05.07.2021 Branche

­GDV: Storno­quote auf historischem Tief

Im Verlauf der Covid19-Pandemie mussten viele Versicherte Einkommens­einbußen hinnehmen. Eine Kündigungs­welle von Verträgen blieb jedoch aus, wie die Publikation „Lebensversicherung in Zahlen 2021“ zeigt. Die Kunden nutzten offenbar andere Einspar­möglichkeiten, so der GDV.

Notgroschen. In der Pandemie stieg nicht nur die Sparquote der Deutschen – sie blieben auch ihrer Altersvorsorge treu. (Foto: USA-Reiseblogger/Pixabay)
Notgroschen. In der Pandemie stieg nicht nur die Sparquote der Deutschen – sie blieben auch ihrer Altersvorsorge treu.
(Foto: USA-Reiseblogger/Pixabay)

Die deutschen Lebensversicherer haben 2020 trotz der Corona-Krise gemessen am Bestand die wenigsten Vertragskündigungen seit der Wiedervereinigung verzeichnet. Auch die Beitragseinnahmen seien stabil geblieben, sagt der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Jörg Asmussen. Die gesamten Beitragseinnahmen der Lebensversicherer, Pensionskassen und -fonds lagen mit 103,2 Milliarden Euro exakt auf dem Vorjahreswert, wie aus der soeben veröffentlichten Publikation „Lebensversicherung in Zahlen 2021“ hervorgeht. „Die Lebensversicherung allein verzeichnete sogar einen leichten Zuwachs um 0,4 Prozent auf 99,9 Milliarden Euro“, sagt Asmussen. Diese Entwicklung sei auch auf eine historisch niedrige Stornoquote von 2,55 Prozent der Verträge zurückzuführen. Im Vorjahr habe die Quote noch bei knapp 2,7 Prozent gelegen.

Kunden nutzen Kulanzregelungen



„Der Rückgang der Stornoquote ist vor dem Hintergrund der angespannten wirtschaftlichen Lage vieler Versicherter während der Pandemie besonders bemerkenswert“, sagte Asmussen. Offenbar hätten viele bei vorübergehenden finanziellen Engpässen das Angebot einer befristeten Beitragsfreistellung oder -stundung genutzt, so der GDV-Chef. „Das ist besonders wichtig bei Lebensversicherungen, die einen Schutz vor existenziellen Risiken wie beispielsweise einer Berufsunfähigkeit beinhalten.“

Rentenversicherung wird wichtiger



Die Rentenversicherung hat 2020 gegenüber der Kapitallebensversicherung weiter an Bedeutung gewonnen. Der Anteil der Rentenversicherungen an den laufenden Versicherungsbeiträgen erreichte 58,4 Prozent (2019: 57,3 Prozent), während auf Versicherungen mit Kapitalauszahlung nur knapp 25 Prozent der laufenden Beiträge entfielen. Insgesamt gab es zuletzt über 44 Millionen Rentenverträge. „Die Leistungsauszahlungen der Lebensversicherer, Pensionskassen und -fonds erreichten 2020 rund 83,9 Milliarden Euro“, sagt Asmussen. Das seien 2,7 Milliarden Euro weniger als 2019, aber 3,7 Milliarden Euro mehr als 2018.

bAV mit Potenzial



Im Bereich der betrieblichen Altersversorgung stieg die Zahl der Verträge um 0,8 Prozent auf über 16,4 Millionen. Die Beitragseinnahmen stiegen ebenfalls leicht um 1,0 Prozent auf knapp 19,2 Milliarden Euro „Die betriebliche Altersversorgung hat noch Wachstumspotenzial – in den vergangenen Jahren ist die Beschäftigung deutlich stärker gestiegen als die Zahl der Menschen mit einer bAV“, so Asmussen. Die nächste Bundesregierung sollte nach Meinung des GDV den gesetzlichen Rahmen für die geförderte Altersvorsorge insgesamt anpassen, um flexiblere Garantien und damit eine chancenreichere Kapitalanlage zu ermöglichen. 


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