Exklusiv 01.12.2025 Studien | Tests

Starker Rückhalt im Rechtsstreit

Ob Mediation oder Gerichtsverfahren: Wer auf sein Recht pocht, muss mit hohen Kosten rechnen. Hier hilft eine leistungsstarke Rechtsschutzpolice. FOCUS MONEY-Versicherungsprofi hat Tarife für Familien und Singles unter die Lupe genommen.

Anwalt, Gutachter, Gerichtsverfahren: Die Kosten eines juristischen Streits können immens hoch sein. Ohne Rechtsschutzversicherung ist das finanzielle Risiko für viele zu hoch. (Foto: © amnaj – stock.adobe.com)
Anwalt, Gutachter, Gerichtsverfahren: Die Kosten eines juristischen Streits können immens hoch sein. Ohne Rechtsschutzversicherung ist das finanzielle Risiko für viele zu hoch.
(Foto: © amnaj – stock.adobe.com)

Rechtsschutz mit immer höheren Leistungen.

Die Grenze ist durchbrochen. Erstmals lag im vergangenen Jahr der durchschnittliche Beitrag für eine Rechtsschutzversicherung in Deutschland jenseits von 200 Euro. Doch wirklich überraschend ist diese Entwicklung nicht – die Leistungen für gemeldete Schäden sind 2024 binnen Jahresfrist um 4,6 Prozent auf 132,75 Millionen Euro geklettert, wie aus dem aktuellen „Branchenmonitor Rechtsschutzversicherung 2025“ der V.E.R.S. Leipzig GmbH hervorgeht. 

Auch im laufenden Jahr dürfte sich der Trend fortgesetzt haben. Mit Stichtag 1. Juni sind die Kosten für Rechtsanwälte, Gerichte und Gutachten gestiegen. Am Streitwert orientierte Gebühren haben sich um sechs Prozent, Festgebühren für Sachverständige und Dolmetscher um neun Prozent verteuert.

Lukratives Geschäft mit dem Recht.

Die Branche ficht das aber nicht an. Das Geschäft mit dem Recht bleibt für Versicherer attraktiv. Die Schaden-Kosten-Quote fiel zuletzt branchenweit von 91,6 auf 90,3 Prozent. Positiv entwickelte sich auch das versicherungstechnische Ergebnis: Der Gewinn legte über alle Versicherer um knapp 1,5 Millionen auf durchschnittlich 17,17 Millionen Euro zu. Auch die Nachfrage nach den Rechtsschutzpolicen bleibt intakt. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) meldet für das vergangene Geschäftsjahr einen Bestandszuwachs von immerhin 0,7 Prozent auf rund 25,7 Millionen Verträge.

Für den Klagefall finanziell abgesichert.

Bei vielen Menschen sind die Abschlüsse getrieben von der Sorge, sich die Durchsetzung ihres Rechts nicht leisten zu können. Das bestätigt auch eine GDV-Umfrage: Demnach glauben zwei von drei Befragten ohne Rechtsschutzversicherung, dass sie im Ernstfall „keine Klage finanzieren könnten“.

Tatsächlich macht erst eine Rechtsschutzversicherung manch einen Prozess finanziell möglich. Die Policen übernehmen Kosten für Rechtsstreitigkeiten bis zur vereinbarten Versicherungssumme, die bei mindestens 300.000 Euro liegen sollte. In jedem vierten Fall geht es um Vertragsrecht, so eine Studie des Versicherers R + V. Besonders häufig kommt es wegen eines Kfz-Kaufvertrags, Stress mit dem Telefonanbieter oder wegen einer Urlaubsreise zu Auseinandersetzungen. Auch Schadenersatzansprüche und arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen sind vergleichsweise häufig.

Kostspielige Rechtsstreitigkeiten

Die Tabelle zeigt die Entwicklung der Streitwerte und Kosten von 2020 bis 2025. Der GDV hat fünf typische Fallkonstellationen definiert und berechnet. 

Von Anwaltsgebühren bis Zeugengelder.

Der Leistungsumfang erstreckt sich vor allem auf die Bereiche Privat, Beruf, Verkehr und Wohnen – ein Rundum-sorglos-Paket bieten die Versicherer allerdings nicht an. Je nach Bedarf können sich Kunden die gewünschten Leistungsbereiche modular zusammenstellen. Die Policen decken die gesetzlichen Anwaltsgebühren eines vom Versicherten gewählten Rechtsanwalts, die Gerichtskosten, Zeugengelder und gerichtliche Sachverständigenhonorare sowie mögliche Kosten der Gegenpartei.

Nicht alles lässt sich absichern – und wenn, dann nur eingeschränkt. Spitze Finger haben die Rechtsschutzanbieter etwa bei Auseinandersetzungen im Bereich Bauen und Baufinanzierung. Schwierig wird es auch bei Urheber-, Marken- und Patentrechtsfragen. Riskante Kapitalanlagegeschäfte, Eheschließungen oder Ärger im Zusammenhang mit eigenen gewerblichen Tätigkeiten sind ebenfalls in der Regel nicht gedeckt. Bei Erbstreitigkeiten zahlt der Versicherer häufig nur eine Erstberatung. Für viele Bereiche (z. B. Arbeitsrecht, Wohnungs- und Grundstücksrecht) gilt zudem eine Wartezeit (meistens drei Monate) nach Vertragsabschluss, bevor Kunden Leistungen in Anspruch nehmen können.

Tarife für Familien und Singles im Vergleich.

Der FOCUS MONEY-Versicherungsprofi hat Tarife für Familien und Singles unter die Lupe genommen. Das Portal Versicherungsvergleiche.de hat die Tarife nach einem Punktesystem bewertet. Für den Einzug ins Ranking waren mindestens 144 Punkte (70 Prozent) erforderlich. Pro Anbieter wurden der günstigste und der leistungsstärkste Tarif berücksichtigt.

Untersucht wurden Deckungsumfang, versicherte Kosten und Leistungen in den Bereichen Privat-, Berufs- und Verkehrsrechtsschutz sowie Spezial-Strafrechtsschutz, der aber nicht in allen Tarifen enthalten ist. Spannen bei der Selbstbeteiligung (SB) ergeben sich aus schadenfreien Jahren und wenn ein vom Versicherer vorgeschlagener Anwalt in Anspruch genommen wird – beides senkt die SB.

Die Günstigsten und die Leistungsstärksten.

Für eine Familie bleiben vier Anbieter unter 300 Euro beim Jahresbeitrag, bei den Singles sind es sieben. Die Preissieger sind Domcura aus Kiel und Deurag aus Wiesbaden. Die Hessen bleiben mit ihrem günstigsten Tarif (146 Punkte) sogar unter 200 Euro. Allerdings bietet Roland Rechtsschutz für gut 13 Euro mehr pro Jahr ein mit 178 Punkten etwas leistungsstärkeres Paket.
 
Mehr Leistung kostet mehr Geld – entsprechend hoch sind die Beiträge für die Leistungssieger-Tarife. Sowohl bei den Familien als auch bei den Singles bietet das die Arag. Die Top-Tarife der Düsseldorfer erzielen jeweils die volle Punktzahl (205). Ebenfalls sehr hoch bewertet sind die Angebote von Ergo und Domcura. Gut zu wissen: Die leistungsstärksten Verträge aller drei Anbieter beinhalten auch einen Spezial-Strafrechtsschutz. Nicht abgedeckt sind Streitigkeiten mit dem Vermieter oder im Zusammenhang mit dem selbstgenutzten Eigenheim. Hier ist ein Zusatzbaustein erforderlich.

Rechtsschutzversicherungen im Vergleich

Ein 40-jähriger Familienvater schließt eine Rechtsschutzversicherung in den Bereichen Privatrechtsschutz, Berufsrechtsschutz und Verkehrsrechtsschutz ab. Die Selbstbeteiligung liegt in der Regel bei maximal 300 Euro. Das Ranking richtet sich nach dem Preis, die Anbieter mussten aber mindestens 144 Leistungspunkte (70 Prozent) erreichen. Pro Anbieter wurden der günstigste und der leistungsstärkste Tarif berücksichtigt. Ein-Jahres-Vertrag, keine Vorschäden.

Ein 35-jähriger Single schließt eine Police in den Bereichen Privatrechtsschutz, Berufsrechtsschutz und Verkehrsrechtsschutz ab. Übrige Bedingungen wie beim Familienschutz. Pro Anbieter wurden der günstigste und der leistungsstärkste Tarif berücksichtigt. Ein-Jahres-Vertrag, keine Vorschäden.


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