27.07.2021 Branche

Versicherer helfen Flutopfern

Nach der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hat die Versicherungsbranche diverse Hilfsaktionen ins Leben gerufen: Das Angebot reicht von wohltätigen Finanzspritzen bis hin zu Seelsorge-Programmen

Der Stadtkern im rheinland-pfälzischen Kordel versinkt im braunen Wasser der Kyll (Foto: Chz/Wikpedia)
Der Stadtkern im rheinland-pfälzischen Kordel versinkt im braunen Wasser der Kyll
(Foto: Chz/Wikpedia)

Aufgerissene Straßen, eingestürzte Häuser, weggespülte Autos: Sturmtief „Bernd” hat in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens und Rheinland-Pfalz eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Der Marktführer Allianz hat derweil eine erste Schadensschätzung veröffentlicht: „Inzwischen liegen uns schon rund 10.000 Schadenmeldungen zu beschädigten Häusern und Hausrat und etwa 3000 Schadenmeldungen zu beschädigten Fahrzeugen vor”, sagt Jochen Haug, Schadenvorstand der Allianz Versicherungs-AG. Er rechne damit, dass sich diese Zahlen in den nächsten Tagen noch deutlich erhöht. Die gegenwärtige Prognose belaufe sich aber bereits auf ein Schadenvolumen in Höhe von über 500 Millionen Euro.

Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat seine vorläufige Schadenschätzung präzisiert: „Wir gehen jetzt von versicherten Schäden zwischen 4,5 Milliarden und 5,5 Milliarden Euro aus”, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Neben den Schäden aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind nun auch Zahlen aus den anderen betroffenen Bundesländern, darunter Bayern und Sachsen, enthalten.

Hilfsfonds eingerichtet

 

Viele Versicherer greifen den Flutopfern nun mit unterstützenden Maßnahmen unter die Arme. Sie vereinfachen Schadenregulierung, ziehen Mitarbeiter zusammen und leisten Vorauszahlungen. Darüber hinaus sammeln einige Assekuranz-Unternehmen Spenden und bieten Betroffenen psychologische Betreuung an.

So etwa die Gothaer, die jüngst einen Hilfsfonds mit mehr als 500.000 Euro auf die Beine gestellt hat. Zusätzlich hat der Versicherer das Programm „Mental-Kompass” aufgelegt, das die Menschen aus den Katastrophengebieten bei psychischen Problemen unterstützen soll. „Wer in dieser mentalen Überforderungssituation Hilfe benötigt, kann hier mit Experten sprechen”, sagt Sylvia Eichelberg, Vorstandsvorsitzende der Gothaer Krankenversicherung.

Auch die Ergo bietet Betroffenen psychologische Seelsorge an. So sendete der Versicherer dem Verein „ergo: wir helfen e.V.” eine Spende für die Flutopfer. In welche Hilfsprojekte das Geld fließt dürfen Mitarbeiter und Vertriebspartner mitentscheiden – sie können nun Vorschläge für entsprechende Hilfsprojekte einreichen.

Unbürokratische Hilfe von der Signal Iduna

 

Wie groß die Not in den betroffenen Gebieten ist, wird auch bei der Signal Iduna deutlich: „Täglich gehen über 1000 Anrufe bei unseren Schadenhotlines ein. Zudem melden sehr viele Versicherte ihre Schäden online”, sagt Vorstandsmitglied Dr. Stefan Kutz. Der Versicherer reagiert darauf mit unbürokratischer Hilfe: So können die Agenturen vor Ort dank erhöhter Regulierungsvollmachten bereits viele Schäden in Eigenregie regulieren. Die Teams werden außerdem verstärkt durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Hauptverwaltung Dortmund. Darüber hinaus sind Spezialisten eingebunden, um die Schadenaufnahme vor Ort und die Regulierung zu beschleunigen. 

Versicherte Helfer:innen

 

Die Debeka bietet wiederum Hochwasser-Betroffenen und Helfern kostenlosen Extra-Schutz. So bietet Deutschlands größter privater Krankenversicherer Kunden, die als freiwillige Helferinnen und Helfer in den Hochwassergebieten im Einsatz sind, rückwirkend zusätzlichen Schutz in der Unfallversicherung. So weitet das Unternehmen seinen Unfall-Schutz auf Infektionskrankheiten aus, die sich Menschen bei ihrem Engagement vor Ort zuziehen könnten. Zudem verdoppelt die Debeka ihre Leistungen bei Invalidität auf maximal bis zu 300.000 Euro. Die Verdopplung greift, wenn der Versicherte während seines Einsatzes oder seiner Hilfstätigkeit einen Unfall erleidet und daraus eine Invalidität verbleibt. Der Extra-Schutz gilt rückwirkend ab Beginn des freiwilligen Einsatzes und bis maximal zum 31. Oktober dieses Jahres. „Wer jetzt hilft, sollte sich um seine Absicherung keine Sorgen machen müssen. Dazu wollen wir unseren Beitrag leisten”, sagt Dr. Normann Pankratz, zuständiges Vorstandsmitglied der Debeka für die Schaden- und Unfallversicherung. 


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