13.05.2022 Sparten/Produkte

Gibt es dank Corona weniger Verkehrsrechtsstreitigkeiten?

Eine Umfrage von Roland Rechtsschutz zeigt, dass sich die Unfallhäufigkeit und daraus resultierende Rechtsstreitigkeiten in der Zeit der Pandemie praktisch nicht verändert haben. Indem sie Geschlecht bzw. politische Orientierung mit Unfällen in Beziehung setzt, scheint die Umfrage eher Klischees zu bedienen.

2021 nahm die Polizei 2,1 Millionen Unfälle auf. Auch wenn nur ein Bruchteil davon eine gerichtliche Auseinandersetzung nach sich zieht, gibt es keine Tendenz zu mehr Friedfertigkeit auf Deutschlands Straßen. (Foto: © gerasimov174 - stock.adobe.com)
2021 nahm die Polizei 2,1 Millionen Unfälle auf. Auch wenn nur ein Bruchteil davon eine gerichtliche Auseinandersetzung nach sich zieht, gibt es keine Tendenz zu mehr Friedfertigkeit auf Deutschlands Straßen.
(Foto: © gerasimov174 - stock.adobe.com)

Leere Straßen, staufreie Autobahnen: Selten kam man auf Deutschlands Straßen so gut voran wie in Pandemie-Zeiten, als sich ein Großteil der Arbeitnehmer im Homeoffice befand. Doch wie wirkte sich dieser Umstand auf die Unfallstatistiken aus? Und gab es in jüngerer Vergangenheit weniger Rechtsstreitigkeiten infolge von Verkehrsunfällen? Das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen YouGov-Umfrage im Auftrag des Rechtsschutzversicherers Roland.

Nur marginaler Rückgang bei Unfallbeteiligung

 

In den vergangenen fünf Jahren war jeder fünfte Deutsche (21 Prozent) mindestens einmal in einen Verkehrsunfall verwickelt. Das Risiko, als Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer in einen Unfall zu geraten, ist damit zumindest kurzfristig in der Pandemie-Zeit kaum zurückgegangen (2020: 22 Prozent, 2018: 23 Prozent, 2016: 26 Prozent). Männer trifft es dabei bedeutend häufiger als Frauen. Von den rund 2000 Befragten gaben 27 Prozent der Männer an, in der jüngeren Vergangenheit mindestens einen Unfall gehabt zu haben. Bei den Frauen waren es in dem Fünf-Jahres-Zeitraum nur 14 Prozent.

Jüngere immer häufiger, Ältere immer seltener verwickelt

 

Was die Unfallhäufigkeit im Altersvergleich betrifft, so zeigt sich, dass der Unterschied zwischen jüngeren und älteren Verkehrsteilnehmern deutlich zugenommen hat: Bei den unter 35-Jährigen gab mehr als ein Drittel (35 Prozent) an, in den vergangenen fünf Jahren mindestens einen Unfall im Straßenverkehr gehabt zu haben. Vor zwei Jahren waren es noch 27 Prozent. Bei den über 35-Jährigen gab es hingegen einen Rückgang der Unfallbeteiligung: Nur 16 Prozent gaben an, mindestens einmal in einen Verkehrsunfall verwickelt gewesen zu sein. Hier zeigt sich über die Jahre ein stetiger Rückgang (2020: 20 Prozent, 2018: 21 Prozent, 2016: 24 Prozent).

Auch Bußgeld-Delike gingen nicht zurück

 

Stress im Straßenverkehr resultiert jedoch nicht unbedingt nur aus Unfällen. Knapp jeder zweite Deutsche (45 Prozent) musste in den vergangenen fünf Jahren wegen eines Verkehrsdelikts ein Bußgeld zahlen. Bemerkenswert ist auch hier, dass die Zahl gegenüber der Umfrage 2020 unverändert ist. Die mit Abstand häufigsten Gründe für ein Bußgeld sind Geschwindigkeitsüberschreitungen (30 Prozent) und Falschparken (15 Prozent). Während der Unterschied zwischen Männern und Frauen in Sachen Tempoknöllchen vor zwei Jahren nur minimal war, zeigt sich in der aktuellen Studie, dass Männer mit 35 Prozent bedeutend mehr teure Fotos erhielten als Frauen (25 Prozent). Beim Falschparken sind hingegen kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu erkennen (15 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen).

Kein Corona-Effekt festzustellen

 

Dass ein Verkehrsunfall nicht nur ärgerlich und unter Umständen teuer ist, sondern auch vor Gericht enden kann, mussten 18 Prozent der Befragten bereits am eigenen Leib erfahren (2020: 18 Prozent, 2018: 13 Prozent). Hier zeigt sich nun, dass die Pandemie offenbar überhaupt keinen Einfluss auf die Häufigkeit von Rechtsstreitigkeiten hatte. Das passt zur konstanten Beteiligung der Befragten an Unfällen und kleineren Verstößen. Die eigentlich spannende Frage vermag die Umfrage indes nicht zu beantworten: Wieso nahm die Zahl der Unfälle trotz der erwiesenermaßen deutlich geringeren Mobilität nicht nennenswert ab?

Rechtsstreitigkeiten drehen sich meist um die Schuldfrage

 

Nur so viel: Männer landeten bedeutend häufiger vor dem Kadi als Frauen (23 zu 13 Prozent). Bei knapp der Hälfte aller Streitigkeiten (47 Prozent) ging es um die Schuldfrage, In 32 Prozent der Fälle um die Höhe des Schadens. Unverändert auf Platz drei liegt der Streit ums Schmerzensgeld – allerdings wurde dieser Konflikt mit 24 Prozent bedeutend häufiger genannt als in den Vorjahren. 69 Prozent der Befragten gaben an, dass der Rechtsstreit zu ihren Gunsten entschieden wurde, das sind etwas weniger als noch vor zwei Jahren (74 Prozent). Dabei ist auffällig: Ältere Personen gewinnen ihre Rechtsstreitigkeiten häufiger als junge. Von den unter 45-Jährigen hatten nur 55 Prozent vor Gericht Erfolg, bei den Personen über 45 Jahre waren es hingegen 76 Prozent.

Betrachtet man die politische Orientierung, so zeigt sich, dass 28 Prozent der AfD-Wähler schon einmal einen Rechtsstreit wegen eines Verkehrsunfalls geführt haben. Die friedlichsten Verkehrsteilnehmer sind der Umfrage zufolge die Grünen-Wähler (elf Prozent).


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