02.08.2022 Vermittlerwelt

Hilfe für Vermittler: Neues Tool setzt auf aktualisierte DIN-Norm

Mit dem heutigen Start der verpflichtenden Abfrage von Nachhaltigkeitspräferenzen in der Anlageberatung ist eine angepasste DIN-Norm veröffentlicht worden. Auch ein neues Software-Tool für die veränderten Anforderungen in der Beratung und die Auswahl passender nachhaltiger Produkte baut darauf auf.

Für Vermittler gibt es zur Umsetzung der neuen Abfragepflichten zahlreiche kostenfreie wie kostenpflichtige Hilfen. (Foto: © Song_about_summer - stock.adobe.com)
Für Vermittler gibt es zur Umsetzung der neuen Abfragepflichten zahlreiche kostenfreie wie kostenpflichtige Hilfen.
(Foto: © Song_about_summer - stock.adobe.com)

Nun ist der da, der 2. August: Ab heute gilt die Abfragepflicht der Nachhaltigkeitspräferenzen von Kunden in der Anlageberatung, die in der Produktempfehlung zu berücksichtigen sind. Das Ganze ist eine Erweiterung der EU-Transparenzverordnung, die bereits im März 2021 in Kraft getreten ist und erweiterte Informationspflichten für Versicherungs- und Anlagevermittler regelt. Da der Gesetzgeber erhebliche Umsetzungslücken gelassen hatte, sorgte das Thema in der jüngeren Vergangenheit für reichlich Wirbel.

DIN-Norm mit Abfragemodul heute veröffentlicht

 

Orientierung versprach unter anderem das Deutsche Institut für Normung (DIN). Mitte Juli wurde ein ESG-Modul bzw. Leitfaden für die Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen verabschiedet, das Teil der bereits bestehenden DIN-Norm 77230 „Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte“ ist, sich aber auch losgelöst von der Norm anwenden lassen sollte. Nachdem die Veröffentlichung über die DIN-Tochter Beuth Verlag ursprünglich erst für den 5. August angekündigt worden war, ist sie nun doch noch heute zum Start der Abfragepflicht erfolgt und kann hier bezogen werden.

Das Modul soll Verbraucher vor manipulativer Abfrage schützen und ihnen ermöglichen, ihre Nachhaltigkeitspräferenzen anhand standardisierter Bewertungskriterien klar zu definieren. Das Modul besteht im Wesentlichen aus einer vereinfachten Abfragelogik. Wie auch bei anderen DIN-Normen wird dabei von allgemeinen Fragen, ob Kunden überhaupt Wert auf das Thema Nachhaltigkeit legen, zu konkreteren Fragestellungen hin vertieft. So können die Verbraucher etwa auch gewichten, auf welche Kriterien sie in Sachen Ökologie, Soziales und Unternehmensführung besonderen Wert legen, etwa auf Kreislaufwirtschaft, Menschenrechte oder Arbeitsbedingungen. Der entsprechende Fragebogen dient zugleich zur Dokumentation der Abfrage. „Nachhaltiges Handeln und soziales Engagement sind vielen Verbrauchern auch in Bezug auf ihre Finanzthemen wichtig“, sagt Dr. Klaus Möller, Obmann des Normausschusses, der die DIN 77230 erarbeitet hat. „Mit dem Leitfaden tragen wir dazu bei, diese Aspekte in der Finanzberatung standardisiert und transparent zu berücksichtigen.“

Kostenpflichtiger ESG-Profiler für den neuen Beratungsalltag

 

Welche Rolle die aktualisierte Norm im Beratungsalltag spielen und ob der Fragebogen sich zu einer Standard-Leitfaden entwickeln wird, ist natürlich noch offen. Als treibende Kraft hinter der DIN-Norm 77230 setzt das Zertifizierungsunternehmen Defino in jedem Fall darauf und bietet parallel ein kostenpflichtiges Tool für den neuen Beratungsalltag auf Basis eben dieses neuen Moduls an. Der sogenannte „ESG-Profiler“ richtet sich an Vertriebe, Pools und Vermittler, die für die Nutzung eines Jahreslizenz erwerben müssen. Vor dem Einsatz steht allerdings zunächst eine zweistündige Online-Schulung der Finanzakademie Going Public, die in die Themen Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeitspräferenzen und nachhaltige Anlageberatung einführen soll.

Produktauswahl nutzt Software von Morgen & Morgen

 

Kern des Tools ist ein netzbasierter Fragebogen. Er kann durch die Möglichkeit der digitalen Unterschrift auch zur Dokumentation herangezogen werden. Der Online-Fragebogen führt Berater und ihre Kunden durch sieben Frageschritte, die - der Norm folgend - in den meisten Fällen auf drei Schritte zusammengefasst werden könnten, so Defino. Er sei damit einfacher handhabbar und zugleich rechtssicher, da DIN-Normen geeignet sind, fehlende oder unklare Regulatorik zu ersetzen. Aus der Präferenzabfrage gelangen Berater zur Auswahl kompatibler Produkte. Sie basiert auf einer Vergleichssoftware des Beratungsunternehmens Morgen & Morgen. Nach eigenen Angaben baut diese auf dem gemeinsam mit der Zielke Research Consult entwickelten Produktlabel für nachhaltige Versicherungsprodukte nach Artikel 8- und 9 der EU-Offenlegungsverordnung auf.

Auch der „ESG-Profiler“ sollte zum heutigen Start der neuen Regeln verfügbar sein. Das suggeriert auch die Definio-Website. Tatsächlich ist ein direkter Besellvorgang bisher aber nicht möglich. Auf der Seite heißt es: „Rechtzeitig zum Verkaufsstart lassen wir Ihnen weitere Informationen sowie den Zugang zum Angebot zukommen.“


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