Rundum-Schutz fürs eigene Heim
Ob Extremwetterereignis, Feuer oder eine Leckage in Wasserleitungen: Das potenzielle Schadensrisiko an der eigenen Immobilie ist erheblich. Die finanziellen Folgen lassen sich mit einer verbundenen Wohngebäudepolice begrenzen. FOCUS MONEY-Versicherungsprofi zeigt, welche Tarife aktuell in Sachen Leistung und Preis die Nase vorn haben.

(Foto: Martin Seifert)
Experten sagen Verdoppelung von Klimaschäden vorher.
Die Bestandsaufnahme des Branchenverbands ist dramatisch: „Die Klimaschäden haben sich in Deutschland seit 1980 verfünffacht“, konstatiert Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Beispiele gibt es reichlich – ob schlagzeilenträchtige Einzelereignisse wie das verheerende Hochwasser im Ahrtal Mitte 2021 und das Winterhochwasser 2023/24 oder die vermehrte Zahl an schweren Niederschlägen im ganzen Land. Sogenannte Geoschäden verursachen jährlich Kosten in Milliardenhöhe. Zwar lagen die Zahlen im ersten Halbjahr 2025 deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Doch das ist kein Grund zur Entwarnung. Nach Prognosen des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) dürften sich die Schäden infolge des Klimawandels bis 2050 verdoppeln.
Nur jedes zweite Gebäude rundum geschützt.
Wer sein Haus und Grundstück gegen die Folgen von erweiterten Naturgefahren wie Flutkatastrophen, Erdbeben, Erdrutsch oder Lawinen absichern will, benötigt eine Elementarschadenversicherung. Trotz des großen Angebots am Markt ist aber nur gut die Hälfte der Gebäude in Deutschland gegen solche Eventualitäten umfassend gewappnet. Immerhin nimmt der Anteil stetig zu, denn bei Neuverträgen bieten viele Versicherer die Wohngebäudepolice inzwischen mit dem Zusatzbaustein Elementarschutz an. Wer auf den Schutz verzichten will, muss ihn aktiv abwählen (Opt-out). Vermittlerinnen und Vermittler sollten das Thema mit ihren Kunden intensiv erörtern. Grundsätzlich gilt die Wohngebäudeversicherung für Immobilieneigentümer als unverzichtbar. Kommt es zu einem versicherten Schaden, übernimmt sie nicht nur die unmittelbaren Reparaturkosten, sondern auch Folgeschäden – etwa wenn es nach einem Sturmschaden durch das zerstörte Dach hineinregnet und dadurch weitere Räume in Mitleidenschaft gezogen werden. Somit sind alle Kosten, die aus diesen Risiken entstehen, abgedeckt – also für Reparaturen, den Wiederaufbau oder sogar für den vollständigen Neubau des Hauses im Worst Case.
Detaillierte Studie für die besten Premium-Tarife.
Im Rahmen einer umfassenden Befragung hat FOCUS MONEY-Versicherungsprofi die aktuell besten Premium-Tarife im Bereich Wohngebäudeversicherung inklusive Elementarschutz ermittelt. Dazu wurden 58 Unternehmen angeschrieben. 28 haben sich dem Test gestellt. Als Modellfall dient eine Immobilie im niedersächsischen Osnabrück in der ZÜRS-Zone 1, der niedrigsten Gefährdungsklasse. Statistisch kommt es in diesen Regionen seltener als einmal in 200 Jahren zu einem Hochwasser. Aktuell befinden sich 90 Prozent aller Adressen in Deutschland in der ZÜRS-Zone 1. Eine Elementarversicherung ist trotzdem sinnvoll, denn auch hier können teure Schäden durch Starkregen und Rückstau, Hangrutsch oder Erdsenkung auftreten, die der Eigentümer ohne den Zusatzschutz meist selbst tragen müsste. Außerdem ist der Beitrag in Zone 1 im Vergleich zum möglichen Schaden typischerweise relativ niedrig.
Hohes Leistungslevel und häufig Kulanz.
Der Test ist in die drei Teilkategorien Grundschutz, Nachhaltigkeit und Kosten gegliedert. Erfreulich: Das Niveau beim Grundschutz ist branchenweit hoch. Insgesamt sieben Anbieter (Barmenia, die Bayerische, Domcura, GEV, Nürnberger, Rheinland und Rhion Digital) erreichen hier die maximal mögliche Punktzahl. So gehört ein umfassender Schutz bei Überspannungsschäden, sowie bei Schäden durch Wasseraustritt und -einbruch ohne Sublimit bei sämtlichen Premium-Tarifen zum Basispaket. Auch potenzielle „Kollateralschäden“ wie etwa Aufräum- und Abbrucharbeiten mit schwerem Gerät sind in jeder Police inbegriffen. Richtig teuer wird es bei einer behördlich verordneten Dekontamination des Erdreichs auf dem eigenen Grundstück. Das Gros der Anbieter zahlt auch hier bis zur vereinbarten Versicherungssumme, in der Regel der Neuwert des Gebäudes. Müssen die Eigentümer etwa während Reparaturmaßnahmen oder wegen Unbewohnbarkeit der Immobilie zeitweise in eine andere Unterkunft ausweichen, übernehmen die Versicherer Übernachtungskosten für mindestens 180 Tage. Besonders großzügige Anbieter erstatten bis zu 200 Euro am Tag – genug, um eine vierköpfige Familie in einer komfortablen Pension unterzubringen.
Unterschiedlich gehandhabt wird hingegen das Thema Leistungskürzungen bei schuldhaftem Verhalten. Zwar gilt bei allen Anbietern ein „Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit“. Anders sieht es jedoch bei Schäden nach (grob fahrlässigen) Obliegenheitsverletzungen aus. Dies ist etwa der Fall, wenn eine Rohrleitung platzt, weil der Versicherte vergessen hat, die Wasserzufuhr abzustellen. Top-Anbieter wie die Barmenia, die Bayerische, GEV oder Rheinland verzichten bei Schäden bis maximal 50.000 Euro auf eine Leistungskürzung. Die Nürnberger zieht die Grenze bei 10.000 Euro, Alte Leipziger, Concordia und Öffentliche Braunschweig bereits bei 5000 Euro. HUK-Coburg, HDI und DEVK dagegen behalten sich grundsätzlich eine Kürzung vor. Abgefragt wurde auch, wie die Versicherer den Schutz bei einem Gebäudeleerstand handhaben – etwa, wenn sich der Verkauf einer Immobilie über einen längeren Zeitraum hinzieht. Die meisten Anbieter sichern hier volle Deckung innerhalb der ersten vier bis sechs Monate zu. Dennoch: Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollte man den Leerstand in jedem Fall zeitnah dem Vertragspartner melden.
Auch nachhaltiger Schutz zählt.
Ob fest installierte Wallboxen, Photovoltaik- bzw. Solaranlagen auf dem Dach oder Wärmepumpen – auch moderne Anlagen aus dem Bereich Umwelttechnik gehören ins Leistungsverzeichnis der Wohngebäudeversicherer (Balkonsolaranlagen zählen übrigens zum Hausrat). Zusatzbausteine wie „Technikschutz“ oder „ergänzende Gefahren“ erweitern den Schutz optional, etwa bei Schäden durch einen internen Defekt oder eine Fehlbedienung mit Folgeschaden am Gebäude. Der Diebstahlschutz von Wärmepumpen ist dagegen bei den meisten Anbietern im Grundschutz inkludiert. Im Premium-Tarif der DEVK werden dafür bis zu 10.000 Euro erstattet, die VHV übernimmt bis zu 35.000 Euro, bei den Tarifen von GEV sowie HUK-Coburg, HUK24 und VRK geht es sogar ganz ohne Sublimit. Insgesamt erreichen in der Kategorie Nachhaltigkeit 16 von 28 Anbietern die volle Punktzahl.
Gravierender Unterschied bei den Jahresbeiträgen.
Im Teilbereich Kosten wurde auch die branchenübliche Selbstbeteiligung in der Elementardeckung berücksichtigt. Dass sich ein niedriger Selbstbehalt und eine günstige Jahresprämie nicht ausschließen, zeigen die Beispiele HUK24 und Öffentliche Braunschweig. Beide Anbieter haben den Eigenanteil pauschal bei 500 Euro gedeckelt und berechnen weniger als 600 Euro Jahresprämie. Damit sind sie auch die günstigsten Anbieter im Gesamtvergleich. Interrisk und SV Sparkassenversicherung verzichten sogar komplett auf eine Selbstbeteiligung – Letztere allerdings mit einer Einschränkung: Bei Erdbeben müssen sich Versicherte mit 20 Euro pro Quadratmeter beteiligen. Da solche Ereignisse hierzulande jedoch nur einen Bruchteil der Elementarschäden ausmachen, haben wir hier auf Abzüge verzichtet.
Die Unterschiede bei der Jahresprämie sind mitunter gravierend. Während auch Europa, HUK-Coburg und DEVK vergleichsweise moderate Jahresprämien unter 700 Euro berechnen, liegen andere Anbieter oberhalb der 1000-Euro-Marke, darunter auch die prämierten Top-Tarife von Nürnberger, AXA und Barmenia.
Vergleich zeigt hohe Leistungsdichte.
Unterm Strich erweist sich die Branche als sehr leistungsstark. Alle Anbieter, die sich am Vergleichstest des FOCUS MONEY-Versicherungsprofi beteiligt haben, erreichen mindestens 60 Prozent der Gesamtpunktzahl – und damit mindestens die Note „Befriedigend“. Einen echten „Ausrutscher“ erlaubt sich keiner der Anbieter – das betrifft zumindest die Unternehmen, die ihre Leistungen und Prämien transparent gemacht haben. In der Gesamtauswertung erweisen sich 23 Tarife als „Sehr Gut“ oder „Gut“. Elf davon haben mindestens 70 Prozent der Gesamtpunktzahl erreicht und wurden mit der Note „TOP“ bewertet. Weitere zwölf Tarife kommen auf mindestens 85 Prozent und verdienen sich die Auszeichnung „BESTE Wohngebäudeversicherung“.
Die besten Wohngebäudeversicherungen
Das Objekt ist ein selbst bewohntes Einfamilienhaus (Erdgeschoss + Obergeschoss, kein Keller) in Massivbauweise (BAK1) mit 140 qm Wohnfläche, Baujahr 2015. Die Immobilie verfügt über eine Photovoltaikanlage (9 kWp; Anschaffungskosten: 25.000 Euro, Baujahr 2020), eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Außeneinheit (Baujahr 2023) und eine Wallbox. Die Baukosten betrugen 350.000 Euro. Versichert sind Feuer, Sturm/Hagel, Leitungswasser und Elementarschäden in der ZÜRS-Zone 1. Der Versicherungsnehmer ist 40 Jahre alt, kaufmännischer Angestellter, verheiratet und hat ein Kind. Versicherungsbeginn ist der 1. Januar 2026 (Laufzeit: 1 Jahr). Die Prämienzahlung erfolgt jährlich. Eine Selbstbeteiligung gibt es nur in der Elementardeckung. Es sind keine Vorschäden bekannt. Wenn Versicherer mehrere Tarife zur Verfügung gestellt haben, wurde jeweils der Premium-Tarif berücksichtigt. Das Ranking erfolgt nach Gesamtpunktzahl.
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