25.02.2021 Vermittlerwelt

Verbraucherschützer Schick: Frontalangriff auf Provisionsvertrieb

Gerhard Schick von der Verbraucherorganisation „Bürgerbewegung Finanzwende“ fordert eine Abkehr vom provisionsgesteuerten Vertrieb. Die Zukunft liegt für ihn in der Honorarberatung. Seine Kritik an MLP-Kooperationen erneuert er.

Der ehemalige Finanzpolitiker Gerhard Schick setzt sich mit seinem Verein „Bürgerbewegung Finanzwende“ für Umwelt- und Verbraucherschutz in der Finanzwirtschaft ein. (Foto: Bürgerbewegung Finanzwende e. V.)
Der ehemalige Finanzpolitiker Gerhard Schick setzt sich mit seinem Verein „Bürgerbewegung Finanzwende“ für Umwelt- und Verbraucherschutz in der Finanzwirtschaft ein.
(Foto: Bürgerbewegung Finanzwende e. V.)

Für Gerhard Schick sind Finanzberater keine Berater, sondern Verkäufer. Schick (48) ist ehemaliger  Grünen-Politiker und bis 2018 Mitglied des Deutschen Bundestages sowie Gründer und geschäftsführender Vorstand der sogenannnten „Bürgerbewegung Finanzwende“, einem Verein, die sich nach eigenen Angaben für eine fairere, gerechtere und nachhaltigere Finanzwirtschaft einsetzt. In einem Interview mit der Zeitschrift „Ökotest“ rechnete er nun mit dem provisionsbasierten Vertrieb der Finanzdienstleistungsbranche ab und sprach sich nachdrücklich für ein Modell der Honrarberatung aus. 

Kritik am provisionsgesteuerten Vertrieb

 

Laut Schick bekommen Mitarbeiter im Finanzvertrieb oft vorgeschrieben, welche Produkte sie verkaufen sollen. Das könne sich aber schon von der einen zur nächsten Woche ändern. Eine neutrale Beratung des Kunden sei so nicht möglich. Vielmehr steuerten die Provisionen, die Vermittler von den Anbietern der Produkte erhalten, den Verkauf. Im provisionsgesteuerten Vertrieb würde zumeist auf für Kunden teure Produkte gesetzt: aktiv verwaltete Fonds, kapitalgebundene Lebensversicherungen, geschlossene Fonds und andere Angebote vom grauen Kapitalmarkt, Zertifikate. Schick: „Damit verdient die Finanzbranche beim Verkauf viel Geld.“

Honorarberatung als Alternative

 

Als Alternative plädiert der ehemalige Finanzpolitiker für das Modell der Honorarberatung. Sie sei vor allem dann sinnvoll, wenn sich die Lebensumstände ändern, beispielsweise beim Eintritt ins Berufsleben. Losgelöst vom Verkaufsdruck werde dann unter anderem geklärt, wie eine langfristige Anlagestrategie aussehen soll. Ein Honorarberater kann laut Schick auch mal empfehlen, mit einer Investition abzuwarten, weil die Rahmenbedingungen schlecht sind. Zudem setzten Honorarberater eher auf kostengünstige Produkte wie ETFs, also börsengehandelte Fonds. Schick räumte in dem Interview aber ein, dass es für nachhaltig orientierte Anleger mit einer ethisch-ökologischen Orientierung noch nicht die volle Produktpalette gebe. Auch bei den Versicherungen fehlten einige.

Bei der Suche nach dem passenden Berater sollten Verbraucher auf deren Qualifizierung achten. Es gebe große Unterschiede zwischen Beratern, die nur einen Wochenendkurs belegt haben, und solchen, die eine anspruchsvolle Ausbildung zum „Certified Financial Planner“ absolviert haben, so Schick.

Kritik an MLP und Uni Frankfurt erneuert

 

Im Gespräch mit „Ökotest“ erneuerte Schick auch seine Vorwürfe an dem Finanzdienstleister MLP. Das Unternehmen kooperiert mit Universitäten wie der Goethe-Universität Frankfurt und führt teils in deren Räumlichkeiten mit eigenen Mitarbeitern Seminare durch. Laut Schick dienen sie dem Unternehmen dazu, Kontakte zu knüpfen und am Ende Finanzprodukte zu verkaufen. Im Vordergrund stehe nicht der tatsächliche Bedarf der Studierenden, sondern die Provision des Vermittlers. Schon seit längerem geht der Verein öffentlichkeitswirksam dagegen vor. Auf der Website von „Bürgerbewegung Finanzwende“ kann man im Rahmen der Kampagne „Runter vom Campus“ eine Protestmail an die Präsidentin der Frankfurter Universität schreiben.

Schon Ende vergangenen Jahres wiesen das Uni-Präsidium laut F.A.Z. NET die Vorwürfe zurück. Der Sprecher der Universität teilte damals mit, dass die von MLP seit zwölf Jahren für den „Career Service“ angebotenen Seminare stark nachgefragt und sehr gut bewertet würden. Es werde darauf geachtet, dass in den Veranstaltungen keine Finanzprodukte verkauft würden und die Studenten durch die Teilnahme an den Kursen keine Verpflichtungen eingingen. Die Universität sehe daher „keinerlei Veranlassung“, die Zusammenarbeit zu beenden. MLP wiederum teilte mit, dass man mit den Workshops einen „außeruniversitären Wissensbedarf“ der Studenten abdecke. Wenn Teilnehmer außerhalb der Seminare eine Finanzberatung wünschten, müssten sie das explizit angeben.


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