Exklusiv 30.05.2022 Studien | Tests

EU-Versicherung: Günstiger Schutz für die Arbeitskraft

Wer sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht leisten kann, hat mit einer preiswerteren Erwerbsunfähigkeitspolice immerhin einen Basisschutz. FOCUS-MONEY-Versicherungsprofi vergleicht die Prämien attraktiver Tarife.

Existenzieller Rückhalt: Wer sich privat gegen Erwerbsunfähigkeit versichert, muss bei Verlust seiner Arbeitskraft nicht nur von der mageren staatlichen Rente leben. (Foto: © Coloures-Pic - stock.adobe.com)
Existenzieller Rückhalt: Wer sich privat gegen Erwerbsunfähigkeit versichert, muss bei Verlust seiner Arbeitskraft nicht nur von der mageren staatlichen Rente leben.
(Foto: © Coloures-Pic - stock.adobe.com)

Im Vergleich deutlich niedrigere Prämien.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) gilt beim Schutz der Arbeitskraft als höchste Absicherungsform. Doch für viele Arbeitnehmer sind die Beiträge zu teuer. Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU) ist zwar nicht so umfassend, aber deutlich preiswerter. Das zeigt der Vergleich der günstigsten EU-Policen im FOCUS-MONEY-Versicherungsprofi. Dabei weisen viele Tarife eine „ausgezeichnete“ oder „sehr gute“ Bewertung auf. Abstriche bei der Leistungsfähigkeit müssen die Kunden also nicht machen. Verglichen mit einer BU, kann sich ein Dachdecker im Durchschnitt für ein Drittel des Beitrags und eine Textilverkäuferin für die Hälfte des Beitrags versichern. Beim Bankkaufmann gibt es zwar nicht so große Preisunterschiede, aber mit Vorerkrankungen sieht das schon wesentlich anders aus.

Die unterschätzte Alternative.

Der Markt für EU-Policen zeigt sich jedoch noch immer zurückhaltend, so die Rating-Agentur Morgen & Morgen. Einige Versicherer hätten ihre EU-Tarife sogar für das Neugeschäft geschlossen. Der Vertrieb nehme die Produkte nicht an, lautet häufig die Begründung für solche Entscheidungen. „Die Erwerbsunfähigkeit ist nach wie vor als einzige echte Alternative zur Berufsunfähigkeit weit unterschätzt“, sagt Andreas Ludwig, Bereichsleiter Rating und Analyse bei Morgen & Morgen. Auch wenn der Markt recht überschaubar sei, seien die wenigen Tarife jedoch sehr gut, meint der Fachmann.

Nur wenig Rente vom Staat.

Ob BU oder EU: Die Absicherung der eigenen Arbeitskraft wird von vielen vernachlässigt, weil sie sich dabei vor allem auf staatliche Leistungen verlassen. Diese fließen aber nur unter strengen Voraussetzungen – und sie fallen äußerst mager aus. Die volle staatliche Erwerbsminderungsrente betrug im Jahr 2020 im Durchschnitt 886 Euro monatlich, die halbe Erwerbsminderungsrente 636 Euro. Die halbe Rente gibt es, wenn der Betroffene noch zwischen drei und sechs Stunden am Tag arbeiten kann. Dabei gibt es viele Ursachen, die es Menschen unmöglich machen, ihre berufliche Tätigkeit weiter auszuüben. Sei es infolge eines Unfalls, einer körperlichen Erkrankung oder wegen psychischer Probleme: Jeder Fünfte muss seinen Beruf vor Erreichen des Rentenalters aufgeben. Die häufigsten Gründe bei Männern und Frauen sind Erkrankungen der Psyche und des Bewegungsapparates sowie Krebs.

Existenziell wichtiger Basisschutz.

Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung deckt das Risiko ab, dass ein Versicherter etwa durch einen Unfall oder eine Krankheit so schwer beeinträchtigt ist, dass es ihm überhaupt nicht mehr möglich ist, einer Beschäftigung nachzugehen. Üblicherweise richten sich die Versicherer hier nach den gesetzlichen Regelungen zur Erwerbsminderungsrente. Der Versicherungsnehmer erhält die vereinbarte Rente ab sechs Monaten voraussichtlicher Beeinträchtigung. Erwerbsunfähig zu sein, bedeutet de jure: Die Person kann aus gesundheitlichen Gründen keine drei Stunden täglich mehr arbeiten. Dies bezieht sich nicht nur auf den aktuellen Beruf, sondern es sind alle am allgemeinen Arbeitsmarkt üblichen und auch selbstständige Tätigkeiten gemeint.

Analysten nehmen Bedingungen ins Visier.

Für den Produktvergleich hat FOCUS-MONEY-Versicherungsprofi ein aktuelles Rating von Morgen & Morgen genutzt, das die Tarife anhand von 24 Fragen rund um die Versicherungsbedingungen bewertet. Sie beziehen sich auf Sachverhalte und Produkteigenschaften, die die Experten als wesentlich für die Bedingungsqualität ansehen. Insgesamt bewerteten die Analysten 17 Tarife, wobei sie 13 mit „ausgezeichnet“ oder „sehr gut“ beurteilten.
 
Die Ranglisten basieren auf Berechnungen des FOCUS-MONEY-Versicherungsprofi für drei verschiedene Musterfälle: einen Dachdecker, eine Textilverkäuferin und einen Bankkaufmann. Sie sind jeweils 35 Jahre alt sind und wollen bis zum 65. Lebensjahr eine monatliche Rente in Höhe von 2000 oder 1500 Euro versichern.

Preiswerteste Prämien für beste Produkte.

Die besten Angebote für den Dachdecker machen die Versicherer Swiss Life, Europa, Hannoversche und Continentale – und auch das Rating stimmt bei diesen Tarifen. Rund 100 Euro monatlich muss der Handwerker für die Absicherung seiner Arbeitskraft ausgeben. Unter Berücksichtigung des Ratings kommen für die Textilverkäuferin die besten Angebote von Zurich, Europa und Continentale. Sie liegen zwischen 55 und gut 60 Euro. WWK ist mit weniger als 50 Euro im Monat das preiswerteste Angebot, schneidet aber im Rating nur durchschnittlich ab. Für den Bankkaufmann kommen die günstigsten und am besten bewerteten Angebote von Dialog und Zurich für unter 55 Euro im Monat.
 
Fazit: Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist für all diejenigen eine gute und günstige Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung, die ihre Existenz grundlegend gegen Schicksalsschläge absichern wollen.

Die besten Erwerbsunfähigkeitsversicherungen

Versichert ist ein 35-jähriger Dachdecker mit einer monatlichen Rente von 2000 Euro. Er ist zu 100 Prozent körperlich tätig und hat keine Personalverantwortung, sein Body-Mass-Index (BMI) ist optimal und er ist Nichtraucher. Die Police läuft bis zum 65. Lebensjahr. Die Rangliste zeigt je Versicherer den günstigsten Tarif. Diese müssen mindestens mit drei Sternen von Morgen & Morgen bewertet sein. Das Ranking erfolgte nach dem monatlichen Zahlbeitrag.

Versichert ist eine 35-jährige Textilverkäuferin mit einer monatlichen Rente von 1500 Euro. Sie ist zu 100 Prozent körperlich tätig und hat keine Personalverantwortung, ihr BMI ist optimal und sie ist Nichtraucherin. Die Police läuft bis zum 65. Lebensjahr. Weitere Kriterien wie oben.

Versichert ist ein 35-jähriger Bankkaufmann mit einer monatlichen Rente von 2000 Euro. Er arbeitet zu 100 Prozent im Büro und hat keine Personalverantwortung, sein BMI ist optimal und er ist Nichtraucher. Die Police läuft bis zum 65. Lebensjahr. Weitere Kriterien wie oben.


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