Kolumne 04.04.2025 Vermittlerwelt

„Der Mangel an Fachkräften ist ein wesentlicher Engpass“

Mehr Tempo, mehr Service, mehr Innovation versus Jobverlust, Datenmissbrauch und Cyber-Kriminalität: Künstliche Intelligenz ist auch in der Assekuranz Top-Thema. In unserer KI-Kolumne PROMPT! beziehen Experten und Entscheider Stellung. Heute: Corin Targan, Director bei Deloitte Deutschland

Corin Targan hat International Business studiert. Als „Lead Customer Strategy & Transformation“ bei Deloitte berät der 42-Jährige Versicherungsunternehmen in vertriebs- und kundenstrategischen Fragen. Das Thema künstliche Intelligenz ist dabei in einem Großteil der Projekte inzwischen ein integraler Bestandteil. (Foto: Deloitte)
Corin Targan hat International Business studiert. Als „Lead Customer Strategy & Transformation“ bei Deloitte berät der 42-Jährige Versicherungsunternehmen in vertriebs- und kundenstrategischen Fragen. Das Thema künstliche Intelligenz ist dabei in einem Großteil der Projekte inzwischen ein integraler Bestandteil.
(Foto: Deloitte)

Künstliche Intelligenz gilt als Schlüsseltechnologie der Zukunft – nicht nur für die gesamte Wirtschaft, sondern auch für die Versicherungsbranche. Doch der Schritt von erfolgreichen Pilotprojekten zum unternehmensweiten Ausbau bleibt für viele Versicherer eine Hürde. Warum gelingt dieser Übergang nicht immer? Laut Prognosen des Deloitte AI Institute lässt KI das globale Wertschöpfungspotenzial im nächsten Jahrzehnt auf jährlich zwölf Billionen Dollar anwachsen. Daraus ergeben sich auch für Versicherungsunternehmen enorme Chancen: Wer KI gezielt integriert, kann Geschäftsprozesse optimieren, die Kundenzufriedenheit erhöhen und den Umsatz steigern.

Kernprozesse effizienter gestalten

 

Auch in Deutschland setzen Versicherer zunehmend auf KI. Eine aktuelle Studie von Deloitte und dem InsurTech Hub Munich zeigt, dass Versicherer verstärkt investieren – mit einem Anteil von 53 Prozent vor allem in IT. Kundenservice und Schadenmanagement liegen mit je 47 Prozent ebenfalls weit vorne. Der Fokus liegt auf den Kernprozessen, die den größten Hebel für Effizienzsteigerungen bieten. Doch selbst wenn einzelne Pilotprojekte gut funktionieren, gelingt der Schritt zur unternehmensweiten Umsetzung oft nicht. 

Organisatorische Barrieren und veraltete Systeme

 

Die größte Herausforderung liegt in der Integration von KI in bestehende Systeme und Prozesse. Mehr als die Hälfte der befragten Versicherer (59 Prozent) gibt an, dass die Abstimmung der KI-Lösungen mit Altsystemen und etablierten Infrastrukturen äußerst komplex ist. 35 Prozent der Versicherer halten den Reifegrad ihrer technologischen Infrastruktur für die Einführung von KI für begrenzt. Hinzu kommen Herausforderungen in Bezug auf die Datenqualität und den Zugang zu Echtzeitdaten, die es den Gesellschaften erschweren, das Potenzial von KI auszuschöpfen.

Die größte Herausforderung liegt in der Integration von KI in bestehende Systeme und Prozesse.

Corin Targan

Fachkräftemangel und fehlende Expertise

 

Auch der Mangel an qualifizierten Fachkräften ist ein wesentlicher Engpass. 41 Prozent der Versicherer nennen unzureichende KI-Expertise als ein zentrales Problem. Die Versicherer haben das Problem erkannt und investieren zunehmend in die Ausbildung ihrer Mitarbeitenden. Und so sehen fast drei von vier Versicherern Weiterbildungsinitiativen als einen Schlüsselbereich für künftige Investitionen.

Datenschutz und unsichere Regulatorik

 

Die Versicherungsbranche unterliegt strengen gesetzlichen Anforderungen, die den Einsatz von KI beeinflussen. Datenschutz- und Sicherheitsbedenken werden von 35 Prozent der Unternehmen als Hindernis genannt, während 29 Prozent regulatorische und gesetzliche Unsicherheiten als bremsende Faktoren sehen. Als Folge der unklaren oder sich wandelnden regulatorischen Rahmenbedingungen agieren viele Versicherer vorsichtig und beschränken KI-Initiativen auf einzelne Anwendungsfälle.

Auf dem Weg zur Skalierung

 

Der Übergang von isolierten Anwendungsfällen zum unternehmensweiten Ausbau bleibt also eine zentrale Herausforderung. Während Pilotprojekte einzelne Ergebnisse liefern, verhindern organisatorische, technologische und regulatorische Hürden eine breite Umsetzung.
Ausblick: Welche Ansätze dabei helfen, besser und schneller zu skalieren, lesen Sie in der nächsten Kolumne von Corin Targan.


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