18.08.2020 Branche

Versicherer fordern mehr staatliche Unterstützung für Landwirte

Deutschlands Bauern droht das dritte schlechte Erntejahr in Folge. Der GDV fordert nun mehr staatliche Hilfe, um die bisher kaum beanspruchte Mehrgefahrenversicherung zur Absicherung von Dürreschäden zu etablieren. Die Police ist für die Landwirte kaum erschwiniglich.

Trockene Felder sind im Sommer vielerorts Normalzustand. Der Ertrag bei der Getreideernte sinkt. (Foto: Pixabay/Anrita1705 )
Trockene Felder sind im Sommer vielerorts Normalzustand. Der Ertrag bei der Getreideernte sinkt.
(Foto: Pixabay/Anrita1705 )

Angesichts zunehmender Dürreperioden fordern die deutschen Versicherer eine Bezuschussung der Landwirtschaftlichen Mehrgefahrenversicherung – als Hilfe für die Bauern. Diese Forderung veröffentlichte heute der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV. „Bei einer entsprechenden staatlichen Unterstützung wären die Versicherer in der Lage, auch eine erhöhte Nachfrage an Mehrgefahrenversicherungen zu bedienen”, sagt Jörg Asmussen, Mitglied der Geschäftsführung im GDV. Diese Policen schließen alle Wetterrisiken ein, also auch Trockenheit.

Dürreschäden bisher praktisch nicht abgesichert

 

Bislang sind erst etwa 0,02 Prozent der landwirtschaftlichen Anbaufläche in Deutschland gegen Dürre versichert. Trockenheit zählt zu den sogenannten Kumulrisiken: Sie kann mehrere Regionen gleichzeitig treffen und somit zu hohen Schäden führen, was sich auf den Preis der Policen auswirkt. „Um Dürreschäden abdecken zu können, sind die Prämien und Selbstbehalte für den Versicherungsschutz entsprechend hoch und für Landwirte preislich kaum erschwinglich”, sagt Asmussen.

Durch Frost, Starkregen und Trockenheit drohen den deutschen Landwirten das dritte Jahr in Folge erhebliche Ernteeinbußen. „Bei Weizen dürften die Erträge leicht unter dem Vorjahr liegen, bei Wintergerste etwa zehn Prozent unter dem Mittel der letzten Jahre, die ja auch schon nicht gut waren”, sagt Rainer Langner, Leiter des Expertennetzwerks Landwirtschaft im GDV.

Andere EU-Staaten übernehmen bis zu 70 Prozent der Prämie

 

Der GDV hält eine Förderung wie in anderen EU-Staaten für nötig, um Dürreabsicherungen stärker zu etablieren. Frankreich, Italien, Spanien, Polen oder die Niederlande bezuschussen die Prämien mit bis zu 70 Prozent. Laut GDV-Musterrechnungen müsste hierzulande ein Betrieb mit 50 Hektar Fläche etwa 2000 Euro pro Jahr weniger für eine Mehrgefahrenversicherung bezahlen, wenn der Staat die Hälfte des Beitrags übernehmen würde.

Der Anreiz zum Abschluss einer Police wäre verglichen mit der jüngsten Steuersenkung erheblich größer. Die Bundesregierung hatte im Februar die Versicherungssteuer für die Gefahr „Trockenheit“ von 19 Prozent des Versicherungsbeitrags auf 0,03 Prozent der Versicherungssumme gesenkt. Für den Musterbetrieb mit 50 Hektar ist die Police damit um nur 300 Euro günstiger geworden. Nach Ansicht des GDV reicht das nicht aus, um die Mehrgefahrenversicherung für Landwirte attraktiv zu machen.

Mit diesem Schutz wären die Landwirte bei wetterbedingten Ertragseinbußen auch nicht mehr auf Ad-hoc-Hilfen der Politik angewiesen. Für die Planungssicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe im Europäischen Binnenmarkt wäre laut GDV eine staatliche Förderung daher ein enormer Fortschritt.


Weitere Artikel

Listing

23.11.2021 Branche

GDV: Prozesskosten im Diesel-Skandal steigen auf 1,2 Milliarden Euro

Der Dieselskandal kommt die Rechtsschutzversicherer immer teurer zu stehen. Mittlerweile zahlen sie pro Fall 500 Euro mehr als noch vor anderthalb Jahren. Ein Grund: Neben Volkswagen sind nun auch höherpreisige Fahrzeuge anderer Hersteller betroffen.

> weiterlesen
Listing

12.11.2021 Branche

Nach Jahrhundertflut: Anstieg der Elementarschutz-Quote

Die Schadenhöhe der schweren Verwüstungen im Ahrtal erreicht Rekordwerte. In der Folge haben mehr Privatleute ihre Häuser gegen Schäden durch Hochwasser abgesichert. Das zeigen neue Zahlen des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft.

> weiterlesen
Listing

08.11.2021 Branche

AXA-Studie: Klimawandel als größtes Risiko

Experten und die Bevölkerung sind unisono der Meinung, dass der Klimawandel und seine Folgen das größte Risiko in der nahen Zukunft sind. Das zeigt der der „AXA Future Risks Report“. Im Alltag der Menschen sind der Klimawandel und Themen wie Umweltverschmutzung allerdings wenig präsent.

> weiterlesen