26.10.2022 Sparten/Produkte

Wie es um die Gewerbeversicherung bei Kleinunternehmen steht

Inflation und Energiekosten sind laut einer aktuellen Befragung für Gewerbetreibende mittlerweile die Top-Themen. Trotz wachsender Sorgen sind die Geschäfts­erwar­tungen bei vielen noch positiv. Der Report bescheinigt den Unternehmen Wissens­lücken bei ihrem Absicherungsbedarf. Tatsächlich hat den aber nur eine Minderheit.

Viele Selbstständige müssen in der Krise Kreativität und Flexibilität beweisen, um geschäftlich zu überleben. (Foto: Andrea Piacquadio/Pexels)
Viele Selbstständige müssen in der Krise Kreativität und Flexibilität beweisen, um geschäftlich zu überleben.
(Foto: Andrea Piacquadio/Pexels)

Viele Kleinst- und Kleinunternehmer haben deutliche Wissensdefizite, wenn es um die Absicherung des eigenen Gewerbes geht. Diese Schlussfolgerung ziehen zumindest die Auftraggeber des dritten „Report Gewerbeversicherung 2022“. Dafür befragte das Marktforschungsunternehmens Consumerfieldwork im Auftrag des Online-Maklers Finanzchef 24 und des Digitalversicherers Andsafe 654 Unternehmen.

Wissensdefizit bei Gewerbeversicherungen?

 

In Zeiten großer Veränderungsdynamik müssten sich die Unternehmen neues Wissen aneignen, wie sie sich und ihre Betriebe adäquat schützen können. Doch welche Absicherungsmöglichkeiten es in der Gewerbeversicherung gibt, ist laut Studie vielen Unternehmern nicht klar. „Diese Unkenntnis führt ins Risiko. Ein Großteil der Selbstständigen ist kaum aufgeklärt und riskiert täglich seine finanzielle Existenz und Unabhängigkeit durch Nichtwissen“, sagt Christian Buschkotte, Managing Director bei der Andsafe AG, die eine Tochter des Provinzial-Konzerns ist. Gerade Kleinst- und Kleinunternehmer, die von ihrer Agilität leben und versuchen ihren Wirkradius zu vergrößern, um wirtschaftlich zu überleben, seien von wachsenden Risiken betroffen.

Eine nachvollziehbare Analyse. Doch was zagen die Zahlen? Nach der Befragung sieht mehr als jeder Vierte (27 Prozent) erhebliche Lücken. 39 Prozent beurteilen ihr eigenes Wissen diesbezüglich als befriedigend und 34 Prozent bezeichnen ihre Kenntnisse als sehr gut oder als gut. Darüber hinaus kann die Tatsache, dass 73 Prozent der Befragten ihr Wissen als mindestens befriedigend bewerten, die aufgestellte These über fehlende Kenntnisse bei Absicherungsmöglichkeiten in der Gewerbeversicherung nicht bestätigen. Sie erfüllt vermutlich eher die Interessen der Auftraggeber, die mit Gewerbeversicherungen ihr Geld verdienen.

Krise bringt viele Beratungsansätze für Vermittler

 

Dennoch liefert der Report interessante Erkenntnisse, die vor allem Vermittlern Ansatzpunkte für ihre Arbeit liefern. Zum Beispiel würden sich durch die Nutzung von Social-Media-Plattformen oder dem Aufbau eigener Websites neue Risiken ergeben. Sobald Unternehmer Texte und Bilder aus dem Netz herunterladen, um sie für eigene Zwecke zu verwenden, könnten bewusste oder unbewusste Urheberrechtsverletzungen drohen. Daher sollten Unternehmer darauf achten, dass entsprechende Unterlassungs- und Schadensersatzforderungen – etwa im Rahmen einer Vermögensschadenhaftpflichtversicherung – mitversichert sind. Steigende Preise für Rohstoffe und verarbeitete Materialien haben insbesondere bei Handwerksbetrieben und auf Baustellen vermehrten Einbruch und Diebstahl zur Folge. Die Erhöhung der Lagerbestände verschärft diese Situation zusätzlich. Auch hier gibt es laut Studie Beratungsbedarf für passende Absicherungslösungen. Die derzeit hohe Inflation führt außerdem zu höheren Wiederbeschaffungswerten bei Waren, Vorräten und Betriebseinrichtung, durch die Leistungslücken entstehen könnten, wenn die vereinbarte Versicherungssumme nicht adäquat die versicherten Werte deckt. Dynamische Summenanpassungen in den Tarifen der Inhaltsversicherung schaffen laut Studie Sicherheit für die Unternehmen.

Diffuses Bild bei den Geschäftserwartungen

 

Überdies vermittelt der Report einen Einblick in die Stimmung der Branche, die branchenabhängig unterschiedlich sei. „Viele kleine Unternehmer und Unternehmerinnen eint allerdings eine neue Entschlossenheit und Agilität, nachdem sie sich von der Regierung während der Corona-Krise kaum gesehen oder alleingelassen gefühlt haben“, sagt Payam Rezvanian, CMO bei der Finanzchef 24 GmbH. Laut Umfrage beurteilen zwölf Prozent die mittelfristige Geschäftsentwicklung als sehr gut, 37 Prozent erwarten auf Jahressicht eine gute Geschäftsentwicklung, 30 Prozent sind unentschlossen. Mehr als jeder fünfte Kleinst- und Kleinunternehmer hat jedoch nur eine ausreichende oder sehr schlechte persönliche Konjunkturerwartung. Am stärksten betroffen von dieser pessimistischen Erwartungshaltung ist der Handel. Deutlich besser sieht es auf dem Bau bzw. im Handwerk aus.

Inflation das vorherrschende Thema

 

72 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Inflation das wichtigste geschäftsbestimmende Thema in den nächsten zwölf Monaten sein wird. Beim letzten Report zum Jahreswechsel 2021/22 hatten lediglich 29 Prozent die Inflation auf dem Radar. Dazu passend glauben auch 68 Prozent der Befragten, dass höhere Energiepreise ihre Geschäftsentwicklung auf Jahressicht beeinflussen werden. 41 Prozent erwarten zudem sinkende Konsumausgaben, die auf den Umsatz schlagen. „Selbst wenn ein Kleinst- oder Kleinunternehmer weniger Energie benötigt als die Industrie, so fressen die horrenden Energiepreise die ohnehin schmalen Margen. Die Kombination mit gleichzeitig nachlassender Nachfrage könnte für einige existenzbedrohlich werden“, so Rezvanian.

Fachkräftemangel gewinnt an Bedeutung, Corona-Sorgen nehmen ab

 

Nicht mehr ganz so wichtig wie im Vorjahr stufen die Befragten die Corona-Pandemie ein. War Covid-19 im Jahr 2021 für 64 Prozent das bestimmende Top-Thema, gehen im Herbst 2022 noch 47 Prozent der Befragten davon aus, dass ihr Geschäft unter der Pandemie leidet oder für einen weiteren Schub sorgt – je nach Branche. Rezvanian: „Corona bleibt für immerhin knapp die Hälfte relevant.“ 35 Prozent der Befragten gehen zudem weiter davon aus, dass sich Lieferprobleme auf den Geschäftsbetrieb auswirken. Der Fachkräftemangel rangiert aktuell mit 34 Prozent im Mittelfeld der geschäftsbeeinflussenden Faktoren. Gegenüber dem Vorjahr hat sich das Thema damit noch einmal zugespitzt, spielte es 2021 nur für 27 Prozent der Befragten eine Rolle. Ebenfalls im Mittelfeld der Themen zu finden, sind ökologische beziehungsweise Nachhaltigkeitsthemen für 32 Prozent der Befragten.

Quelle: Report Gewerbeversicherung 2022
Quelle: Report Gewerbeversicherung 2022

Weitere Artikel

Listing

23.11.2022 Sparten/Produkte

Geschäftsinhaltsversicherung: Rating zeigt klaren Leistungssprung

Ein aktuelles Rating zeigt die postive Entwicklung der Deckungsumfänge von Geschäftsinhaltspolicen bei kleinen und mittleren Betrieben. Kleine Anbieter schlagen sich dabei auffallend gut. Die Badische Versicherung erobert im Tarifvergleich dieses Jahr den Spitzenplatz.

> weiterlesen
Listing

09.11.2022 Sparten/Produkte

Kfz-Typklassen: E-Autos haben häufig günstigere Einstufung

Unfälle mit Elektroautos verursachen weniger oder weniger teure Schäden als ihre Schwestermodelle mit Diesel- oder Benzinmotoren, im Durchschnitt um zehn bis 15 Prozent. Das hat für die meisten Modelle positive Folgen für die Typklassen­einstufung, wie eine GDV-Untersuchung zeigt.

> weiterlesen
Listing

04.11.2022 Sparten/Produkte

Rating: Das sind die besten Kfz-Tarife 2022

38 Tarife von 35 Gesellschaften erreichen im diesjährigen Kfz-Rating von Franke und Bornberg die Bestnote. Ein Ergebnis fast wie im Vorjahr. Dabei hat sich der Kriterienkatalog durch das Thema E-Mobilität durchaus verändert. Die Analysten sehen als Markttrend eine immer stärkere Tarif-Differenzierung.

> weiterlesen