25.07.2022 Sparten/Produkte

GDV sieht wachsendes Interesse an Cyber­versicherungen

Der GDV bemüht einen langfristigen Vergleich, um zu zeigen, dass im Mittelstand das Interesse an Cyberversicherungen deutlich zugenommen hat. So verdreifachte sich der Zahl der Abschlüsse seit 2018. In der jüngeren Vergangenheit wurden meist unzureichende Prävention und Versicherungsschutz bemängelt.

Wichtige Cybersicherheit: Zu den häufigsten Bedrohungen zählen derzeit Malware- und Ransomware-Angriffe mit Lösegeldforderungen oder E-Mail-Attacken, um Passwörter oder Kreditkartendaten auszuspionieren. (Foto: © metamorworks - stock.adobe.com)
Wichtige Cybersicherheit: Zu den häufigsten Bedrohungen zählen derzeit Malware- und Ransomware-Angriffe mit Lösegeldforderungen oder E-Mail-Attacken, um Passwörter oder Kreditkartendaten auszuspionieren.
(Foto: © metamorworks - stock.adobe.com)

Ob Cyberversicherungen in Zeiten wachsender digitaler Risiken ein unverzichtbarer Schutz für Unternehmen sind, darüber gibt es wie bei so vielen Produktarten unterschiedliche Auffassungen. Auffällig ist allerdings, wie sehr die Assekuranz in den vergangenen Monaten auch vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges unter anderem mit der Drohkulisse wachsender Cybergefahren durch Hackerangriffe für diese Police getrommelt hat. Es erschienen zahlreichen Studien, die behaupteten, über die Angst vor wachsenden Cybergefahren oder die vermeintlich unzureichende Absicherung von Unternehmen aufzuklären.

GDV kritisierte vor kurzem noch den Mittelstand

 

Beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft war der Tenor bisher ähnlich. Laut GDV mangelt es kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) nicht nur an ausreichendem Versicherungsschutz, sondern auch an Prävention. In einer Veröffentlichung im vergangenen Monat kritisierte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen noch den Mittelstand: „Zu viele Entscheider nehmen die Bedrohung durch Cyberkriminelle immer noch nicht ernst genug, zudem überschätzen sie die Qualität ihrer IT-Sicherheit. 80 Prozent der Mittelständler erfüllen schon die Basis-Anforderungen an die IT-Sicherheit nicht vollständig. Die Hälfte der Unternehmen hat keinen Notfallplan, ein Drittel hat keine ausreichenden Datensicherungen.“

Langfristvergleich setzt positive Botschaft in Sachen Cyberschutz

 

Nun hat der Verband Zahlen der gleichen repräsentativen Erhebung unter 300 Entscheidern in KMU durch das Marktforschungsunternehmen Forsa vorgelegt, die offenbar eine andere Botschaft aussenden sollen: In der Veröffentlichung „Im Mit­tel­stand steigt das Inter­esse an Cyberversicherungen“ berichtet der GDV davon, dass Cyberpolicen zur Absicherung von IT-Risiken bei KMU bekannter und beliebter werden. Dabei wird von einer erfreulichen Entwicklung gesprochen. Diese Interpretation überrascht insofern nicht, als der Verband hier Zahlen der Jahre 2018 und 2022 miteinander vergleicht – eine sehr lange Zeitspanne im Geschäft mit den sich sehr dynamisch ändernden Cybergefahren.

Vertragszahl mehr als verdreifacht

 

Demnach hat sich insgesamt die Zahl der Cyberversicherungen über alle Kundensegmente hinweg von 2018 bis 2021 von rund 45.000 auf rund 155.000 Policen mehr als verdreifacht. Die Beitragseinnahmen stiegen von rund 47 Millionen Euro auf rund 160 Millionen Euro. Dazu sagt Asmussen: „Noch vor fünf Jahren waren Cyberversicherungen in weiten Teilen der mittelständischen Wirtschaft unbekannt. Viele der befragten Entscheider kannten das Angebot gar nicht oder standen einer entsprechenden Absicherung skeptisch gegenüber. Seitdem hat sich viel getan: Vor allem in Firmen mit mehr als zwei Millionen Euro Umsatz entwickelt sich der Abschluss einer Cyberversicherung von der Ausnahme zur Regel.“

Bei Kleinstunternehmen nur geringe Zunahme

 

Im Detail sehen die Ergebnisse so aus: Während 2018 noch 37 Prozent von einer Cyberversicherung in mittleren Unternehmen (50 bis 249 Mitarbeiter, zehn bis 50 Millionen Euro Umsatz) nichts wussten, sind es 2022 nur noch rund 22 Prozent. Bei den Abschlüssen haben aktuell 44 Prozent entweder bereits eine Cyberversicherung oder planen, eine abzuschließen – doppelt so viele wie 2018. In kleinen Unternehmen (zehn bis 49 Mitarbeiter, zwei bis zehn Millionen Euro Umsatz) kennen inzwischen fast 70 Prozent der Entscheider das Angebot einer Cyberversicherung; das sind rund 20 Prozentpunkte mehr als 2018. Zudem haben im Jahr 2022 42 Prozent dieser Unternehmen Interesse an einer Cyberpolice oder eine solche bereits abgeschlossen, 2018 waren es nur 30 Prozent. In Kleinstunternehmen (bis neun Mitarbeiter, bis zwei Millionen Euro Umsatz) hat sich die Lage laut GDV seit 2018 dagegen kaum verändert. Das Angebot kennen fünf Prozentpunkte der Befragten mehr als vor vier Jahren. Die Abschlüsse bzw. das Interesse an der Versicherung stiegen ebenfalls um fünf Punkte auf 26  Prozent.


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