PKV: Kostenanstieg zwingt zu Transparenz und stabilen Reserven
Steigende Leistungsausgaben, demografischer Wandel und Inflation belasten die private Krankenversicherung massiv. Beitragsanpassungen sind unausweichlich, prognostiziert die Ratingagentur Assekurata

(Foto: © Coloures-Pic – stock.adobe.com)
Steigende Ausgaben für medizinische Leistungen stellen die private Krankenversicherung (PKV) vor große Herausforderungen. Der Fortschritt in der Medizin, eine alternde Bevölkerung und steigende Preise im Gesundheitswesen treiben die Ausgaben kontinuierlich und zuletzt deutlich spürbar nach oben. „Für die Unternehmen geht es darum, ihre finanzielle Stabilität dauerhaft zu sichern und zugleich das Vertrauen ihrer Versicherten zu erhalten, auch wenn Beitragsanpassungen unvermeidlich sind“, sagt Abdulkadir Cebi, Bereichsleiter bei der Ratingagentur Assekurata. In diesem Umfeld gewinnen unabhängige Bewertungen an Bedeutung: „Sie verdichten komplexe Finanz- und Leistungsdaten zu nachvollziehbaren Einschätzungen, schaffen Transparenz und geben Orientierung“, so Cebi.
Medizinischer Fortschritt kostet Geld
Die Ursachen für steigende Kosten sind vielfältig. Neue Therapien und Medikamente verbessern die Versorgung, bringen aber hohe Preise mit sich. Mit einer älteren Bevölkerung wächst zudem die Inanspruchnahme von Leistungen. Fast alle Bereiche – Arzneimittel, Pflege, Krankenhaus – sind von deutlichen Preissteigerungen betroffen. Assekurata-Experte Cebi: „Diese Trends wirken langfristig und stellen die Kalkulation der Versicherer immer wieder infrage.“
Beitragssteigerungen um bis zu 30 Prozent
Besonders sichtbar werden die Belastungen in den aktuellen Beitragsanpassungen zum Jahreswechsel 2024/2025, so die Analyse der Kölner Ratingagentur. Schätzungen zufolge waren rund zwei Drittel der PKV-Versicherten betroffen, im Schnitt stiegen die Prämien um etwa 12,5 Prozent. „Während einige Tarife nur leicht erhöht wurden, mussten andere Versicherte Aufschläge von bis zu 30 Prozent hinnehmen“, berichtet Bereichsleiter Cebi. Nachholeffekte der Corona-Pandemie, mehr stationäre Behandlungen und die allgemeine Inflation hätten die Kostenerhöhung massiv beschleunigt. Lag die jährliche Ausgabensteigerung vor der Pandemie bei rund fünf Prozent, erreichte sie 2023 bereits neun Prozent und übertraf dieses Niveau 2024 sogar.
Versicherer versuchen, die Beitragsdynamik zu dämpfen
Um die Dynamik abzufedern, nutzen die Versicherer Rückstellungen für Beitragsrückerstattung (RfB). „Sie wirken dämpfend, reichen aber längst nicht aus, um steigende Kosten vollständig zu kompensieren“, sagt Cebi. Die zentrale Kennzahl für diese Reserven ist die RfB-Quote. Sie lag 2023 noch bei rund 34,5 Prozent, fiel 2024 aber auf etwa 30 Prozent – und dürfte weiter sinken. Assekurata analysiert regelmäßig den Markt und stellt immer wieder erhebliche Unterschiede zwischen den Anbietern fest: Während einige kaum über zehn Prozent Reserven vorhalten, erreichen andere mehr als 70 Prozent. „Wie stark die Rückstellungen wirken, hängt vom Geschäftsmix und der Tarifstruktur ab“, erläutert Cebi. „Für Versicherte ist dies kaum durchschaubar.“
Transparenz schaffen, Vertrauen ins System stärken
Genau hier setzen unabhängige Ratings an. Sie übersetzen komplexe Finanzstrukturen in verständliche Urteile über Robustheit und Zukunftsfähigkeit eines Anbieters. So erhalten Versicherte Orientierung in einem Markt, der von außen schwer zu durchschauen ist. Die Ratings können die erforderliche Transparenz schaffen, die Vermittlerinnen und Vermittler in die Lage versetzt, die Finanzkraft von PKV-Gesellschaften zu beurteilen. „Es geht darum, das Vertrauen in ein System zu stärken, das langfristig Sicherheit und gute Leistungen gewährleisten muss“, resümiert Assekurata-Bereichsleiter Cebi.
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