22.01.2021 Branche

Versicherer wollen kli­ma­neu­trale Kapital­anlage bis 2050

Die deutsche Versicherungswirtschaft will nachhaltiger werden. Ein GDV-Positionspapier setzt ambitionierte Ziele. Schon 2025 sollen klare Nachhaltigkeitskriterien in der Unternehmensführung und Schadenregulierung sichtbar werden. Das Endziel ist eine kli­ma­neu­trale Kapital­anlage bis 2050.

Absichtserklärung: Die Mitgliedsunternehmen des GDV wollen ihrer Verantwortung für den Klimawandel gerecht werden. (Foto: © Viacheslav Iakobchuk - stock.adobe.com)
Absichtserklärung: Die Mitgliedsunternehmen des GDV wollen ihrer Verantwortung für den Klimawandel gerecht werden.
(Foto: © Viacheslav Iakobchuk - stock.adobe.com)

Das Präsidium des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat ein Positionspapier verabschiedet, mit dem sich die Assekuranz zum nachhaltigen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft verpflichtet. Ziel sei es, das Geld der Kunden bis spätestens zum Jahr 2050 klimaneutral anzulegen. Der GDV nannte in diesem Zusammenhang Kapitalanlagen mit einem Wert von 1,7 Billionen Euro. „Mit dem Beschluss des GDV-Präsidiums haben sich die Versicherer ehrgeizige Ziele gesetzt“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. „Versicherungen werden grüner werden.“

ESG-Kriterien sollen in Zeichnungsrichtlinien integriert werden

 

Laut Positionspapier wollen die Versicherer langfristig keine gewerblichen und industriellen Risiken mehr zeichnen, die den Transformationsprozess zu einer nachhaltigen und klimaneutralen Wirtschaft negieren. Die Unternehmen streben an, bis 2025 ökologische und soziale Kriterien sowie Aspekte guter Unternehmensführung – dafür hat sich im Finanzwesen der Begriff der ESG-Kriterien etabliert – weiter in ihre Zeichnungsrichtlinien zu integrieren. 

Bekenntnis zur Mitverantwortung bei Bewältigung des Klimawandels

 

Der Ansatz orientiert sich an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen und dem Pariser Klimaschutzabkommen und enthält ein klares Bekenntnis zur Bedeutung des Klimawandels und der Mitverantwortung der Versicherungswirtschaft bei der Bewältigung seiner Folgen. „Wir bringen unser Know-how und unser wirtschaftliches Gewicht ein, um die Auswirkungen zu begrenzen und beherrschbar zu machen“, sagt Asmussen. Der Verband betont in diesem Kontext, dass die Versicherungswirtschaft schon heute über Lösungen zur Bewältigung des Klimawandels etwa bei der Versicherung von Anlagen zur Erzeugung alternativer Energien oder gegen Naturgefahren wie Starkregen und Überschwemmungen verfügt.

Nachhaltigkeitskriterien für die Schadenregulierung bis 2025

 

Als Teil der Lösung sollen nachhaltige Versicherungsprodukte ausgebaut werden. Dazu gehörten etwa Versicherungen, die Sharing-Konzepte unterstützen oder verstärkt auf die Reparatur eines defekten Gegenstands setzen anstelle eines Austauschs. Bis 2025 sollen die Unternehmen zunehmend solche Nachhaltigkeitskriterien in die Praxis der Schadenregulierung integrieren. Schon heute investierten viele Versicherer in Präventionsmaßnahmen. Das Angebot an Produkten für die Altersvorsorge, die auf einer nachhaltigen Kapitalanlage basieren, soll ebenfalls ausgebaut werden.

Auch die Versicherer selbst sollen grüner und nachhaltiger werden. Die Unternehmen verpflichten sich, bis 2025 ihre Geschäftsprozesse (etwa Bürogebäude oder Infrastruktur) klimaneutral auszurichten und – gerade auch in Führungspositionen – den Frauenanteil zu erhöhen. Laut GDV wird Nachhaltigkeit ein fester Bestandteil der Aufsichtsstrukturen in den Unternehmen.


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