30.08.2021 Vermittlerwelt

Struktur der Versicherungsvermittler: zu alt und zu männlich

Eine vom BVK beauftragte Strukturanalyse zeigt, dass das Nachwuchsproblem in der Assekuranz sich verschärft. Das Durchschnittsalter der Vermittler ist noch einmal deutlich gestiegen. Frauen sind zudem deutlich unterrepräsentiert.

Die Branche hat bereits eine gemeinsame Nachwuchsinitiative gestartet, um mehr junge Menschen für den Versicherungsvertrieb zu gewinnen. Hier ist der Bedarf am größten. (Foto: © CrazyCloud - stock.adobe.com)
Die Branche hat bereits eine gemeinsame Nachwuchsinitiative gestartet, um mehr junge Menschen für den Versicherungsvertrieb zu gewinnen. Hier ist der Bedarf am größten.
(Foto: © CrazyCloud - stock.adobe.com)

Die Versicherungsbranche hat ein Nachwuchsproblem: Diese Erkenntnis ist nicht neu, wird aber nun von Zahlen der aktuellen Strukturanalyse 2020/21 des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), über die der „Versicherungsbote“ berichtet, eindrucksvoll bestätigt. Nur 1,9 Prozent aller Befragten sind jünger als 30 Jahre. Gleichzeitig liegt der Anteil der über 60-Jährigen bei 17,2 Prozent. Knapp jeder sechste Befragte dürfte sich also Gedanken machen müssen, an wen er schon bald seine Agentur oder den Bestand übergeben will.

Durchschnittsalter steigt weiter

 

Der größte Part der Vermittler hat laut Studie ein Alter zwischen 50 und 59 Jahren. Fast die Hälfte der Berufsgruppe liegt in diesem Bereich (44,5 Prozent). Etwa jeder vierte Befragte ist zwischen 40 und 49 Jahre alt (23,6 Prozent), die 30- bis 39-Jährigen haben einen Anteil von 12,7 Prozent. Im Durchschnitt über alle Vermittlerarten liegt das Alter bei 50,6 Jahren. Gegenüber der vorhergehenden Studie ist das durchschnittliche Alter um weitere 1,3 Jahre angestiegen.

Generell gibt es beim durchschnittlichen Alter durchaus Unterschiede unter den Vermittlerarten. Während die Ausschließlichkeitsvertreter im Schnitt 50,4 Jahre alt sind, kommen unabhängige Makler im Schnitt auf 53,0 Jahre, bei den Mehrfachvertretern sind es sogar 55,4 Jahre. Diese Werte haben sich zur Vorgängerstudie zudem weiter erhöht. Demnach ist das Durchschnittsalter bei Ausschließlichkeitsvertretern um 1,5 Jahre, bei Mehrfachvertretern um 2,5 Jahre und bei Maklern um ein Jahr gestiegen. 

Kritik am geringen Frauenanteil in der Branche

 

Bei der Geschlechterverteilung zeigt sich ein sehr deutliches Bild. „Der selbstständige Versicherungsvertrieb ist nach wie vor eine Männerdomäne“, schreiben die Studienautoren und belegen dies mit Zahlen. Denn rund neun von zehn Vermittlern sind männlich (89,6 Prozent). Wobei die Maklerschaft hier ein wenig positiver auffällt. Immerhin 13 Prozent in dieser Gruppe sind Frauen. In der Ausschließlichkeit sind es nur 10,1 Prozent. Die Autoren wählen zur Rolle der Frauen im Versicherungsvertrieb klare Worte: „Die Führungskräfte der Branche sollten jedenfalls selbstkritisch prüfen, ob sie wirklich die Voraussetzungen dafür geschaffen haben, dass Frauen sich im selbstständigen Vertrieb behaupten können.“

Die Studie

Die Studie „Betriebswirtschaftliche Strukturen des Versicherungsvertriebs – BVK-Strukturanalyse 2020/2021“ basiert auf einer zwischen Dezember 2020 und März 2021 durchgeführten, nicht-repräsentativen Onlinebefragung von Vermittlern. 3233 Fragebögen wurden vollständig ausgefüllt und konnten ausgewertet werden. Über 93 Prozent der Befragten sind als Einfirmenvertreter im DIHK-Vermittlerregister registriert, knapp fünf Prozent als Versicherungsmakler und zwei Prozent als Mehrfachvertreter. Die vollständige Studie kann kostenpflichtig hier bestellt werden.


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