Lebensversicherung: Neue Klassik – solide abgesichert
Die Marktanalyse von FOCUS MONEY-Versicherungsprofi belegt: Moderne Rentenversicherungen sind für sicherheitsorientierte Sparer ein verlässlicher Baustein in der privaten Altersvorsorge. Was die Neue Klassik bringt.

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Andere Garantien – mehr Spielraum bei der Anlage.
Die Analyse der Experten ist ernüchternd: Klassische private Rentenversicherungen geraten zunehmend ins Abseits, urteilt die Ratingagentur Franke und Bornberg. Unter Klassiktarifen führen die Hannoveraner seit Ende 2025 auch Tarife der „Neuen Klassik“. Die Anhebung des Höchstrechnungszinses von 0,25 auf 1,0 Prozent zu Beginn des vergangenen Jahres hat dem Geschäft nur einen leichten Schub verliehen, heißt es bei Assekurata in Köln. Die geplante Reform der privaten Altersvorsorge könnte zwar auch der Neuen Klassik Impulse geben – allerdings nicht mehr in diesem Jahr, sondern dann erst 2027.
Die Tarife waren nach der Weltfinanzkrise 2008 und der anschließenden Staatsschuldenkrise in Europa die Antwort der Lebensversicherer auf sinkende Kapitalmarktzinsen und steigende regulatorische Anforderungen. Private Rentenversicherungen der Neuen Klassik arbeiten ähnlich wie klassische Policen (s. Lebensversicherung: Mehr Geld für Altersvorsorge-Sparer) – unterscheiden sich aber in der Ausgestaltung der Garantien. Die meisten Versicherer arbeiten mit reduzierten und endfälligen Garantien und begrenzen die Bruttobeitragsgarantie auf rund 90 Prozent. Das verschafft den Investmentstrategen der Versicherer einen größeren Spielraum bei der Anlage am Kapitalmarkt. Das höhere Risiko soll sich für die Kunden langfristig auszahlen. Ob das gelingt, verrät die Umfrage, die der FOCUS MONEY-Versicherungsprofi einmal im Jahr bei Lebensversicherern in Deutschland startet.
Moderne Tarife halten leichten Vorsprung auf Vorjahresniveau.
In diesem Jahr lieferten 15 Versicherer Daten zur Neuen Klassik – fünf weniger als 2025. Die rückläufige Teilnehmerzahl lässt keine Rückschlüsse auf die Positionierung der Versicherer gegenüber den Produkten zu. So haben beispielsweise 2024 16 Anbieter Daten zur Neuen Klassik geliefert. Und die Performance? Nach Einschätzung von Franke und Bornberg bietet der Markt „Garantie-light“-Produkte mit weniger Rendite, als möglich wäre. Strenge Kapitalanforderungen, ein enges Anlagekorsett sowie Informations- und Governancepflichten würden Komplexität und Kosten der Produkte unnötig erhöhen.
Dennoch: Die etwas risikoreicheren Policen performen bei Überschussbeteiligung und Gesamtverzinsung im Marktdurchschnitt etwas besser als klassische Produkte mit Garantiezins. Bei der laufenden Verzinsung deklarieren die Versicherer für ihre modernen Tarife im Mittel 2,78 Prozent, für die klassischen Garantiezinsprodukte nur 2,64 Prozent. Damit verringert sich bei der Überschussbeteiligung der Vorsprung der Neuen Klassik gegenüber den klassischen Rententarifen nur geringfügig. Auch bei der Gesamtverzinsung satteln die Lebensversicherer drauf. Mit durchschnittlich 3,38 Prozent liegt der Wert 0,24 Prozentpunkte höher als bei den Garantiezinsprodukten.
Ein halbes Dutzend mit deutlichem Plus.
Üppig ist der Vorsprung aber nicht – und das bessere Abschneiden moderner Rentenpolicen im Vergleich zu ihren klassischen Pendants ist kein Selbstgänger. Die Hälfte der befragten Gesellschaften bietet keinen Vorteil im Vergleich zur Klassik. Immerhin weisen acht Gesellschaften, die Daten geliefert haben, eine höhere Überschussbeteiligung aus. Sechs von ihnen heben sich mit einem deutlichen Plus von der Klassik ab: ERGO Vorsorge – Outperformer beim Härtetest –, Gothaer, Provinzial, Continentale, Europa und Volkswohl Bund. Bei dem Dortmunder Maklerversicherer fällt der Vorteil mit 0,45 Prozentpunkten besonders hoch aus.
Verlässliche Partner für die Zusatzrente.
Und was bringt eine private Rentenversicherung? Um das zu ermitteln, hat FOCUS MONEY-Versicherungsprofi die Anbieter exklusiv gebeten, zusätzlich einen Musterfall durchzurechnen. Wer eine Rentenversicherung abschließt, bindet sich langfristig an einen Lebensversicherer – und muss sich darauf verlassen können, dass Garantieversprechen auch nach 20, 30 oder noch mehr Jahren eingelöst werden. Deshalb haben wir die Berechnungen der Versicherer noch um ein Unternehmensrating der Agentur Morgen & Morgen ergänzt. Gut zu wissen: Fast alle Gesellschaften erreichen eine ausgezeichnete oder sehr gute Bewertung, keine schneidet schwach ab.
Die Überschussbeteiligung der Neuen Klassik für 2026
Der Aufwärtstrend setzt sich fort: Fast alle Lebensversicherer melden für Rentenpolicen der Neuen Klassik eine stabile oder steigende laufende Verzinsung und Gesamtverzinsung. 15 Anbieter haben Daten geliefert. Von den teilnehmenden Gesellschaften weist nur die Bayerische geringere Werte als im Vorjahr aus – reiht sich bei der Überschussbeteiligung aber fast auf Marktniveau ein.
Planungssicherheit bis zum Lebensende.
So viel vorweg: Der höhere Rechnungszins, steigende Kapitalmarktrenditen und stabile Rückflüsse aus der Zinszusatzreserve machen sich für Kunden kaum bemerkbar. Die von den 15 Lebensversicherern ausgewiesenen garantierten und möglichen Rentenzahlungen aus den Tarifen der Neuen Klassik liegen nur geringfügig über dem Vorjahresniveau, wie Vergleichsdaten des FOCUS MONEY-Versicherungsprofi zeigen.
Bei Vertragsabschluss zum 1. Februar 2026 können Altersvorsorge-Sparer im ersten Jahr mit einer monatlichen Rente von durchschnittlich gut 247 Euro rechnen. Nach fünf Jahren erhalten Ruheständler im Durchschnitt voraussichtlich 264 Euro – gegenüber dem Vertragsabschluss im Vorjahr ein Plus von 3,5 Prozent. Auch die garantierten Abfindungen und die prognostizierten Auszahlungen fallen nur minimal höher aus als 2025.
Fazit: Die Tarife der Neuen Klassik sind keine Wunderwaffe. Sie können aber gerade für sicherheitsorientierte Menschen im Kampf gegen Altersarmut einen soliden Baustein darstellen. Die private Zusatzrente leistet verlässlich, ist steuerlich attraktiv, zahlt bis ans Lebensende und bietet so Planungssicherheit im Ruhestand.
So performen moderne Policen in der privaten Rentenversicherung
Der FOCUS MONEY-Versicherungsprofi hat die größten Lebensversicherer in Deutschland gebeten, eine private Rentenversicherung der Modernen Klassik für einen konkreten Musterfall zu berechnen. Insgesamt haben sich 15 Gesellschaften an dem Vergleich beteiligt: Der Versicherungsnehmer ist 37 Jahre alt und Nichtraucher. Er zahlt ab Februar 2026 monatlich 150 Euro in eine private Rentenversicherung ein. Die Laufzeit soll 30 Jahre betragen. Er wünscht sich eine dynamische Rente und eine Rentengarantiezeit von zehn Jahren. Todesfallschutz in der Aufschubzeit: Guthaben oder Beitragsrückgewähr. Mindestens 80 Prozent der eingezahlten Beiträge sollen bei Rentenbeginn garantiert sein. Das Ranking erfolgte nach der Rente im ersten Jahr und wurde für jeden Lebensversicherer um das aktuelle Unternehmensrating von Morgen & Morgen ergänzt.
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