16.01.2020 Branche

GDV prangert Kosten durch hohe Regulierungsdichte an

Überbordende Regularien kosten Deutschland laut GDV rund 148 Milliarden Euro jährlich. Der Versichererverband plädiert für mehr prinzipienbasierte Regulierung und weniger bürokratische Berichtspflichten im Rahmen von Solvency II.

Für GDV-Chefvolkswirt Dr. Klaus Wiener haben unnötige Regularien massive Auswirkungen auf Deutschlands Bruttoinlandsprodukt. (Foto: GDV)
Für GDV-Chefvolkswirt Dr. Klaus Wiener haben unnötige Regularien massive Auswirkungen auf Deutschlands Bruttoinlandsprodukt.
(Foto: GDV)

Deutschland könnte mit günstigeren regulatorischen Rahmenbedingungen erhebliche zusätzliche Wachstumskräfte freisetzen. Das zeigt nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) eine aktuelle Studie. Demnach hätte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Untersuchungszeitraum 2000 bis 2016 um 4,4 Prozent höher gelegen, wenn Deutschland zu den fünf OECD-Ländern mit dem besten Regulierungsumfeld zählen würde. Dies entspräche bezogen auf 2016 einem zusätzlichen BIP von umgerechnet rund 138 Milliarden Euro. „Die vielen gesetzlichen Auflagen und die hohe Regulierungsdichte kosten Deutschland Wohlstand“, sagt GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener. Basis für die Berechnung ist der Economic Freedom of the World-Index des Fraser Instituts, in dessen Regulierungs-Ranking Deutschland im Mittelfeld landet. „Deutschland kommt beim Bürokratieabbau kaum voran“, konstatiert Wiener.

Versicherer hadern mit überbordenden Berichtspflichten

 

Dies gelte auch für die Versicherungsaufsicht, etwa bei den Melde- und Dokumentationspflichten. „Sowohl Umfang als auch Taktung der Berichte stehen oft in keinem Verhältnis zum Nutzen“, bemängelt Wiener. Ein namhafter Versicherer habe im ersten Halbjahr 2018 alle 2,5 Wochen eine Meldung an die Aufsichtsbehörden abgeben müssen. Ausufernde Berichtspflichten schränken die Versicherer laut Studie auch in ihrer Kapitalanlage ein. Der GDV-Chefvolkswirt plädiert für Nachbesserungen am Aufsichtsregime Solvency II. Die Gelegenheit dazu biete sich in diesem Jahr, wenn die Überprüfung des 2016 eingeführten Regelwerks ansteht. Dabei stehen auch die Berichterstattungs- und Transparenzanforderungen auf der Agenda. „Die Unternehmen wollen weniger Bürokratie, damit sie sich mehr auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können“, formuliert Wiener die Erwartungen der Branche.

 


Weitere Artikel

Listing

02.04.2025 Branche

Robust und krisenfest: Solvenzquoten bleiben hoch

Trotz Zinsanstiegs und Krisenstimmung – die deutschen Versicherer sind finanziell gut aufgestellt. Nach Schätzungen des GDV bewegen sich die Solvenzquoten – also das Verhältnis von Eigenmitteln zu den gesetzlich geforderten Kapitalpuffern – für 2024 weiterhin auf hohem Niveau.

> weiterlesen
Listing

24.03.2025 Branche

AfW-Vermittler­barometer: Makler gehen bei Gewerbe­versicherung auf Distanz

Komplexe Produkte, schlechter Service, langwierige Prozesse: Der Vertrieb von Gewerbepolicen überfordert zunehmend Maklerinnen und Makler, zeigt eine Studie des Bundesverbands Finanzdienstleistung AfW. Eine gute und individuelle Bestandsbetreuung ist für Gewerbeversicherer ein Schlüssel zum Vertriebserfolg.

> weiterlesen
Listing

19.03.2025 Branche

Nachhaltigkeit von Versicherern wird messbar

Die Fachleute der Ratingagentur Franke und Bornberg analysieren und bewerten die Fortschritte von Versicherern auf ihrem Weg zur grünen Transformation. Ihr neu entwickelter Nachhaltigkeits-Score bietet auch Vertriebsprofis zusätzliche Orientierung bei der Beratung.

> weiterlesen