28.10.2022 Branche

EZB legt nach: Leitzinsen steigen um 0,75 Prozentpunkte

Im Kampf gegen die Inflation hat die Europäische Zentralbank den Leitzins erneut kräftig angehoben. Der Hauptrefinanzierungssatz klettert auf 2,0 Prozent, der für Sparer wichtige Einlagenzins auf 1,5 Prozent. Die nächste Erhöhung scheint nur eine Frage der Zeit.

Die Europäische Zentralbank wurde 1998 als gemeinsame Währungsbehörde der Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion gegründet. (Foto: @ nmann77 - stock.adobe.com)
Die Europäische Zentralbank wurde 1998 als gemeinsame Währungsbehörde der Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion gegründet.
(Foto: @ nmann77 - stock.adobe.com)

Die Europäische Zentralbank (EZB) stemmt sich mit einer weiteren kräftigen Zinserhöhung um 0,75 Prozentpunkte gegen die Rekordinflation im Euroraum. Der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Geld bei der Notenbank leihen können, steigt damit auf 2,0 Prozent, wie die EZB vergangene Woche in Frankfurt mitteilte.

Geldpolitik dient nur noch der Inflationsbekämpfung

 

Der an den Finanzmärkten maßgebliche Einlagensatz wurde im selben Umfang auf nun 1,50 Prozent erhöht. Dies ist nach September die zweite große Zinserhöhung in Folge und insgesamt bereits der dritte Zinsschritt im laufenden Jahr. Mit ihrem abermaligen großen Zinsschritt reagieren die Währungshüter auf den anhaltenden Preisschub. Angetrieben von den steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen infolge des Ukraine-Kriegs ist die Inflationsrate im Oktober auf 10,7 Prozent geklettert - das höchste Niveau seit Gründung der Währungsunion. Sie liegt damit mehr als fünfmal so hoch wie das Inflationsziel der Notenbank von zwei Prozent, das sie als ideal für die Wirtschaft erachtet. Teil des Problems ist der schwache Euro, der die Preise für Rohstoffe, die in Dollar notiert werden, steigen lässt. Bekanntes Beispiel für solch eine importierte Inflation ist das Rohöl. Steigende Leitzinsen machen jedoch Anlagen im Euroraum attraktiver, das lässt wiederum die Nachfrage nach Euro und damit den Euro-Kurs steigen, so das Kalkül der Währungshüter bei ihrer Geldpolitik.

Weitere Zinserhöhungen möglich

 

Und damit nicht genug. EZB-Präsidentin Christine Lagarde signalisierte ihre Bereitschaft zu weiteren Zinserhöhungen auf einer Pressekonferenz in Frankfurt. Die EZB rechnet damit, dass sich die Wirtschaft der 19 Länder der Eurozone bis Anfang nächsten Jahres weiter abschwächen werde. Aus den jüngste Konjunkturdaten geht hervor, dass die Eurozone auch wegen der Schwäche ihrer größten Volkswirtschaft Deutschland auf eine Rezession zusteuert. So fiel der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft im Oktober und liegt nun deutlich unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Lagarde rief die Regierungen der Eurozone dazu auf, sich auch weiterhin um einen Abbau ihrer Staatsschulden zu bemühen. Die Regierungen sollten eine Finanzpolitik verfolgen, „die zeigt, dass sie die hohen staatlichen Schulden schrittweise reduzieren wollen.“ Sie plädierte gleichzeitig für Hilfen für die Schwachen, wenn auch befristet und gezielt.

GDV: Kritische Anmerkungen zu richtigem Schritt

 

Zur geldpolitischen Entscheidung der EZB erklärte der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Jörg Asmussen: „Die EZB hat im Moment keine leichten Entscheidungen mehr zu treffen: Wenn man zu spät mit dem Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik beginnt, braucht man große Zinsschritte, auch wenn dadurch die Wahrscheinlichkeit steigt, zu einer Rezession beizutragen. Da das primäre Mandat der EZB Preisstabilität ist, war dies heute ein richtiger Schritt, dem vermutlich ein weiterer in diesem Jahr folgen wird. Man sollte positiv feststellen, dass seit einigen Wochen die Inflationserwartungen im Euroraum sinken, aufgrund der schwachen Wachstumsaussichten und der jetzt klaren Orientierung der Geldpolitik an ihrem primären Ziel, der Inflationsbekämpfung. Das Sinken der Inflationserwartungen ist wichtig, um mittelfristig Preisniveaustabilität zu erreichen, hilft aber kurzfristig den Verbraucherinnen und Verbrauchern nichts.“


Weitere Artikel

Listing

10.04.2024 Branche

DAK: Pflegeversicherung wird teurer und steht vor dem Kipppunkt

Der DAK-Pflegereport 2024 zeichnet ein düsteres Szenario: Dem Pflegesystem in Deutschland mangelt es an Geld und Fachpersonal – und der Notstand wird sich weiter verschärfen.

> weiterlesen
Listing

09.04.2024 Branche

Großstädter haben wenig Lust auf Elektroautos

Eine Auswertung von Check24 zeigt: In den 20 einwohnerstärksten Städten Deutschlands sind im Schnitt weniger E-Autos gemeldet als im Rest der Republik. Nur vier Städte liegen darüber – eine davon deutlich.

> weiterlesen
Listing

04.04.2024 Branche

Autofahrer aufgepasst: Gefahr von Wildunfällen steigt

Mit dem Einzug des Frühlings wächst auch das Risiko von Wildunfällen auf deutschen Straßen. Besonders im April und Mai sollten Autofahrer ihre Aufmerksamkeit erhöhen, rät der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) – und gibt wertvolle Tipps, wie man sich in solchen Situationen richtig verhält.

> weiterlesen