklung umfassend ein. Anschließend wurden zwei Pilotanwendungen umgesetzt. Das Ergebnis: kürzere Entwicklungszeiten, geringere Kosten, höhere Testabdeckung und eine einheitlichere Architektur. In einem weiteren Projekt konnte die geplante Entwicklungszeit um rund 30 Prozent verkürzt werden.
Der Schlüssel zum Erfolg
Die DORA-Studie benennt sieben Erfolgsfaktoren für KI-Einführungen, doch in unserer Arbeit zeigen sich vier davon als besonders entscheidend: Modularität, Wiederverwendbarkeit, Standardisierung und Skalierbarkeit. In der Praxis heißt das: Spezialisierte Agenten übernehmen klar abgegrenzte Aufgaben und können wie Microservices mehrfach genutzt werden. Standardisierte Leitplanken stellen sicher, dass die Qualität hoch bleibt, Abweichungen früh sichtbar werden und Best Practices im Alltag greifen. Die Erfahrung zeigt, dass KI-Agenten längst kein Zukunftsversprechen mehr sind. Unternehmen, die sie gezielt in ihren Softwareenwicklungsprozess integrieren, erreichen schnell effizientere Abläufe, stabilere Systeme und eine spürbare Entlastung des Teams.
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