13.05.2022 Sparten/Produkte

Studie: Mehr als die Hälfte der Deutschen fürchtet Altersarmut

Die Angst, im Alter zu wenig Geld zu haben, ist nach wie vor groß. Bei vielen ist die Sorge allerdings unbegründet. Betroffene wünschen sich vor allem staatliche Zuschüsse. Die sind jedoch dringend reformbedürftig, so das Resümee einer aktuellen DIVA-Studie.

Horrorszenario Altersarmut: Vor allem bei Frauen sind finanzielle Zukunftsängste besonders ausgeprägt. Einen Teil der Sorgen kann der Staat mit einer intelligenten Förderpolitik mindern. (Foto: Daniel Fuhr - stock.adobe.com)
Horrorszenario Altersarmut: Vor allem bei Frauen sind finanzielle Zukunftsängste besonders ausgeprägt. Einen Teil der Sorgen kann der Staat mit einer intelligenten Förderpolitik mindern.
(Foto: Daniel Fuhr - stock.adobe.com)

Sie ist seit Jahrzehnten ein politischer Dauerbrenner: Die drohende Rentenlücke im Alter. Sicher ist, dass kommende Generationen sich nicht mehr auf eine auskömmliche gesetzliche Rente verlassen können. Schuld daran ist nicht zuletzt die demografische Entwicklung. Immer weniger Erwerbstätige müssen immer mehr Rentner finanzieren. Damit stößt das über viele Generationen erfolgreiche Umlagesystem langsam an seine Grenzen. Mit diversen Maßnahmen wie Steuerfreibeträgen für die private Altersvorsorge, staatlichen Förderprodukten (Riester, Rürup) und einer gesetzlichen Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) versucht der Gesetzgeber gegenzuhalten. Doch bei der Bevölkerung schaffen diese Bemühungen offenbar wenig Vertrauen in die eigene finanzielle Zukunft.

Diskrepanz zwischen „gefühlter“ und echter Vorsorgelücke

 

Das bestätigt auch eine aktuelle Altersvorsorge-Befragung des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA). Demnach befürchtet die Mehrheit der Bürger (60 Prozent), im Alter von Armut betroffen zu sein. Prof. Dr. Michael Heuser, Wissenschaftlicher Leiter des DIVA, überrascht dieser hohe Wert nicht: „Zwar kommen wissenschaftliche Prognosen zu dem Ergebnis, dass der Anteil der armutsgefährdeten älteren Menschen in Deutschland auch langfristig nicht über 15 Prozent liegen wird.“ Viele Menschen würden bei ihrer Altersvorsorge jedoch allein an die gesetzliche Rente denken. „Und die wird in der Tat kaum mehr reichen“, so Heuser.

Kassensturz als finanzielle Erstmaßnahme

 

Aufgrund dieser offenbar weit verbreiteten Fehleinschätzung in Sachen Rente, müssten die Menschen „ein stärkeres Bewusstsein dafür entwickeln, welche zusätzliche Einnahmen im Alter zur Verfügung stehen können“, so Heuser. Der Experte nennt hier beispielsweise Einnahmen aus Privatrenten und Erbschaften. „Zudem fallen einige Ausgaben im Alter weg.“  Ihm sei es insbesondere wichtig, dass das Projekt „säulenübergreifende Renteninformation“ endlich in der Breite eingeführt werde. Ähnlich sieht es auch der DIVA-Geschäftsführer und Vorsitzende des Trägervereins, des Bundesverbands Deutscher Vermögensberater, Dr. Helge Lach: „Die Hochrechnung der Gesamteinnahmen und -ausgaben im Alter ist komplex und muss frühzeitig angepackt werden.“

Frauen pessimistisch, Zulagen begehrt

 

Zudem zeigt die Studie, dass bei Frauen die Sorge vor Altersarmut mit 66,2 Prozent weit höher ist als bei Männern (53,9 Prozent). Auch das überrascht Heuser nicht: „Die Diskrepanz ist plausibel. Denn Frauen erhalten aufgrund anderer Erwerbsbiografien im Schnitt ca. 30 Prozent weniger monatliche staatliche Rente.“ Zudem sei ihr Vorsorgebedarf auch wegen ihrer drei bis fünf Jahre höheren Lebenserwartung größer als bei Männern.

Fragt man die Bürger danach, was für sie bei der privaten Vorsorge sehr wichtig oder wichtig ist, liegen garantierte Leistungen und staatliche Förderung mit jeweils knapp 80 Prozent der Nennungen ganz vorne. Dazu Heuser: „Es ist nachvollziehbar, dass sich die Bürger für das Alter fixe, also garantierte Einnahmen wünschen. Auch die Ausgaben sind ja überwiegend fix. Garantieprodukte bringen aber derzeit keine Rendite. Staatliche Förderung kann hier quasi wie ein Zinsersatz wirken, um die ausbleibende Rendite aus der Geldanlage auszugleichen.“ Vor die Wahl zwischen Steuervorteilen wie zum Beispiel der Abzugsfähigkeit von Vorsorgeaufwendungen und Zulagen nach dem Riester-Modell gestellt, spricht sich mehr als die Hälfte der befragten Bürger für die Zulagen aus, rund zwanzig Prozent für Steuervorteile. 

Verband fordert Reformen

 

„Die Ergebnisse zeigen erneut, dass die Idee des Riester-Sparens mit Zulagen bei den Menschen ankommt“, so BDV-Chef Lach. „Gerade Geringverdiener profitieren, und zwar zweifach. Denn sie erhalten mit deutlich niedrigeren monatlichen Beiträgen die gleichen Zulagen wie Sparer mit höheren Einkommen.“ Zudem seien viele nicht steuerpflichtig und würden somit von einer Förderung gar nicht profitieren. „Die hartnäckige Forderung an die Politik, endlich das Riester-Sparen zu reformieren, ist deshalb richtig. Die Zeit drängt. Private Vorsorge ist gerade bei niedrigen Zinsen und hoher Inflation wichtiger denn je“, so Lach. 


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