08.06.2022 Sparten/Produkte

Schaden- und Unfallversicherer: Assekurata erwartet schwieriges Jahr

Die Ratingagentur Assekurata prognostiziert für die Branche infolge von Ukraine-Krieg und hoher Inflation ein schwieriges Geschäftsjahr 2022. In der Wohngebäude- und Kfz-Versicherung dürften die Prämien deutlich steigen. Grund seien weiterhin hohe Elementarschäden und Kostensteigerungen.

Trotz inflationsbedingter Prämiensteigerungen erwartet Assekurata ein geringeres Beitragswachstum in der Sparte der Schaden- und Unfallversicherer als 2021. (Foto: © FM2- stock.adobe.com)
Trotz inflationsbedingter Prämiensteigerungen erwartet Assekurata ein geringeres Beitragswachstum in der Sparte der Schaden- und Unfallversicherer als 2021.
(Foto: © FM2- stock.adobe.com)

Ein Marktausblick für das aktuelle Jahr dürfte im Juni um einiges leichter zu geben sein als zu Beginn eines Jahres. Zwar ist es dann nur noch ein Ausblick mit begrenzter Reichweite, aber dafür einer, der auf validen Daten basiert bzw. basieren kann. Die Ratingagentur Assekurata ist nicht bekannt für wilde Prognosen, sondern für solides Zahlenwerk. Und so bezieht sich der erst jetzt veröffentlichte „Marktausblick Schaden-/Unfallversicherung“ vor allem auf Daten aus dem Jahr 2021 und dem ersten Quartal 2022.

Rückversicherung entlastet Erstversicherer spürbar

 

Bereits bekannt ist, dass die Jahresabschlüsse der Schaden- und Unfallversicherer 2021 insbesondere durch Elementarschadenereignisse wie die Flut im Ahrtal schwer belastet wurden. Zudem fielen schadendämpfende Effekte der Pandemiebekämpfung geringer aus als im Vorjahr. Davon sind die einzelnen Gesellschaften laut Assekurata allerdings sehr unterschiedlich betroffen. Das zeigten die Auswertungen der ersten veröffentlichten Geschäftsberichte. Es habe sich gezeigt, dass ein erheblicher Teil der Elementarschäden rückversichert ist. „Dies sorgt bei den Erstversicherern für deutliche Entlastung, dürfte mittelfristig aber Auswirkungen auf den Preis des Rückversicherungsschutzes haben“, erwartet Dr. Reiner Will, Geschäftsführer der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH.

Ertmals versicherungstechnischer Verlust seit 2013

 

Bei den Beiträgen konnte die Branche ihren Wachstumskurs fortsetzen, wenngleich die Einnahmen mit 2,2 Prozent etwas geringer anstiegen als im Mittel der vergangenen zehn Jahre (2,9 Prozent). Gleichzeitig stiegen die Versicherungsleistungen deutlich von 51,3 auf 62,3 Milliarden Euro an. Folgerichtig erhöhte sich auch die kombinierte Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) von 90,7 auf rund 102 Prozent und bescherte der Branche 2021 mit rund 1,5 Milliarden Euro den ersten versicherungstechnischen Verlust seit 2013.

Beim Blick auf die Versicherungsarten zeigt sich, dass insbesondere die Wohngebäudeversicherung unter einer hohen Elementarschadenlast zu leiden hatte, während die Kraftfahrtversicherung trotz einer ebenfalls hohen Schadenlast noch ertragreich war. „Die Kraftfahrtversicherung profitierte vor allem von der geringeren Schadenbelastung in der Haftpflicht, welche vornehmlich auf die Pandemie zurückzuführen ist“, sagt Dennis Wittkamp, Fachkoordinator Schaden-/Unfallversicherung bei Assekurata und Autor der Untersuchung. In den Kaskosparten seien die Spuren der Unwetter jedoch auch deutlich zu erkennen.

Prämienanstiege in der Kfz- und Wohngebäudeversicherung

 

Bei der Kraftfahrtversicherung sei vor diesem Hintergrund ein Anstieg der Prämien zu erwarten. „Die Schadenentwicklung in den Kaskosparten hat sich schon Anfang 2022 in leicht erhöhten Prämien niedergeschlagen. Zusätzlich dürfte die Inflation bei Ersatzteilen, die in der Regel nochmals deutlich oberhalb der normalen Inflation liegt, die Schadenbelastung der Versicherer weiter steigen lassen und somit Prämienerhöhungen am Jahresende erfordern“, so Wittkamp. Zusätzlich dürfte sich die Wachstumsdynamik der vergangenen Jahre 2022 im Zuge zurückgehender Neuzulassungen und Besitzumschreibungen deutlich abschwächen.

Steigende Prämien seien auch in der Wohngebäudeversicherung zu erwarten. „Hier wirkt insbesondere die Inflation im Baugewerbe über den Baupreisindex unmittelbar auf die zu zahlende Prämie. Somit dürfte es im laufenden und wohl auch im kommenden Jahr deutlich teurer für die Kunden werden“, sagt Assekurata-Chef Will. „Zusätzlich haben bereits im ersten Quartal 2022 Sturmereignisse für vergleichsweise hohe Schäden gesorgt. Das Gesamtjahr könnte also erneut eine hohe Schadenlast mit sich bringen, was den Druck auf die Prämien zusätzlich erhöhen würde.“

Schwierige Prognose bei Elementarschadenversicherung

 

Assekurata erwartet zudem, dass die Versicherer bei den Vertragsabschlüssen deutlicher wachsen als in der Vergangenheit. Will: „Die Unwetter und das mediale Echo haben das Thema Absicherung des eigenen Wohngebäudes gegen Elementarrisiken stärker ins Bewusstsein der Menschen gebracht.“ Zuletzt veröffentlichte GDV-Zahlen zeigten jedoch, dass die kurzfristig deutliche Zunahme von Neuabschlüssen nach der Flutkatastrophe sich bereits Ende 2021 wieder stark abgeschwächt hatte. Überdies steht die Elementarschadenversicherung vor gravierenden Veränderungen, da unlängst die Bundesländer eine Versicherungspflicht befürworteten. Auf diesen Punkt geht die Untersuchung allerdings nicht ein. Die Assekurata-Prognose muss an dieser Stelle also mit einem Fragezeichen versehen werden.

Fazit: Viele Unsicherheitsfaktoren und geringeres Beitragswachstum

 

Insgesamt stellt das laufende Jahr die deutschen Schaden- und Unfallversicherer aus Sicht von Assekurata vor zahlreiche Herausforderungen. Die Ratingagentur nennt hier vorrangig die Pandemie, den Krieg in der Ukraine, steigende Zinsen und die Inflation. „Die hohe Unsicherheit für die Unternehmen ergibt sich insbesondere daraus, dass die verschiedenen Einflussfaktoren zum Teil in Abhängigkeit zueinanderstehen, teilweise aber auch gegenläufige Auswirkungen haben“, erklärt Wittkamp. Der weitere Geschäftsverlauf werde maßgeblich auch davon abhängen, in welcher Form und wie schnell sich die gesamtwirtschaftliche Situation wieder normalisiert.

Assekurata rechnet für 2022 mit einem marktweiten Beitragswachstum unterhalb der 2,2 Prozent aus dem Jahr 2021. Aus Ertragssicht dürfte 2022 erneut herausfordernd werden. „Die Inflation wird die Schadenkosten unabhängig von der Schadenhäufigkeit deutlich in die Höhe treiben. Sollte diese Entwicklung auch noch auf eine hohe Elementarschadenbelastung treffen, könnte der Branche erneut ein schwieriges Jahr bevorstehen“, so Wittkamp.


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