26.05.2021 Branche

Assekurata: Gutes Jahr für Schaden-/Unfallversicherung

Mehr Umsatz, mehr Rendite: Nach Einschätzung der Kölner Rating-Agentur Assekurata setzt sich der positive Trend in der Schaden-/Unfallversicherung auch in diesem Jahr fort. Ein Grund: geringere Aufwendungen für Schäden infolge der Pandemie.

Die Zahl von Unfällen im Straßenverkehr und in der Freizeit ging deutlich zurück, weil die Menschen weniger mobil waren. (Foto: Gerhard G./Pixabay)
Die Zahl von Unfällen im Straßenverkehr und in der Freizeit ging deutlich zurück, weil die Menschen weniger mobil waren.
(Foto: Gerhard G./Pixabay)

Ungeachtet der weltweiten Corona-Pandemie hat sich der positive Trend in der Schaden-/Unfallversicherung im Geschäftsjahr 2020 fortgesetzt. Dabei konnte die Sparte nicht nur weiter wachsen, sondern auch ihre Profitabilität steigern. Dies geht aus dem „Marktausblick zur Schaden-/Unfallversicherung“ der Rating-Agentur Assekurata hervor.

Über 40 Prozent mehr Gewinn

 

„Die pandemiebedingt verringerte Mobilität hat 2020 zu einem deutlichen Rückgang von Verkehrs-, Sport- und Freizeitunfällen geführt. Zusätzlich haben vergleichsweise geringe Elementarschäden dazu beigetragen, dass die deutschen Schaden-/Unfallversicherer im Geschäftsjahr 2020 den versicherungstechnischen Gewinn deutlich von 5,2 auf 7,4 Milliarden Euro steigern konnten“, erklärt Dennis Wittkamp, Fachkoordinator Schaden-/Unfallversicherung bei der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH und Autor der Untersuchung.

Auch beitragsseitig konnte die Branche ihren Wachstumskurs fortsetzen, wenngleich die Einnahmen mit 2,1 Prozent etwas weniger stark anstiegen als im Mittel der vergangenen zehn Jahre (2,9 Prozent). Gleichzeitig gingen die Versicherungsleistungen deutlich von 53,3 auf 52 Milliarden Euro zurück. Folgerichtig sank die kombinierte Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) von 92,8 auf rund 90 Prozent, was im Vergleich zum Mehrjahresdurchschnitt 2010 bis 2020 (95,7 Prozent) einen sehr guten Wert darstellt.

Erneut Preiskampf in der Kfz-Sparte?

 

Schadenseitig profilierten sich laut Assekurata neben der Hausrat- insbesondere die Haftpflicht- und die Unfallversicherung erneut als solide Erfolgslieferanten. Ferner profitierte die Kraftfahrtversicherung von einer geringeren Schadenbelastung und positionierte sich 2020 deutlich ertragreicher als in der Vergangenheit. Vor diesem Hintergrund erscheint dort sogar ein erneuter Preiswettbewerb möglich. „Die Schadenentwicklung eröffnet Raum für marktweite Beitragssenkungen, ohne die Profitabilität allzu negativ zu beeinflussen. Durch Beitragsrückerstattungen für das Jahr 2020 sinkt zudem das Beitragsniveau für das Wechselgeschäft 2021/2022. Wer dort eine Rolle spielen will, wird nicht umherkommen, die Prämien ebenfalls auf ein entsprechendes Niveau abzusenken“ prognostiziert Wittkamp.

Höhere Preise für Cyberpolicen

 

Profiteure der Pandemie sind auch die Anbieter von Cyberversicherungen, wo das Neugeschäft merklich anzog. „Die stärkere Verbreitung der mobilen Arbeit, aber auch die Zunahme von Schäden haben hier dafür gesorgt, dass sich viele Unternehmen stärker mit ihren IT-Risiken auseinandergesetzt und sich zeitnah um Versicherungsschutz gekümmert haben“, erläutert Assekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner Will. Schadenseitig wirkt sich die Pandemie in diesem Zweig aber negativ aus. „Immer weniger Versicherer erachten die Prämieneinahmen als auskömmlich“, betont Will. „2021 wird eine hohe Nachfrage auf stagnierende bis nur leicht wachsende Kapazitäten am Markt treffen. Im Zusammenspiel mit steigenden Schadenquoten dürften die Prämien in der Cyberversicherung in diesem Jahr merklich ansteigen.“

Privatkundengeschäft lukrativer

 

Auch 2021 werden sich aus Sicht der Rating-Agentur die Auswirkungen der Pandemie weiter in der Schadensituation widerspiegeln. Dementsprechend sei davon auszugehen, dass sich der positive Schadentrend in der Kraftfahrt-, Hausrat- und Unfallversicherung weiter fortsetzt. Auf der anderen Seite sei zu erwarten, dass sich die negativen Auswirkungen weiterhin in der Betriebsschließungs- und der Kreditversicherung sowie der Rechtsschutz- und Veranstaltungsausfallversicherung niederschlagen. „Aus diesem Grund ist unverändert der Sparten- und noch viel mehr der Kundenmix entscheidend dafür, wie die einzelnen Unternehmen sich 2021 behaupten. Wir gehen davon aus, dass Gesellschaften mit Schwerpunkten in Gewerbe und Industrie schwerer betroffen sind als Privatkundenversicherer“, sagt Wittkamp.

Der Experte rechnet „für 2021 mit einem marktweiten Beitragswachstum knapp oberhalb des Niveaus von 2020“. Ertragsseitig dürfte es erneut ein positives Jahr für die Branche werden. „Die positiven Auswirkungen der Pandemiebekämpfung auf Schäden und Provisionszahlungen halten an. Auch bei sinkendem Prämienniveau in der Kraftfahrtversicherung dürfte die Branche unter dem Strich weiterhin einen hohen versicherungstechnischen Gewinn einfahren“, so Wittkamp.


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