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03.11.2020 Vermittler im Porträt

Foto: © Walter Lerch - walter.lerch@t-online.de

Der Vermittler aus dem Sperrbezirk

Paul Daxenbichler: 24 Jahre lang war sein Sound der „Skandal im Sperrbezirk“. Als Schlagzeuger Paul Dax gehörte der heute 62-Jährige zur legendären Spider Murphy Gang. Gleichzeitig entwickelte er sein anderes berufliches Standbein als Versicherungsmakler beständig weiter. Heute ist die Musik weiter eine Leidenschaft, sein Geld verdient Daxenbichler aber vor allem als Berater für Unternehmen in der betrieblichen Altersvorsorge. Dort sieht er viele Chancen weiterhin ungenutzt.

Man kennt Sie auch als Paul Dax, als der Sie bis 2016 Drummer bei der Spider Murphy Gang waren. Was ist aus dieser Zeit hängengeblieben?

Wir waren im ganzen deutschsprachigen Raum unterwegs. Ich habe gut gelebt als Profimusiker, tolle Erfahrungen gemacht und meinen Horizont erweitert. Meine Frau habe ich bei einem Betriebsfest der Kreissparkasse Köln kennengelernt. Sie war dort für die Betreuung der Band zuständig. Eine besondere Erinnerung ist ein Auftritt im Olympiastadion München im Jahr 2012. Wir spielten damals anlässlich des Sommernachtstraums vor 40.000 Fans mit anschließender Auszeichnung aller Bandmitglieder mit der Medaille „München leuchtet“ in Gold.

Wie hat die Kombination Makler und Musiker 24 Jahre lang funktioniert?

Gerade der extreme Unterschied beider Welten hat mich so gereizt. Musik findet überwiegend am Wochenende statt, der Rest der Woche ist für das normale Leben verfügbar. Mein Interesse für Wirtschaft und meine Leidenschaft für Musik ergänzten sich auf diese Weise ideal. Andererseits war es für mich in der Zeit zwischen 1992 und 2016 ein extremer Luxus, dass ich nicht jedem Kunden alles verkaufen musste.

Dennoch haben Sie ja auch in dieser Zeit ihr geschäftliches Profil entscheidend weiterentwickelt. Wo liegt heute ihr Fokus?

Ich verstehe mich als Unternehmensberater in der betrieblichen Altersvorsorge. Gerade in kleinen und mittleren Unternehmen spielen sich wahre Dramen ab. Viel zu wenig Mitarbeiter nutzen die betriebliche Versorgung und die damit verbundenen Chancen. Die Unternehmen schrecken oft vor dem befürchteten hohen administrativen Aufwand zurück.

Wie können Sie dort helfen?

Durch die direkte Ansprache der betroffenen Unternehmen lässt sich das Problem am ehesten an der Wurzel packen. Fast immer hat gerade der Chef bei seiner eigenen betrieblichen Versorgung ein massives Problem, sei es durch gravierende Unterdeckung oder durch die Wahl eines falschen Durchführungsweges. Es motiviert mich unheimlich, dass ich den Firmen durch meine Tätigkeit oftmals zu einer höheren Eigenkapitalquote verhelfen kann, sie dadurch ein besseres Standing am Markt haben und den Mitarbeitern eine zusätzliche Versorgung generieren können. Mein größter Erfolg war die Sanierung des Versorgungswerkes eines mittelständischen Unternehmens mit 400 Mitarbeitern.

Gerade in kleinen und mittleren Unternehmen spielen sich wahre Dramen ab. Viel zu wenig Mitarbeiter nutzen die betriebliche Versorgung und die damit verbundenen Chancen.

Paul Daxenbichler, Daxenbichler GmbH

Mit welchen Herausforderungen haben Sie derzeit in der Coronakrise besonders zu kämpfen?

Mit den Einschränkungen des persönlichen Kontakts. Eine gute Beratung beruht immer auf einem persönlichen Gespräch. Gerade in meinem Geschäft ist ein hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen gefragt. Dieses Vertrauensverhältnis lässt sich wesentlich besser aufbauen, wenn man dem Unternehmer und dessen Beratern direkt gegenübersitzt.

Hier soll ja eigentlich die Digitalisierung helfen. Wie stark nutzen sie diese bisher?

Im Privatkundengeschäft ist die Digitalisierung schon ziemlich fortgeschritten. Hier leisten die einschlägigen Poolgesellschaften gute Arbeit um das papierlose Büro Wirklichkeit werden zu lassen. Ich bin dafür offen. Das Geschäft mit gewerblichen Kunden ist aufgrund der individuellen Einzelfälle jedoch nur schwer digitalisierbar.

Welche Forderungen haben Sie an die Versicherungswirtschaft. Was muss besser werden?

Die Versicherungswirtschaft hat meines Erachtens ein massives Imageproblem, was sich gerade in Zeiten von Corona deutlich zeigt. Man sieht das beispielsweise an anhängigen Rechtsstreitigkeiten bei der Betriebsschließungsversicherung. Darüber hinaus muss die Versicherungswirtschaft weg vom provisionsgetriebenen Verkauf. Oft werden dadurch die falschen Produkte an Kunden verkauft.

Welche bürokratischen Rahmenbedingungen würden Sie gern ändern?

Vor allem birgt der – meiner Meinung nach - falsch umgesetzte Verbraucherschutz Fehlentwicklungen im Privatkundenbereich. Stichwort Geeignetheitsprüfung: Aufgrund der vorgegebenen, teilweise nicht gerechtfertigten Risikoeinstufungen, müssen ungeeignete Anlagen bevorzugt werden. Hier ist gut gemeint noch lange nicht gut gemacht.

Zum Abschluss: Welche Nachricht würden Sie gerne einmal über sich lesen?

Amateurgolfer Paul Dax gewinnt zusammen mit der europäischen Mannschaft den Ryder Cup gegen die USA.

Vita

  • 1958: Geboren in München
  • 1982: Gesellenbrief Betonbauer
  • 1988: Einstieg in die Immobilien- Versicherungs- und Investmentbranche
  • 2000: Aufnahme des Geschäftsfelds Betriebliche Altersvorsorge
  • 2003: Betriebswirt (VWB)
  • 2018: Überführung Einzelunternehmen in die neu gegründete Daxenbichler GmbH
Das Unternehmen online

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