23.08.2021 Studien | Tests

Schutz der Arbeitskraft: Günstiger Start bei voller BU-Rente

Der frühe Schutz der Arbeitskraft lohnt sich, kommt aber bei den meisten zu kurz. Dabei sind Berufsunfähigkeitsversicherungen für Einsteiger eine gute Basis, um junge Leute im Kundengespräch zu überzeugen. FOCUS-MONEY-Versicherungsprofi hat top geratete Tarife verglichen.

Wer schon zum Ausbildungsbeginn an das Risiko der Berufsunfähigkeit denkt, bekommt den wichtigen Schutz noch zu niedrigen Prämien. (Foto: © Karin & Uwe Annas - stock.adobe.com)
Wer schon zum Ausbildungsbeginn an das Risiko der Berufsunfähigkeit denkt, bekommt den wichtigen Schutz noch zu niedrigen Prämien.
(Foto: © Karin & Uwe Annas - stock.adobe.com)

Immer häufiger: Berufsunfähig, weil die Seele streikt.

Jeder Vierte muss seinen Beruf vor Erreichen des Rentenalters aufgeben. Ein Unfall, eine körperliche Erkrankung oder psychische Probleme können Gründe sein. Doch nur 26 Prozent der Beschäftigten in Deutschland haben eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abgeschlossen, zeigt eine aktuelle Umfrage der Nürnberger. Dabei könnten ohne ihr regelmäßiges Einkommen 48 Prozent der Erwerbstätigen gerade mal sechs Monate finanziell über die Runden kommen.

Das zeigt, wie wichtig eine BU-Police ist. Sie leistet, wenn der Versicherte seinen ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent aufgrund von Krankheit, Körperverletzung oder übermäßigem Kräfteverfall nicht mehr ausüben kann. Für die Einschätzung ist ein Prognosezeitraum von einem halben Jahr üblich. Am häufigsten führen psychische Krankheiten und Verhaltensstörungen zur Diagnose berufsunfähig, fand die Regulierungspraxis-Analyse der Rating-Agentur Franke und Bornberg heraus. Der Anteil dieser Fälle stieg jüngst von 27 auf 28 Prozent.

Magere Rente für Erwerbsgeminderte.

Der Staat lässt die allermeisten Beschäftigten im Regen stehen. Der Beruf spielt bei der Absicherung durch die Rentenversicherung nur für diejenigen eine Rolle, die vor 1961 geboren wurden. Jüngere Jahrgänge können allenfalls auf eine sehr geringe Erwerbsminderungsrente hoffen. Für sie gilt zunächst: Wer seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, muss sich eine andere, leichtere und meist auch schlechter bezahlte Tätigkeit suchen – ganz gleich, ob sie dem eigenen Leistungsniveau und Sozialstatus entspricht oder nicht. Nur wer, unabhängig vom bisherigen Beruf, keine drei Stunden täglich mehr arbeiten kann, erhält die volle Erwerbsminderungsrente.

Einsteigertarife: BU-Schutz schon für kleines Geld.

Doch 71 Prozent scheuen den Abschluss einer BU, weil sie sie für zu teuer halten, ergab eine Umfrage der Continentalen. Dabei zeigen gerade die besten Einsteigertarife im Vergleich des FOCUS-MONEY-Versicherungsprofi, dass der Schutz für Azubis und Studenten in den ersten Jahren erschwinglich ist. Mehr als 20 Euro im Monat muss ein Jurastudent in den ersten Jahren nicht ausgeben. Ein angehender Kfz-Mechatroniker mit einer monatlichen Vergütung von 760 Euro im ersten Lehrjahr muss nicht mehr als 30 Euro für seinen BU-Schutz aufwenden. Einsteigertarife verlangen nicht vom ersten Monatsbeitrag an die volle Prämie – worunter der gewünschte Versicherungsschutz keineswegs leidet. Das soll es jungen Leuten ermöglichen, früh mit dem Versicherungsschutz zu beginnen. Erst nach einigen Jahren wird die volle Versicherungsprämie erreicht.

Versicherer Axa bietet die günstigsten BU-Tarife.

Bei der Axa, die den günstigsten Einstiegstarif für den Jurastudenten und den Mechatroniker-Azubi bietet, wird der volle Beitrag ab dem sechsten Jahr erreicht. Die erste Phase kann jedoch auch früher beendet werden. Je eher der Versicherte mit der zweiten Phase beginnt, desto niedriger fällt sein Zielbeitrag für die restliche Vertragslaufzeit aus. Bei der Nürnberger ist der volle Beitrag erst mit dem zehnten Jahr fällig. Der angehende Jurist startet mit rund 16 Euro Monatsbeitrag im ersten bis fünften Versicherungsjahr. Danach steigen die Monatsbeiträge Jahr für Jahr leicht, bevor ab dem zehnten Jahr rund 32 Euro monatlich bezahlt werden müssen. Das ist der günstigste Beitrag für den Juristen nach Ablauf der Starterphase. Eine Besonderheit gibt es bei der Barmenia. Hier steigt der Beitrag fast über die gesamte Laufzeit bis zum 67. Lebensjahr an. Der Kunde kann aber entscheiden, ob und wann er in die konstante Beitragszahlung wechseln möchte.

Auf lange Startphase achten.

Eine lange Phase bis zum Erreichen des Höchstbeitrags ist besonders dann wichtig, wenn der Vertrag gleich zu Ausbildungsbeginn abgeschlossen wird. Auch auf eine duale Ausbildung kann schließlich noch ein Studium folgen. Eine lange Startphase von mehr als sechs Jahren bieten die Tarife von Nürnberger, Volkswohl Bund, Condor, HUK-Gruppe, Allianz, Bayerische, Continentale, Württembergische, Europa, VRK und R+V. In der Regel können die Versicherten auch schon vor Ablauf dieser Fristen zum konstanten Beitrag wechseln.

Analysten bewerten Bedingungen streng.

Für den Vergleich der Einsteiger-Produkte hat FOCUS-MONEY-Versicherungsprofi die Anbieter auf der Basis eines Ratings von Franke und Bornberg befragt. Nicht alle angefragten Gesellschaften wollten sich jedoch an der Umfrage beteiligen. Die Rating-Agentur nimmt die Bewertung ausschließlich anhand der Versicherungsbedingungen vor, also des Kleingedruckten, mit dem sich die Kunden nicht gern beschäftigen. Für die Ermittlung der Beiträge wurden zwei Beispiele gewählt: Ein 24-jähriger Jurastudent im fünften Semester und ein 20-jähriger Kfz-Mechatroniker-Lehrling im zweiten Ausbildungsjahr.

Nürnberger, Gothaer und Ergo durchweg günstig für Studenten.

Der Vergleich der Beiträge ist äußerst schwierig, weil die Höchstprämien von verschiedenen Zeitpunkten an verlangt werden und es auch noch stufenweise Anhebungen nach dem ersten Jahr bis zu diesem Moment gibt. Da es aber bei der jungen Zielgruppe darauf ankommt, die Kunden mit einem stimmigen Tarif und einem niedrigen Einstiegsbeitrag zu gewinnen, erfolgt das Ranking in zweiter Sortierung nach dem Nettobeitrag im ersten Versicherungsjahr. Die Versicherer Axa, Nürnberger, Volkswohl Bund, Gothaer, Condor, Ergo, HUK24 und Zurich bieten dem Jurastudenten einen günstigen Einstiegsbeitrag von maximal 20 Euro im Monat. Aus dieser Gruppe punkten dann Nürnberger, Gothaer und Ergo auch mit den günstigsten Höchstbeiträgen. Für den angehenden Kfz-Mechatroniker haben unter den Anbietern mit Best-Rating sieben Versicherer preiswerte Einsteigertarife zwischen 20 und 30 Euro monatlich: Axa, Ergo, Europa, Volkswohl Bund, Nürnberger, die Bayerische und die Continentale. Die günstigsten Höchstbeiträge kommen in dieser Gruppe von Ergo und Europa mit gut 50 Euro monatlich.

BU: die besten Tarife für Jurastudenten

Versichert ist ein 24-jähriger Jurastudent im fünften Semester. Er möchte zunächst eine BU-Rente in Höhe von 1000 Euro monatlich mit Erhöhungsmöglichkeit versichern. Der Vertrag soll bis zum 67. Lebensjahr laufen. Der Student ist Nichtraucher und hat keine Vorerkrankungen. Das Ranking richtet sich zuerst nach dem Rating und dann nach der Nettomonatsprämie im ersten Jahr.

FFF+ hervorragend 0,5; FFF sehr gut 0,6 bis 1,5; FF+ gut 1,6 bis 2,5
FFF+ hervorragend 0,5; FFF sehr gut 0,6 bis 1,5; FF+ gut 1,6 bis 2,5

BU: die besten Tarife für Mechatroniker-Azubi

Versichert ist ein 20-jähriger Azubi im zweiten Lehrjahr zum Kfz-Mechatroniker. Er möchte zunächst eine BU-Rente in Höhe von 1000 Euro monatlich mit Erhöhungsmöglichkeit versichern. Der Vertrag soll bis zum 67. Lebensjahr laufen. Der Lehrling ist Nichtraucher und hat keine Vorerkrankungen.

FFF+ hervorragend 0,5; FFF sehr gut 0,6 bis 1,5; FF+ gut 1,6 bis 2,5
FFF+ hervorragend 0,5; FFF sehr gut 0,6 bis 1,5; FF+ gut 1,6 bis 2,5

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