16.07.2021 Branche

Tief „Bernd“ und die elementaren Lücken

Die aktuelle Unwetterserie verursacht in den betroffenen Regionen menschliches Leid und Schäden in Rekordhöhe. Nach Ansicht von Experten werden sich solche Ereignisse künftig häufen. Gleichzeitig mangelt es vielerorts an ausreichendem Versicherungsschutz.

Ob Sturm oder Starkregen – zumindest die finanziellen Schäden solcher Naturereignisse lassen sich eindämmen. (Foto: © Animaflora PicsStock - stock.adobe.com)
Ob Sturm oder Starkregen – zumindest die finanziellen Schäden solcher Naturereignisse lassen sich eindämmen.
(Foto: © Animaflora PicsStock - stock.adobe.com)

Vermutlich über 100 Tote, weit mehr als 1000 Verletzte, komplett zerstörte Straßenzüge und Stadtviertel – die verheerenden Überschwemmungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben eine tödliche Spur der Verwüstung hinterlassen. Dabei ist das komplette Ausmaß durch das Tiefdruckgebiet „Bernd“ noch nicht abzusehen. Laut GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen zeichne sich aber ab, „dass sich dieses Jahr mit Stürmen, Überschwemmung, Starkregen und Hagel zu einem der schadenträchtigsten seit 2013 entwickeln könnte“. Bereits im Juni hätten Starkregen und Hagel einen geschätzten versicherten Schaden von 1,7 Milliarden Euro verursacht. „Eine aktuelle Schadenschätzung werden wir voraussichtlich in der nächsten Woche vorliegen haben“, so Asmussen weiter. Schon jetzt aber steht fest: Schäden durch Extremwetterereignisse werden in Zukunft höchstwahrscheinlich zunehmen.

Höherwertiges Inventar meets Klimawandel

 

Damit rechnet auch der Chef-Klimatologe des Rückversicherers Munich Re, Ernst Rauch. Dies liege zum einen an sogenannten sozio-ökonomischen Gründen wie dem wachsenden Gebäude- und Fahrzeugbestand der Haushalte. „Auch die Verwundbarkeit nimmt zu. Beispielsweise sind die zunehmend isolierten Fassaden weicher und somit anfälliger für Hagelschäden. Und während vor 40 Jahren in den Kellern Kartoffeln und Waschmaschinen standen, befinden sich dort heute oft ausgebaute Wohnräume“, so Rauch in einem aktuellen SPIEGEL-Interview. „Dennoch: Es gibt klare Indizien, dass ein Teil der wachsenden Schäden nicht sozio-ökonomisch zu erklären, sondern dem Klimawandel zuzuordnen ist.“

Elementarschadenversicherung: Noch viel Luft nach oben

 

Umso wichtiger ist eine möglichst flächendeckende Verbreitung der Elementarschadenversicherung – zumindest in den gefährdeten Regionen. Hier gibt es laut aktueller GDV-Statistik jedoch regional starke Unterschiede. Klarer Spitzenreiter ist Baden-Württemberg. In dem Bundesland war bis 1994 der Versicherungsschutz gegen Elementarschäden vorgeschrieben. Entsprechend ist dort die Abdeckungsquote mit 94 Prozent besonders hoch. Ganz anders Rheinland-Pfalz, wo „Bernd“ besonders stark wütete.

Im gesamten Bundesland sind gerade einmal 37 Prozent der Gebäude gegen Elementarschäden versichert. Im ebenfalls betroffenen NRW ist der Anteil mit 47 Prozent etwas höher – aber längst nicht flächendeckend. Der Schutz ist für Hab und Gut von elementarer Bedeutung, denn die angekündigten staatlichen Hilfen decken meist nur das Nötigste ab.

Nord-Süd-Gefälle der Naturgefahren

 (© GDV)
(© GDV)

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