16.06.2021 Branche

Dieselskandal: Rechts­kosten durch­brechen Milliarden­grenze

Die Zahl der Klagen gegen Autohersteller wegen Abgasmanipulationen steigt weiter. Und damit die Kosten für Anwälte, Gerichte oder Gutachter. Für die Rechtsschutzversicherer ist der Dieselskandal schon jetzt der teuerste Schaden in der Geschichte.

Schadstoffe, die Autos mit Verbrennungsmotoren ausstoßen, schnüren der Umwelt die Luft ab. (Foto: Jeyaratnam Caniceus/Pixabay)
Schadstoffe, die Autos mit Verbrennungsmotoren ausstoßen, schnüren der Umwelt die Luft ab.
(Foto: Jeyaratnam Caniceus/Pixabay)

Knapp sechs Jahre nach Bekanntwerden von Abgasmanipulationen bei Dieselautos steigen die Prozesskosten unvermindert an. Bis Ende Mai hatten die Rechtsschutzversicherer für Anwalts-, Gerichts- und Gutachterkosten mehr als eine Milliarde Euro ausgegeben. Das geht aus der jüngsten Erhebung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor. Seit der letzten Zählung im Oktober 2020 sind nochmals rund 60.000 Rechtsschutzfälle und ein Mehraufwand von mehr als 250 Millionen Euro hinzugekommen.

Teuerster Schaden in der Geschichte der Rechtsschutzversicherer 

 

„Der Diesel-Skandal ist das bislang teuerste Schadenereignis in der Rechtsschutzversicherung überhaupt”, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Ein Ende der Verfahren sei nicht in Sicht – der Kreis der betroffenen Hersteller weite sich sogar noch aus. „Der Gesamtstreitwert aller über die Rechtsschutzversicherer abgewickelten Diesel-Rechtsschutzfälle ist inzwischen auf über neun Milliarden Euro gestiegen”, so Asmussen.

Bis Ende Mai nahmen über 350.000 Kunden im Streit mit Autoherstellern wegen mutmaßlich manipulierter Abgaswerte ihre Rechtsschutzversicherung in Anspruch. Der durchschnittliche Streitwert pro Dieselfall hat sich auf rund 26.000 Euro erhöht. Grund sind höherpreisige Fahrzeuge, zuletzt beispielsweise Wohnmobile.

Zuletzt bearbeiteten die Rechtsschutzversicherer jährlich über vier Millionen Fälle und leisten dafür rund drei Milliarden Euro.


Weitere Artikel

Listing

02.05.2024 Branche

GDV: Schäden durch Betrug kosten Versicherer wohl sechs Milliarden Euro

Mit den gestiegenen Regulierungskosten wachsen auch die Verluste durch Betrügereien. Das haben Berechnungen der Versicherer ergeben. Die Zeche zahlen am Ende die ehrlichen Kunden.

> weiterlesen
Listing

23.04.2024 Branche

GDV: Solvency II hui, Zahlungsverzugsverordnung pfui

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft ist zufrieden mit den aufsichtlichen Anforderungen, die im Rahmen von Solvency II an den Versicherungssektor gestellt werden – das gilt ausdrücklich auch für das Thema Nachhaltigkeit. Scharfe Kritik übt der GDV hingegen an der geplanten Zahlungsverzugsverordnung.

> weiterlesen
Listing

16.04.2024 Branche

BaFin-Bericht: Finanz- und Versicherungsbranche hat mehr Ärger mit ihren Kunden

Die Finanzaufsicht BaFin verzeichnet gut 60 Prozent mehr Beschwerden aus den Reihen der Kundinnen und Kunden von Banken, Versicherungen und Wertpapierdienstleistern. Wie die BaFin für mehr Bekanntheit sorgt und worüber der Unmut besonders groß ist, erläutert Christian Bock, Leiter der BaFin-Verbraucherschutzabteilung.

> weiterlesen