Exklusiv 13.06.2022 Studien | Tests

Kfz-Versicherung: Vorsichtig fahren, Beiträge sparen

Ob Jung oder Alt – Kfz-Versicherer belohnen einen sicherheitsorientierten Fahrstil mit kräftigen Nachlässen bei der Prämie. FOCUS-MONEY-Versicherungsprofi unterzieht die Telematik-Tarife einem Vergleich.

Bei Telematik-Tarifen messen Versicherer das Fahrverhalten ihrer Kunden und errechnen daraus die mögliche Beitragsersparnis. Üblicherweise wird hierzu eine App auf dem Smartphone installiert. (Foto: SplitShire/Pixabay)
Bei Telematik-Tarifen messen Versicherer das Fahrverhalten ihrer Kunden und errechnen daraus die mögliche Beitragsersparnis. Üblicherweise wird hierzu eine App auf dem Smartphone installiert.
(Foto: SplitShire/Pixabay)

Mehrere Hundert Euro Einsparpotenzial.

Fahranfänger zwischen 18 und 20 Jahren sind besonders gefährdet: Ihr Unfallrisiko mit Personenschäden ist dreimal so hoch wie das von 45- bis 64-jährigen Fahrern, ermittelte der Branchenverband GDV. Die Folge sind hohe Beiträge in der Kfz-Versicherung, die mehr als 1000 Euro im Jahr für ein Gebrauchtfahrzeug erreichen können. Doch wenn man Telematik-Tarife nutzt, sind deutliche Einsparungen von mehreren Hundert Euro möglich. Das Prinzip: Der Kunde kann durch seinen Fahrstil selbst seine Prämie beeinflussen. Es kommt auf Geschwindigkeit und Beschleunigung, Bremsverhalten, Kurvenmanöver und mehr an.

Studie belegt Interesse bei Autofahrern.

Die Versicherten erhalten durch die Technologie einen unmittelbaren Eindruck von ihrem Fahrstil und können so Einfluss nehmen. Durch finanziellen Anreiz das Fahrverhalten zu kontrollieren und zu verbessern – daran sind viele Kunden interessiert. So ist eine knappe Mehrheit der Autofahrer (56 Prozent) der Meinung, dass Daten, die über ihr Fahrverhalten gespeichert werden, dazu geeignet sind, ihr Unfallrisiko einzuschätzen und eine Einordnung in eine bestimmte Tarifklasse vorzunehmen. Das geht aus einer Studie der Verbraucherzentrale NRW zum Thema Connected Car hervor. Jeweils 57 Prozent der Befragten wären bereit, ihre Daten mit der Kfz-Versicherung zu teilen, wenn dies zur Erhöhung der Sicherheit im Straßenverkehr beitragen würde oder wenn sie dadurch bessere Konditionen erhalten könnten.

Versicherer setzen auf Telematik-Apps.

Der FOCUS-MONEY-Versicherungsprofi hat die Anbieter nach ihren Konzepten gefragt und gibt einen Überblick. Die meisten Versicherer setzen auf eine App, die auf dem Smartphone des Fahrers installiert wird, sowie einen Sensor, der leicht und ohne Werkstattbesuch im Auto montiert ist. Nur Ergo und LVM arbeiten ausschließlich mit einer App.

Für die Nutzung der Telematik-Tarife gibt es unterschiedliche Voraussetzungen. Bei der LVM etwa ist eine Fahraufzeichnung von mindestens 250 Kilometern pro Quartal notwendig. Die Ergo und die DEVK erwarten eine Mindestfahrleistung von 5000 aufgezeichneten Kilometern im Jahr. Bei der Versicherungskammer Bayern reichen 1000 Kilometer aus. Bei der Allianz müssen grundsätzlich alle Fahrten aufgezeichnet werden. Voraussetzung für eine Monatswertung sind mindestens zehn Tageswertungen im jeweiligen Monat. Das gilt auch für den ADAC-Tarif.

So berechnet der ADAC den Fahrer-Score.

Die Versicherer bewerten das Fahrverhalten individuell und errechnen daraus einen Score. Dabei legen sie unterschiedliche Kriterien und Gewichtungen fest. Beispiel ADAC-Tarif: Zur Ermittlung des Extra-Bonus werden Bremsverhalten, Beschleunigungsverhalten, Kurvenverhalten, Geschwindigkeit und Routenkriterien wie Wochentag, Tageszeit oder Straßenart eine Rolle. Den höchsten Einfluss hat das Bremsverhalten mit 30 Prozent. Beschleunigungsvorgänge, Kurven und Routenkriterien machen jeweils 20 Prozent aus, die Geschwindigkeit hat zehn Prozent Gewicht.

Für den Vergleich der Tarife hat FOCUS-MONEY-Versicherungsprofi eine 20 Jahre alte Fahrerin aus Hamburg auf die Strecke geschickt. Sie legt jährlich 9000 Kilometer zurück und parkt ihren Fiat 500 auf der Straße. Die Anbieter konnten bis zu drei Tarife in die Berechnung einbeziehen. Sie unterscheiden sich durch ihre Leistungsfähigkeit.

Von hohen Rabatten nicht blenden lassen.

Der Vergleich zeigt, dass die Versicherer mit den höchstmöglichen Rabatten nicht unbedingt die günstigsten Telematik-Tarife bieten. So bewegen sich die Tarife der Versicherungskammer Bayern und ihrer Konzerngesellschaften mit 521 und 529 Euro Jahresbeitrag bei optimalem Fahrstil nur im Mittelfeld, obwohl prozentual 45 Prozent Ersparnis gegenüber dem Tarif ohne Telematik drin sind. Das gilt auch für den „Smart-Werkstatt-Tarif“ der Ergo mit 618 Euro Jahresbeitrag und einem maximal möglichen Nachlass von 38 Prozent. Die günstigsten Tarife für die junge Fahrerin bei optimalem Fahrstil kommen von VHV, HUK-Coburg, Allianz und ADAC. Der maximale Rabatt hier beträgt aber lediglich 30 Prozent. Da nur wenige Anbieter (Ergo, LVM und Versicherungskammer Bayern) die Nutzung auf ein Höchstalter begrenzen, können auch ältere Fahrer mit Telematik-Tarifen sparen.

Prämienerhöhung ausgeschlossen.

Unabhängig vom Fahrstil profitieren die Telematik-Kunden bereits im ersten Jahr von einem günstigeren Beitrag, da alle Gesellschaften einen Start-Bonus bieten. Am niedrigsten ist dieser mit fünf Prozent bei der HUK-Coburg und am höchsten mit 30 Prozent bei der Versicherungskammer Bayern. Ab dem zweiten Jahr richtet sich dann der Tarif nach dem individuellen Fahrverhalten. Bei der Ergo und der LVM gibt es einen dauerhaften Nachlass von zehn Prozent.

Alle Anbieter schließen aus, dass der Versicherungsbeitrag nachträglich durch einen schlechten Fahrstil höher ausfällt als zunächst vereinbart. Einige bieten sogar eine Art sanften Einstieg: Wer erst einmal nur sehen möchte, wie sein Fahrstil bewertet wird, kann das bei der ADAC Autoversicherung, der Allianz und der DEVK auch ohne Versicherungsvertrag ausprobieren.

Technik und Parameter: Telematik-Tarife im Vergleich

Die Kfz-Versicherer haben Telematik-Tarife ursprünglich für junge Fahrer entwickelt. Inzwischen gibt es aber nur noch bei wenigen Anbietern eine Altersbegrenzung. Für die Nutzung reichen eine App auf dem Smartphone und ein kleines Bauteil im Fahrzeug aus.

Sparen mit Telematik-Tarifen: So viel ist drin

Der Modellfall: Die 20-jährige Hanseatin (22393 Hamburg) ist kaufmännische Angestellte und hat seit zwei Jahren ihren Führerschein. Sie fährt 9000 Kilometer im Jahr, ist ledig, unfallfrei und hat Schadenfreiheitsklasse zwei. Ihr Fiat 500 1.2 51 kW ist sechs Jahre alt und parkt auf der Straße.

Der Versicherungsschutz: Haftpflicht plus Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung, Werkstatttarif möglich. Weitere Details wie Schutz bei grober Fahrlässigkeit ergeben sich aus den jeweiligen Tarifen, sind also nicht vorgegeben. Die Anbieter konnten bis zu drei Tarife angeben. Das Ranking erfolgt nach dem Beitrag bei optimalem Fahrstil.


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